Investigativer Journalismus: Methode und Presse-Ethik

Expliziert am Beispiel von Wallraffs Rollenreportagen “Der Aufmacher” und “Ganz unten”

Anhand der Gegenüberstellung von Täter- und Opferrolle.

Diese Arbeit konzentriert sich auf die Methode der Rollenreportage als Aspekt des investigativen Journalismus und auf die damit verbundenen presse-ethischen Implikationen. Ziel ist es, Aspekte des investigativen Journalismus im Hinblick auf die Möglichkeiten und Probleme von Rollenreportagen aufzuzeigen und sie vor dem Hintergrund des Pressekodexes zu erörtern. Im Mittelpunkt werden exemplarisch zwei Reportagen Günter Wallraffs bezüglich der dort angelegten Rollen diskutiert.

Wallraff und der Pressekodex in der Diskussion (eigene Darstellung)

1. Einleitung

Diese Arbeit konzentriert sich auf die Methode der Rollenreportage als Aspekt des investigativen Journalismus und auf die damit verbundenen presse-ethischen Implikationen. Ziel ist es, Aspekte des investigativen Journalismus im Hinblick auf die Möglichkeiten und Probleme von Rollenreportagen aufzuzeigen und sie vor dem Hintergrund des Pressekodexes zu erörtern. Im Mittelpunkt werden exemplarisch zwei Reportagen Günter Wallraffs bezüglich der dort angelegten Rollen diskutiert.

Im ersten Schritt werden einige Grundlagen zum investigativen Journalismus (2) erarbeitet. Neben der Begriffsdefinition (2.1) und Wallraffs Auffassung zum investigativen Journalismus (2.2) werden eine Theorie zur Reportage (2.3) sowie Wallraffs Methodik (2.4) erläutert. An dieser Stelle wird ebenfalls Wallraffs Auffassung seiner eigenen journalistischen Tätigkeit zu klären sein. Es muss die Frage beantwortet werden, welche Motive Wallraff bei seiner Arbeit antreiben und womit er seine Mittel rechtfertigt.

Aufgrund dieser erarbeiteten Basis kann nun die Rollenreportage als Aspekt des investigativen Journalismus am Beispiel von Günter Wallraffs Rollenreportagen (3) erläutert werden. Wegen des Themenschwerpunkts, der bei dieser Arbeit auf Täter- bzw. Opferrolle in investigativen Rollenreportagen liegt, soll der Fokus auf zwei ausgesuchten Reportagen gerichtet werden, die den Aspekt der Rollenreportagen und deren Funktionen sowie ihre medien-ethischen Probleme für den investigativen Journalismus aufzeigen. Zuerst wird mit der Reportage „Günter Wallraff – der Mann, der Hans Esser war“ der Aspekt der Täterrolle (3.1) aufgegriffen. Wallraff schlüpft hier in die Rolle eines Bildzeitungsreporters und deckt so als „Täter“ die Machenschaften der Bildzeitung auf. Dem gegenüber steht die Reportage „Ganz unten“, in der sich Wallraff in der Opferrolle (3.2) des Türken Ali befindet, der unter anderem als Leiharbeiter seine Arbeitskraft verkauft.

Nach der Vorstellung der Vorgehensweise und der Recherchemethoden Wallraffs muss es in einem abschließenden Fazit (4) darum gehen, die presse-ethischen Aspekte des investigativen Journalismus anhand der vorgestellten Reportagen aufzuarbeiten und die Konsequenzen für Wallraffs Methodik im Rückgriff auf dem Pressekodex aufzuzeigen.

2. Investigativer Journalismus

2.1. Zum Begriff

Mit dem Namen Günter Wallraff ist unweigerlich auch der Begriff des investigativen Journalisten verbunden. Aber was ist eigentlich investigativer Journalismus und welche Inhalte sind damit verbunden? Genau dies gilt es zunächst zu klären. Das Bertelsmann-Lexikon definiert den Begriff Journalismus folgendermaßen:

„Journalismus, […] als Beruf von Journalisten ausgeübte (Tages-) Schriftstellerei u. (oder) publizistische Gestaltung, Redaktion im Dienst von Presse, Hörfunk, Fernsehen u. Film. Der J. wurde im 19. Jh. zu seiner modernen Form entwickelt; er verlangt vom Journalisten die Fähigkeit, schnell, aktuell, verständl. u publikumswirksam zu schreiben, wobei die Maßstäbe von Gründlichkeit u. Wahrhaftigkeit nicht verletzt werden dürfen.“[1]

Diese Definition nähert sich einem, wie ich es nennen möchte, Tagesgeschäft-Journalismus an. Wie unterscheidet sich diese Art von Tagesgeschäft-Journalismus denn nun von einem investigativen Journalismus? Laut Fremdwörterduden meint investigativ erst einmal soviel wie „nachforschend, enthüllend, aufdeckend“[2]. In einer ersten, zugegebenermaßen doch sehr dem Alltagswissen entsprechenden Definition soll investigativer Journalismus als Enthüllungsjournalismus definiert werden.

Um diesen Begriff noch konkreter zu umreißen und weiter mit Inhalten zu füllen, erweist es sich als nützlich, einige Kriterien anzuführen, die den investigativen Journalismus von einem Tagesgeschäft-Journalismus, so wie ihn das Bertelsmann-Lexikon beschreibt, unterscheiden. Johannes Ludwig (2002) definiert den investigativen Journalismus durch folgende drei Faktoren:

„1) Die Themen, die aufgegriffen werden, zeichnen sich durch soziale (politische, gesellschaftliche) Relevanz aus. Dies ergibt sich aus der öffentlichen Aufgabe der Medien. […] 2) Dem investigativen Journalisten, aber auch dem oder den Informanten, die ihn dabei direkt oder indirekt, aktiv oder passiv unterstützen, kommt eine aktive Rolle zu, denn die Recherchearbeit ist in der (Regel) dominanter und aufwändiger als bei anderen journalistischen (Recherche-) Tätigkeiten. […] 3) Die Recherchearbeit erfolgt (in der Regel) gegen Widerstände und Barrieren, denn an der Aufdeckung oder gar der Veröffentlichung hat die ‚Gegenseite’ kein Interesse.“[3]

Somit erfährt der Enthüllungsjournalismus eine wesentliche Abgrenzung von einem Tagesgeschäft-Journalismus. Zwar haben beide Formen den Anspruch, Themen von einer gewissen sozialen, gesellschaftlichen und/ oder politischen Wichtigkeit für ihr Publikum aufzugreifen. Das besagt ja auch bereits die Nachrichtenwert-Theorie. So versteht Lippman unter der Terminus Nachrichtenwert „(news value) die Publikationswürdigkeit von Ereignissen“[4], die mittels bestimmter Faktoren ermittelt werden kann:

„Je mehr eine Meldung dem entspricht, was Journalisten für wichtige und mithin berichtenswerte Eigenschaften der Realität halten, desto größer ist ihr Nachrichtenwert.“[5]

Das gilt vor allem für den Tagesgeschäft-Journalismus, der ja, wie oben zitiert, eine gewisse Schnelligkeit von einem Journalisten fordert. Dies ist es wesentlicher Unterscheid zum investigativen Journalismus, wo es in erster Linie darum geht, Dinge zu enthüllen, die der Öffentlichkeit nicht so ohne weiteres zugänglich sind. Dies erfordert nach Ludwig eine in der Regel wesentlich zeitaufwändigere und arbeitsintensivere Recherchetätigkeit, als es im Tagesgeschäft-Journalismus der Fall ist.[6] Zudem ist gerade im investigativen Journalismus mit Gegenwehr derjenigen zu rechnen, die im Falle einer Veröffentlichung diskreditiert werden könnten.

Eine besonders relevante Kernaussage, die für beide Formen des Journalismus gilt, ist jedoch die im Lexikonartikel angesprochene Verpflichtung auf „Gründlichkeit und Wahrhaftigkeit“[7], welche Gegenstand dieser Arbeit sein wird, wenn es im letzten Punkt darum geht, die presse-ethischen Aspekte des investigativen Journalismus näher zu beleuchten.

2.2. Wallraffs investigativer Journalismus

Da sich die Analyse der methodischen und presse-ethischen Aspekte des investigativen Journalismus auf Günter Wallraffs Reportagen bezieht, ist es jetzt notwendig, den Begriff des investigativen Journalismus nicht nur in einer durch Ludwigs Kriterien konkretisierten Version zu diskutieren, sondern darüber hinaus Wallraffs eigene Auffassung von seiner journalistischer Tätigkeit zu klären. Was sind seine Motive? Warum und zu welchem Ende betreibt Wallraff Enthüllungsjournalismus? Was will er damit erreichen?

In einem Gespräch mit Heinz Ludwig Arnold beschreibt sich Wallraff in seiner Situation als investigativer Journalist. Er sieht sein Tun als „Einzelkämpfertum, das sich nicht damit abfindet, was es sieht, sondern immer wieder den Finger auf den wunden Punkt legt […] und durch das Handeln betroffen und engagiert wird.“[8]

Wallraffs Intention ist es, Missstände in Betrieben, in der Wirtschaft, im gesellschaftlichen Umfeld aufzudecken und die Öffentlichkeit medienwirksam darauf aufmerksam zu machen. Sein Verständnis von Literatur und Schriftstellerei beschreibt er dabei mit dem Anspruch, keine artifizielle Literatur produzieren zu wollen, die wenig mit der realen Wirklichkeit zu tun hat:

„Nicht Literatur als Kunst, sondern Wirklichkeit! Die Wirklichkeit hat noch immer die größere und durchschlagendere Aussagekraft und Wirkungsmöglichkeit, ist für die Mehrheit der Bevölkerung erkennbar, nachvollziehbar und führt eher zu Konsequenzen als die Phantasie des Dichters.“[9]

Hier wird Wallraffs Selbstverständnis als investigativer Journalist und sein Anspruch an die von ihm veröffentlichten Reportagen deutlich. Er betont, dass seine Reportage eben keine erdichtete Literatur ist, sondern hat den journalistischen Anspruch, die Wirklichkeit, die „soziale Wahrheit“[10], zu beschreiben und kritisch zu reflektieren.

Damit zeigen sich in Wallraffs Konzeption von investigativem Journalismus und in seiner Auswahl von relevanten Themen Parallelen zu Egon Erwin Kisch:

„Die Orte und Erscheinungen, die er [der Reporter] beschreibt, die Versuche, die er anstellt, die Geschichte, deren Zeuge er ist, und die Quellen, die er aufsucht, müssen gar nicht so fern, gar nicht so selten und gar nicht so mühselig erreichbar sein, wenn er in einer Welt, die von der Lüge unermeßlich überschwemmt ist, wenn er in einer Welt, die vergessen will und darum bloß auf Unwahrheit ausgeht, die Hingabe an ein Objekt hat. Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit, nichts ist phantasievoller als die Sachlichkeit. Und nicht Sensationelleres gibt es in der Welt als die Zeit, in der man lebt.“[11]

Wallraff ist der Ansicht, dass erst das Berichten über die Wirklichkeit für die breite Masse der Bevölkerung nachvollziehbar ist. Diese Nachvollziehbarkeit sorgt laut Wallraff dafür, dass die Bevölkerung Missstände erkennt und aktiv wird, um die Wirklichkeit zu verändern. Eine solche direkte Wirkungskraft spricht Wallraff dem Dichter und der ästhetisch-fiktiven Literatur ab.

Warum und zu welchem Ende betreibt Wallraff nun also Enthüllungsjournalismus? Wallraff will weg von einer erdachten Literatur hin zu einem Wirklichkeitsbericht und hat als investigativer Journalist hier den Anspruch, Probleme aufzudecken und öffentlich zu machen. Wallraff betreibt Enthüllungsjournalismus aber nicht um des Enthüllungsjournalismus’ willen. Stattdessen hat er den Anspruch, mit seinen Reportagen etwas in den Menschen wachzurütteln und sie im zweiten Schritt zu Veränderungen zu bewegen:

„Dieses Wachrufen aus der längst hingenommenen Gewöhnung, das Aufstacheln des Willens zur Veränderung, diese Aufforderung zu konsequent-politischem Denken ist Voraussetzung für die Erkenntnis, daß dieses Denken nicht innerhalb der Literatur, sondern innerhalb der ganz und gar politisierten (und deshalb nur politisch anzugehenden) Wirklichkeit liegt und – wenn möglich – über die Änderung des Bewußtseins zur Veränderung der Gesellschaft führt.“[12]

Mit welchen Mitteln aber schafft es Wallraff, seine Absichten zu erfüllen? Diese Fragestellung steht im nun folgenden Teil im Mittelpunkt. Um sich ihrer Beantwortung zu nähern, muss zuerst der Begriff Reportage, der bereits mehrmals Verwendung gefunden hat, geklärt werden. Diese Informationen ermöglichen dann den konkreten Blick auf Wallraffs spezifische Methoden.

2.3. Die Reportage

Wallraff hat die Form der Reportage gewählt, um seine Investigationen zu veröffentlichen. Was ist denn nun eine Reportage und warum ist sie für Wallraffs Zwecke so gut geeignet? Dies gilt es, jetzt zu klären. Im ersten Schritt geht es darum, Form und Wesen der Reportage zu definieren. Im zweiten Schritt muss die Funktion der Reportage für Wallraff näher erläutert werden.

Die Reportage ist eine bestimmte Form des journalistischen Berichtserstattens. Siegfried Kracauer bringt dies folgendermaßen zum Ausdruck: „Die Reportage fotografiert das Leben.“[13] Die Reportage bzw. der Bericht erhebt dabei den Anspruch, die Wirklichkeit in Zahlen, Daten und Fakten abzubilden und zu dokumentieren. So ist die Reportage die Textform, in der das recherchierte Material für das Publikum aufbreitet und veröffentlicht wird.

Damit erfüllt sie eine wichtige Voraussetzung für Wallraff: Die für seine Konzeption von investigativem Journalismus relevante Trennung von fiktiver Literatur und der Reportage, die die Realität abbildet:

„Die genau beobachtete und registrierte Wirklichkeit ist immer phantastischer und spannender als die kühnste Phantasie eines Schriftstellers.“[14]

Wichtig ist dabei die, notfalls auch juristische, Nachprüfbarkeit der dokumentierten Enthüllungen:

„Das festgehaltene, geschriebene Wort schafft Distanz, macht das Gesprochene festlegbar, nachprüfbar. Es stellt, wenn es entsprechend abgeklopft und eventuell mit knappen Kommentaren versehen wird, Autorität in Zweifel, ist der erste Schritt zu einer späteren Analyse. Bei jeder Gelegenheit Öffentlichkeit herzustellen, wo abgeschirmt wird. Alles das sagen, was ‚man nicht sagt’.“[15]

Zudem unterstreicht Wallraff einen zweiten Aspekt, der direkt mit der soeben angerissenen Realismusdiskussion im Zusammenhang steht: Die Nachprüfbarkeit ist Mittel zum Zweck. Sie unterstreicht den Wahrheitsgehalt der angesprochenen Verhältnisse für den Leser, sodass dieser, wie Wallraff es sich vorstellt, selbst aktiv wird und zu einer Veränderung der Wirklichkeit beiträgt:

„Die Nennung von Name, Ort, Zeit (also durch Heraustreten aus dem Fiktiven) erhöht die Glaubwürdigkeit. Das Dargestellte wird nachprüfbar. Zum andern, die aus ihrem Schonbereich hervorgeholten Repräsentanten geraten unter öffentliche Kontrolle. Autorität (zuweilen Ehrfurcht) wird zerstört, indem zum Beispiel Namen, die vielleicht im regionalen oder auch überregionalen Bereich zu Gütezeichen oder Symbolen geworden sind, demaskiert werden, was sie in Wirklichkeit sind, nämlich Symbole zu dem der Ausbeutung. Erste Ansätze des Willens nach Änderung und Befreiung können so entstehen.“[16]

Damit hat die Reportage einen gewissen „Kampfwert“[17].

„Der Kampfwert der Reportage wird […] von Kisch deutlicher umschrieben. Die Reportage soll den ‚Nutznießern der Welt’ ‚gefährlich’ werden, was nach Kischs Ansicht dann geschieht, wenn Lebensbereiche und Sachverhalte dargestellt werden, die offiziellen Darstellungen sich entziehen oder der Öffentlichkeit vorenthalten werden. Der Kampfwert ergibt sich mithin aus dem Aufklärungseffekt […].“[18]

Genau dieser „Kampfwert“, diese Form von Streitbarkeit in Bezug auf gesellschaftliche, politische oder ökonomische Missstände, ist es, was für Wallraff die Funktion einer guten Reportage ausmacht.

Die oben angestrebte Fotografie-Metapher trifft das Wesen der Reportage aber nur bis zu diesem Punkt. Aufgrund der Tatsache, dass der Reportage eben jener soeben zitierte „Kampfwert“ zugesprochen wird, ist dies Fotografie-Metapher nicht mehr hinreichend.

Während beispielsweise ein fotografiertes Szenario einer Häuserreihe in seiner Anordnung auf der Fotografie nicht mehr veränderbar ist, wird in einer Reportage das Arrangement des Materials zum Zwecke der Erreichung maximalen „Kampfwertes“ durchaus praktiziert. Dies formuliert auch Lukàcs folgendermaßen:

„Die richtige Reportage begnügt sich ja nicht damit, einfach Tatsachen darzustellen; ihre Schilderungen ergeben stets einen Zusammenhang, decken Ursachen auf, rufen Folgerungen hervor… Die Tatsache […] wird in einer guten Reportage in voller sinnlicher Nacherlebbarkeit […] dargestellt, zuweilen sogar gestaltet.“[19]

Der Reporter hat nämlich in seiner Reportage die Freiheit, das recherchierte Material in eine für seine Zwecke sinnvolle Reihenfolge zu bringen und zu kommentieren. Um eine bestimmte Aussage zu erreichen, hat er beispielsweise die Möglichkeit, die Ergebnisse der Recherchen kontrastierend gegenüberzustellen. So gibt der Reporter seiner Leserschaft die Gelegenheit, eigene Schlüsse aus dem Material zu ziehen.

Auch Wallraff nutzt diese Technik bzw. „die Berichtmethode des montierenden Kontrastes oder des kontrastierenden Montierens“[20] in seinen Reportagen[21]:

„Hervorragendes Mittel zur Dokumentation ist die Montage, sie soll über die bloße Wiedergabe von zufälligen Realitätsausschnitten hinausgehen. So kann sich der Zusammenhang für den Leser entweder durch die Anordnung und Kombination der Realitätspartikel herstellen. Vor allem das Mittel des Kontrastierens, das auf Widersprüche und Brüche in der Realität hinweist, setzt den Leser in die Lage, selbst aus dem ausgebreiteten Material Schlußfolgerungen zu ziehen. Oder aber die Erklärung, der Kommentar wird in Form von Zwischenüberschriften, Zwischentexten oder Szenen der Darstellung von Realitätsausschnitten einmontiert, wobei der ‚Bruch’ der Wechsel der Form, bewußt herausgestellt wird.“[22]

In seinen verschiedenen Reportagen nutzt Wallraff neben den unterschiedlichen Möglichkeiten des Montierens, Kontrastierens und Kommentierens immer eine ganz bestimmte Perspektive, die er während seiner Recherchen durch die spezielle Technik der Rollenreportage gewonnen hat.

Im nächsten Schritt muss es jetzt also darum gehen, diese Rollenreportagetechnik zu explizieren.

2.4. Die Rollenreportage

Auf dem Hintergrund der Definition des Begriffs Reportage kann nun der Begriff Rollenreportage erläutert werden. Zuerst wird die genutzte Methode der verdeckten teilnehmenden Beobachtung zu diskutieren sein. Danach wird Wallraffs Methode der Rollentechnik dahingehend untersucht, warum sie notwendig ist und welche Inhalte damit verbunden sind.

Obwohl Wallraff selbst seine Arbeiten nie einer wissenschaftlichen Theorie zugeordnet hat, lässt sich dieses Problem mit einer kurzen Analyse einer Methode, die in der Sozialwissenschaft gemeinhin als „verdeckte teilnehmende Beobachtung“[23] definiert wird, lösen, denn prinzipiell macht Wallraff in seinen Reportagen nichts anderes:

„Hervorragendes Kennzeichen der teilnehmenden Beobachtung ist, daß sie in der natürlichen Lebenswelt der Beobachteten eingesetzt wird. Bei der teilnehmenden Beobachtung nimmt der Sozialforscher [der Reporter] als Beobachter am Alltagsleben der ihn interessierenden Personen oder Gruppen teil. Die Beobachtung wird vornehmlich dort praktiziert, wo es um ansonsten schwer zugängliche soziale Felder geht.“[24]

Genau das ist es auch, was Wallraffs Rollentechniken beinhalten. Nun führt Wallraff eine verdeckte teilnehmende Beobachtung durch, das heißt, er gibt sich, wie schon erläutert, seiner Umwelt nicht als Forscher, respektive Reporter, zu erkennen, ist aber selbst als Teilnehmer, als Element des Beobachtungsfeldes, erkennbar.[25] Interessant in Bezug auf die Rollenreportage ist in diesem Zusammenhang auch die Frage nach Wallraffs Rolle, einer aktiven oder passiven Partizipation in und mit seinem Beobachtungsfeld. Mit Blick auf Wallraffs Reportagen lässt sich hier deutlich erkennen, dass er durchaus aktiver Teilnehmer ist und Situationen nicht nur durch seine Anwesenheit beeinflusst, sondern im Zuge seines spezifischen Erkenntnisinteresses auch initiiert oder verändert.

Die Rollenreportage beinhaltet erst einmal alle Aspekte, die auch bei einer herkömmlichen verdeckten teilnehmenden Beobachtung relevant sind. Wallraff hat in seiner Funktion als investigativer Journalist den Anspruch, politische oder gesellschaftliche Missstände publik zu machen und nutzt zur Verarbeitung seines Materials die Reportageform. Bereits vor und während seiner Recherche, also zur Erforschung der für Wallraff zum Zentralthema gemachten Realität, hat er sich aber für die Form der Rollenreportage entschieden, was Auswirkungen auf seine Recherchestrategie hat. Die Anwendung einer Rollentechnik bedeutet, dass der Reporter selbst in seinem investigativen Recherchefeld nicht mehr als Reporter auftritt, sondern die Rolle eines in irgendeiner Weise an dem Geschehen beteiligten Individuums einnimmt.

Heinrich Böll charakterisiert Wallraffs Arbeitsweise und seine Stellung als Reporter mit folgenden Worten:

„Er [Wallraff] ist kein Reporter im überkommenen Sinn, der recherchiert, interviewt und dann seinen Bericht schreibt. Er ist kein Essayist, der sich informiert und dann abstrakt analysiert. Er gehört auch nicht zu den Autoren, die das, was man herablassend die Arbeitswelt zu nennen beliebt, zum Gegenstand von Romanen und Erzählungen macht. Das sind Legitime der Publizistik. Wallraff hat eine andere Methode gewählt, er dringt in die Situation, über die er schreiben möchte, ein, unterwirft sich ihr und teilt seine Erfahrungen und Ermittlungen in einer Sprache mir, die jede ‚Überhöhung’ vermeidet […].“[26]

Wallraff ist in seinen Reportagen also immer direkter Beteiligter und schlüpft beispielsweise in seinen „Industriereportagen“ in die Rolle des Arbeiters und Angestellten. Seine Rolle ist jeweils getarnt. Er arbeitet unter anderem unter verschiedenen Pseudonymen, macht falsche Angaben über Herkunft, Ausbildung oder Titel, schleicht sich unter einem Vorwand in bestimmte Bereiche eines Unternehmens ein. Niemand im Umfeld seines Rechercheinteresses kennt dabei seine wahre Identität als Reporter. So gelingt es Wallraff, Einblick in die Situation aus einer Perspektive zu bekommen, die ihm sonst verborgen geblieben wäre.

Nehmen wir ein beliebiges Reportagethema, mit dem irgendein, von außen kommender Reporter nach einem Gespräch mit dem Oberarzt und seinem Patienten über die Behandlungsmethoden in einer Entwöhnungsheilanstalt für Alkoholkranke berichtet. Wallraff hat sich ebenfalls für dieses Thema interessiert. Anstatt aber von außen zu recherchieren, hat er sich jedoch, den Alkoholiker mimend, selbst in eine solche Anstalt einweisen lassen und hat dadurch die Möglichkeit bekommen, die Geschehnisse dort am eigenen Leib zu erleben:

„Er besichtig nicht, er neutralisiert nicht, indem er ‚auch die Gegenseite zu Wort kommen lässt’. Er unterwirft sich einer Situation und schildert sie vom Standort des Unterworfenen aus. Er ist immer Subjekt.“[27]

Das führt Wallraff zu einer ganz bestimmten Erzählperspektive, da er selbst Handelnder, Ausführender, Mittäter oder Mitopfer ist. Die unterschiedlichen Rollenkonstitutionen sollen im nächsten thematischen Block dieser Arbeit noch eingehender fokussiert werden. Zunächst geht es aber darum, dass Wallraff niemals ein unbeteiligter Dritter ist, sondern die Gegenstände seiner Reportagen in seiner Erfahrungswelt liegen:

„Die ‚Rollentechniken’ lassen das ‚Reportersubjekt zum Träger eines Vorgangs mit bestimmten Handlungselementen’ werden. Sie verlangen Vorkenntnisse und eine bewußte Organisation, denn wenn der Reporter sie erfolgreich anwenden will, müssen die Rollen so ausgewählt und gestaltet werden, daß kein Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit aufkommen kann.“[28]

Zudem sind die Rollen, die Wallraff erfindet und auswählt, bewusst auf ein Szenario hin ausgelegt. Obwohl die Rollen, die Wallraff spielt, nur zum Teil einem wirklichen Vorbild entlehnt und sogar allzu oft frei erfunden sind, „verlässt er in seiner Berichterstattung jedoch nie ‚das Feld nachprüfbarer Fakten’, sondern stützt sich immer auf das, was er ermittelt hat und belegen kann“[29].

Wallraff geht mit einer These, einem Thema, in seine Arbeit, die er verifizieren oder falsifizieren will. Er gestaltet seine Rolle, um zielsicher einer bestimmten Konfrontation entgegentreten, diese initiieren oder sogar inszenieren zu können und so seinen definierten Antagonisten dazu zu bringen, seine Praktiken offen zu legen:

„Diese ‚Rollentechniken’ enthalten jeweils eine produktive Provokation, da Günter Wallraff mit seinen Rollen, die er annimmt, seine jeweiligen Gegenüber zwingt zu zeigen, wes Geistes Kind sie sind.“[30]

Wallraffs Reportagen sind zumeist eben gerade nicht darauf ausgelegt, beide Seiten zu Wort kommen zu lassen. Vielmehr geht es ihm darum, dass die Rollen, die er schafft und in denen er sich zeigt, dazu geeignet sind, „sich in den Dienst von unterdrückten Mehrheiten, von Schichten zu stellen, die sonst nicht zu Wort kommen, sie sonst nicht repräsentiert werden.“[31] Wallraff legt Wert darauf, die Dinge, die er in seinen Reportagen verarbeitet, in eigenen Erfahrungen gesammelt zu haben, was wiederum zur Erhöhung von Wahrheitsgehalt und Glaubhaftigkeit führt. Dieser Aussagenzusammenhang rekurriert ebenfalls noch einmal auf Wallraffs Auffassung von seiner Aufgabe als investigativer Journalist.

Warum ist es für Wallraff so wichtig, inkognito zu recherchieren, sich seinem Umfeld nicht als Reporter preiszugeben? Nicht nur die Möglichkeit sondern vielmehr die Notwendigkeit des Verborgen-Bleibens ergibt sich in Konsequenz aus der Rolle des Reporters, die ihm durch das gesellschaftliche Umfeld zugewiesen wird:

„Das hängt damit zusammen, daß man in der Gesellschaft als Journalist die Dinge immer von außen vorserviert bekommt, bereits gefiltert… von daher muß man eben Wege finden, diese Sperren zu durchbrechen und nicht Informationen aus zweiter oder dritter Hand wiederzugeben. […] Journalismus ist immer etwas Gefiltertes, von außen Abgeschautes, und nur das wirklich existentiell Erlebte, was einen in der eigenen Existenz auch bedroht, kann sich im Schreiben so umsetzen, daß es eine ganz andere Durchsetzungskraft erreicht.“[32]

In dieser Beschreibung der Situation des Journalisten ein Dilemma deutlich. Zum einen ist es absolut notwendig, in verschiedenen, der Öffentlichkeit unzugänglichen Bereichen der Gesellschaft verdeckte Recherchen durchzuführen, um Filterungseffekte und das gezielte Zurückhalten von eventuell relevanten Informationen zu verhindern. Wallraffs Prämisse lautet hier, dass „man täuschen muß, um nicht getäuscht zu werden.“[33]

Zum anderen zeigt sich hier aber auch das Problem des Rollenbewusstseins. Nehmen wir erneut das Beispiel der Irrenanstalt, in die sich der angeblich alkoholkranke Rollenreporter Wallraff einweisen lässt. Wallraff ist sich vollkommen seiner Rolle bewusst. Er weiß, dass er nicht alkoholkrank ist und er weiß auch, dass er das Ganze „nur“ mit sich machen lässt, um Material für seine nächste Reportage zu gewinnen. Das ist sicherlich dahingehend von Vorteil, da dann die Gefahr des „going native“[34], also das vollkommene, unreflektierte Aufgehen im Beobachtungsfeld, minimiert ist. Würde es ihm andererseits zuviel werden, könnte er jederzeit abbrechen und sich aus der Klinik entlassen. Wäre er ein wirklicher Patient, so bliebe ihm diese Option verwehrt. Mit Recht kann man an dieser Stelle fragen, ob das soeben zitierte „wirklich existentiell Erlebte, was einen in der eigenen Existenz auch bedroht“[35], was Grund und Auslöser für den Schreibprozess ist, unter der Prämisse des „Ich-könnte-abbrechen-wenn-ich-wollte“ überhaupt noch zustande kommen kann. Wallraff ist sich dieser Problematik durchaus bewusst. Er erkennt sie an und geht darauf ein, dass das Problem auf alle seiner Reportagen zutreffen kann, insbesondere was Reportagen in Industriebetrieben angeht. Hier sei es nicht so einfach für einen normalen Arbeiter möglich, Kritik zu äußern, da sein Arbeitsplatz und damit seine finanzielle Existenz und die seiner Familie auf dem Spiel stehen:

„Günter Wallraff […] sieht in der Tatsache, daß er als Arbeiter auf Zeit nicht die existentielle Grundsituation eines Arbeiters auf Lebenszeit hat, eine Minderung der sozialen Wahrheit seiner Industriereportagen.“[36]

Dennoch sieht er in seinen Rollenreportagen genug empirisch gesammeltes Wahrheitspotenzial, da Wallraff sich selbst in einer Art Stellvertreterposition sieht. Er betont den Vorteil, den er gegenüber einem Arbeiter hat, denn er hat die Möglichkeit und auch die Unabhängigkeit, um Missstände aufzudecken und den Unternehmer in der Öffentlichkeit zu kritisieren. Wallraff bringt seine Intention und den Inhalt seines Enthüllungjournalismus’ noch einmal auf den Punkt:

„Wenn innerhalb des Herrschaftsbereichs des Betriebes Informationssperren und Lügentarnwände errichtet sind und wenn der begründete Verdacht vorliegt, daß damit Reaktionäres und Illegales, was grob gegen die Interessen der Mehrheit der Kollegen verstößt, aufrecht erhalten wird, eventuell gewisse Rollentechniken benutzen. […] Hier geht es nicht darum, private, sondern gesellschaftliche Krankheiten in Erfahrung zu bringen und sichtbar zu machen. […] Das Prototypische herausarbeiten – nicht personifizieren. Zeigen, daß es keine Einzelfälle sind, keine einfach wegzuretuschierenden Mißstände, vielmehr systemimmanente Zustände.“[37]

Im vergangenen Teil sind Aspekte des investigativen Journalismus im Hinblick auf die Möglichkeiten und Probleme von Rollenreportagen aufgezeigt worden. Zusammenfassend lässt sich außerdem sagen, dass Wallraff in der Praxis konkret mit Reportagen von Einzelfällen arbeitet. Über das gezielte Arrangieren dieser Einzelfälle will Wallraff zu einer Aussage über die Wirklichkeit gelangen.

Zwei dieser Rollenreportagen werden im nun folgenden Teil anhand der Gegenüberstellung von Täterrolle und Opferrolle vorgestellt.

3. Wallraffs Rollenreportagen

3.1. Vorbemerkung

Nachdem im vorherigen Teil dieser Arbeit wichtige Grundlagen zu Günter Wallraffs investigativem Journalismus und seine Methoden und Techniken erläutert worden ist, soll es jetzt darum gehen, die angesprochenen Rollentechniken an zwei Beispielen zu demonstrieren.

Dazu werden die beiden Reportagen „Der Aufmacher“ und „Ganz unten“ in Bezug auf die dort angelegten Rollen von Täterrolle und Opferrolle analysiert. Im ersten Schritt wird Wallraffs Aufklärungsinteresse zu klären sein: Warum betreibt Wallraff ausgerechnet in diesem Feld investigativen Journalismus? Was ist seine Arbeitsthese? Im zweiten Schritt muss dann die Rollenbeschreibung folgen: Welche Rolle wählt Wallraff für sich aus und wie ist sie zu charakterisieren? Danach kann in einem dritten Schritt exemplarisch ein Reportagenteil herausgegriffen und im Hinblick auf Wallraffs Methoden analysiert werden. Abschließend muss in einem vierten Schritt geklärt werden, ob und, wenn ja, welche Konsequenzen sich aus Wallraffs Investigationen ergeben haben.

3.2. Wallraff als Hans Esser

Die Täter-Rolle: Beginnen wir nun mit „Der Aufmacher“. „Der Aufmacher“ ist der Beginn einer Trilogie, die die Bildzeitung thematisiert. Nach „Der Aufmacher“ folgen noch „Zeugen der Anklage“ sowie „Bildstörung“.

3.2.1. Aufklärungsinteresse

Zu Beginn muss geklärt werden, welche Thesen Wallraff für seine Arbeit ansetzt. Was ist sein Aufklärungsinteresse? Wallraff geht mit der These an seine Arbeit, die Machenschaften des Boulevardjournalismus, verkörpert durch die Bildzeitung, aufdecken zu wollen.

Auf der aktuellen Homepage des Axel-Springer-Konzerns charakterisiert Kai Diekmann, Chefredakteur und Herausgeber der Bild, sein Boulevardblatt:

„BILD ist die Erfolgsstory der größten Zeitung Europas. BILD wird jeden Tag von über zwölf Millionen Menschen gelesen. Vom Bundeskanzler bis zum Bauarbeiter. BILD hat täglich die größte Einschaltquote aller deutschen Medien. BILD ist 30 Zeitungen in einer. BILD ist Sport-Blatt und City-Führer, Service-Guide und Polit-Magazin. BILD liebt den Leser. BILD ist sein bester Freund. Der Kosmos BILD entwickelt sich jeden Tag neu. BILD ist jeden Tag 100 Überraschungen. Wer BILD liest, BILDet sich seine Meinung.“[38]

Wallraff hat ähnlich Bild-Selbstdarstellungen kennen gelernt und hat es in „Der Aufmacher“ zu seinem Thema gemacht, das Boulevardblatt von innen zu erforschen, die Arbeitsmethoden selbst anzuwenden und Bild auf die Seriosität hin zu überprüfen. Im Vorwort zu „Der Aufmacher“ wird deutlich, dass Wallraff der Bildzeitung diese Seriosität abspricht. Vielmehr erhebt er den Vorwurf, dass die Zeitung gezielt ihre Leserschaft beeinflusst, manipuliert, in Sicherheit wiegt:

„[I]n diesem Buch geht es um Gewalt, um besondere ‚geistige’ Spielart, die keiner Molotow-Cocktails und Maschinengewehre bedarf. Die Opfer sind Menschen, ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihre Würde.“[39]

Den Begriff Manipulation definiert Wallraff in Bezug auf die Bildzeitung folgendermaßen:

„[Manipulation meint,] eine ungeschulte und politisch unmündig gehaltene Masse dorthin zu steuern, wo man sie hinhaben will, ohne daß sie in der Lage ist, zu beurteilen, ob dies für sie vorteilhaft ist oder nicht.“[40]

Wie ist Wallraff nun aber zu diesen Ansichten über die Bildzeitung gekommen? Dies wird in den folgenden Punkten zu diskutieren sein.

3.2.2. Rollenbeschreibung

Wallraff wählt für die Bild-Reportagen die Täterrolle. Er bewirbt sich bei der Hannoveraner Bildzeitungsredaktion um eine Stelle als freier Bildzeitungsreporter. Ein Freund, vormals selbst dort beschäftigt, jetzt jedoch nach eigenen Angaben dem Druck nicht mehr gewachsen, verschafft Wallraff Zutritt, nimmt am Einstellungsgespräch mit dem Chefredakteur teil und empfiehlt ihm, den neuen Mitarbeiter einzustellen. Günter Wallraff alias Hans Esser:

„Ich bin […] Hans Esser, 30 Jahre, habe vorher Psychologie studiert, davor Betriebswirtschaft, leistungsorientiert, kapitalbewußt; ich komme aus der Werbung, sehe hier eine direkte Nahtstelle zu meiner neuen Karriere.“[41]

Diese Rolle bringt für Wallraff nicht nur eine Veränderung seines Äußeren mit sich. Er muss seinen ganzen Habitus, sein Mimik, seine Gestik, seinen Sprachgebrauch, seine Körperhaltung verändern, um überzeugend zu sein. Er muss täuschen und lügen, darf sich nicht versprechen, muss ganz bei der erfundenen Rolle sein und in ihr aufgehen. Wallraff fühlt sich von Beginn an in seiner Rolle unwohl:

„Das bin ich nicht mehr, der mich da aus dem Spiegel anschaut. So eine Visage, auf Karriere getrimmt, wie ich sie bei Jungmanagern immer haßte. Geschniegelt, gestutzt, von Höhensonne erfolgsgebräunt. Polierte Fresse: Der da die durch Jacketkronen gleichgerichteten Zähne herzeigt, den Krawattenkragen festwürgt, und sich mit einem massivgoldenen Siegelring (geliehen) seiner selbst vergewissern muß, und viel zu viel Herrenparfum (Aqua brava) auf den 500-Mark-Anzug und unter die Achseln schüttet, damit der Angstschweiß nicht ruchbar wird, möchte aus der Rolle raus, noch bevor sie anfängt. […] Jetzt habe ich Angst, eine Angst, die ich nur einmal hatte: als ich mich im faschistischen Athen ankettete. Auch diesmal trage ich meine Haut zu Markte. Nur daß dir Spuren der Verletzungen nicht so sichtbar sein werden. Damals war ich in der Unschuldsrolle des Opfers, diesmal muß ich zum Mittäter werden.“[42]

Hans Esser (Wallraff) wird eingestellt, macht sich damit zum Mittäter im Dienste der Bildzeitung. Wallraff hat mit seiner erfundenen Identität überzeugt und arbeitet fortan für nahezu vier Monate als freier Mitarbeiter, immer mit der Angst lebend, durch einen Zufall enttarnt zu werden.

3.2.3. Esser/Wallraff investigativ

Was genau ist es jetzt aber, das Wallraff herausfindet und enthüllt? Dies kann mit folgenden vier Schlagworten zusammengefasst werden:

„Nachrichtenunterdrückung, Nachrichtenverfälschung, emotionale Aufreizung und Konfliktverschleierung“[43].

Welche Methoden nutzt Wallraff neben der Rollentechnik, um seine Enthüllungen zu dokumentieren und dem Leser die Brisanz deutlich zu machen? Um das zu klären, können exemplarische Textstellen aufgegriffen werden. Hier kann aufgezeigt werden, wie Wallraff den Einzelfall nutzt, um damit zu einem Gesamtaussagenzusammenhang über die Wirklichkeit gelangt werden kann.

Zum einen ist „Der Aufmacher“ von einer starken Subjektivität geprägt. Wallraff berichtet immer in der Ich-Form, ist selbst Akteur und Handlungsträger, treibt die Handlung voran, provoziert Situationen:

„Günter Wallraff bringt sich bei seiner Beschreibung der ‚Bild’-Aktion […] nicht nur insofern als Subjekt in die Handlung ein, indem er sich nur in der Funktion des Initiators und Trägers eines bewußt organisierten, auf die Enthüllung eines tabuisierten Bereiches gerichteten Handlungsvorganges darstellt, sondern er zeugt hier vielmehr auch seine mit dieser Rolle verbundene Erlebnis- und Erfahrungswelt.“[44]

Esser/Wallraff beleuchtet durch die Schilderung von Einzelfällen verschiedene Aspekte der Bildzeitungsthematik. Mittels dieser Beispiele schafft es Wallraff, ein umfassendes Bild der Praktiken der Zeitung zu zeichnen. Er ermöglicht seinem Leser induktiv vom Einzelfall auf das Allgemeine zu schließen.

Nehmen wir als Beispiel der Reportage „Gehen Sie jetzt und schweigen Sie schon“[45]. Esser/Wallraff wird losgeschickt, um einen Bericht über eine Studentin zu schreiben, die Tek wan do praktiziert. Obwohl sie das vehement abstreitet, wird hinterher in dem Artikel zu lesen sein, dass sie, wenn sie es denn wollte, zu einer wahren Tötungsmaschine werden könnte und dass sie aus diesem Grund kaum Tanzpartner findet, da diese Angst vor einer männermordenden Furie haben.

Wallraff führt dem Leser die Opfer der Bildzeitungsmaschinerie vor Augen. Er kommentiert, analysiert, polemisiert, arrangiert und gestaltet die Fakten mit sprachlich-rhetorischen Mitteln. Wallraff nutzt Zwischenüberschriften, fügt die Artikel, die er für Bild verfasst hat, seinen Ausführungen bei, stellt die Betroffenen vor, spricht mit ihnen, enthüllt die wahre Geschichte und vergleicht sie mit dem erschienenen Bildzeitungsartikel.

Besonders deutlich wird immer wieder die oben erläuterte Methode des kontrastierenden Montierens bzw. des montierenden Kontrastes. Um dies zu verdeutlichen, führt er immer wieder eine hauseigene Springer-Analyse der Bildzeitung an, die stetig Wallraffs Thesen zu unterstreichen scheint und auch noch beweist, dass die Bild-Verantwortlichen sich dieser Machenschaften vollkommen bewusst sind und sie auch noch agenda-artig fördern.

Wallraff führt an, dass diejenigen Opfer sind, über die Bild berichtet. Durch gezielte Verdrehung der Tatsachen, pure Erfindung von Halbwahrheiten und bewusste Lügen werden die Beteiligten verunglimpft und haben zum Teil unter der Ehrverletzung stark zu leiden.

Opfer sind auch die Mitarbeiter selbst, wie Wallraff feststellt. Er erlebt hautnah den Umgang des Chefredakteurs mit den freien Reportern und kann so auch die Situation dieser Mitarbeiter nachvollziehen:

„Etwa die Hälfte der Kollegen hier arbeitet nach diesem Status als Freie. Vogelfreie! Sie kommen in der Regel früher und sind oft die letzten, die gehen. Sie haben keinen schriftlichen Vertrag, keinen Urlaubsanspruch, keine Sozialleistungen, keinen Kündigungsschutz. Sie sind auf Gedeih und Verderb der Willkür des Redaktionsleiters ausgeliefert und von seiner Gunst abhängig. Sie stehen in einer unheimlichen Konkurrenz zueinander.“[46]

Plötzlich findet sich auch Wallraff als Hans Esser in dieser Konkurrenzsituation vor, die nach seinem Empfinden durch das Großraumbüro noch verstärkt wird. Er beschreibt, dass er sich selbst durch das Redaktionsklima verändert, immer mehr zu einem Bildzeitungsspürhund auf der Jagd nach einer guten Story mit möglichst vielen Superlativen wird:

„Ich fange an, mir selber fremd zu werden. […] Ich ertappe mich dabei, daß ich nicht mehr in der Lage bin, Freunden ernsthaft zuzuhören. Alles wird unmittelbar sortiert nach dem Gesichtspunkt der Verwertbarkeit. Für BILD. […] Wenn ich vom Redaktionsleiter rausgeschickt werden, vor Ort, um Geschichten ‚aufzureißen’, begegne ich Menschen wie Ausbeutungsobjekten. Lasse sie nicht ausreden, wenn sie von ihren Nöten und Problemen erzählen. Keine Zeit. Alles in meiner Umwelt wird auf unmittelbare Ausschlachtung für BILD selektiert.“[47]

Somit wird Wallraff in der Täterrolle als Hans Esser auch zu einem Opfer der Maschinerie. Mit dieser Erkenntnis erklärt Wallraff dann in seinem Vorwort:

„Ich will die tätigen Opfer des BILD-Systems nicht denunzieren, sie nicht als Individuen darstellen und brandmarken für ihr ganzes Leben. Deshalb trägt keiner der Kollegen, mit denen ich in Hannover in der BILD-Redaktion zusammenarbeitete, im Buch seinen wirklichen Namen – wie auch einzelne andere Personen. Doch wurde nichts erfunden oder hinzugedichtet. Äußerungen und Dialoge habe ich teils direkt mitgeschrieben, teils nach Redaktionsschluß in Gedächtnisprotokollen festgehalten.“[48]

Opfer sind aber natürlich nicht zuletzt auch in seinen Augen die Leser selbst, die durch die Bildzeitung „informiert“ werden:

„Redaktionskonferenz? Diskussion? Gemeinsame Überlegungen, Abstimmungen gar? Es entsteht die tägliche klebrige Mischung. Halbwahrheit, Fälschung, offene und versteckte Werbung, verlogener Sex und heuchlerischer Crime.“[49]

Frei nach dem volksmündlerischen Motto „Bild titelt: Tränen, Titten, Tiere“. Wallraff schafft es, dies anhand vieler Einzelbeispiele zu zeigen.

3.2.4. Konsequenzen

Am 22. Juli 1977 muss Esser/Wallraff seine Arbeit abbrechen. Er wird gewarnt, dass man ihn enttarnt hat.[50] Hat „Der Aufmacher“ nach seiner Veröffentlichung Reaktionen nach sich gezogen?

Nun, zuerst einmal hat es Konsequenzen für Wallraff persönlich gegeben. Am 23. Juli 1977 titelte die Bild Hamburg: „Ein ‚Untergrundkommunist’ schlich sich ein“[51]. Wallraff wird, wie er es vorher schon an vielen Artikel nachgewiesen hatte, von der Bildzeitung „durch den Dreck gezogen“. Wie er selbst dokumentiert, sind Bildreporter abgestellt, um Wallraffs Familie, Freunde und Bekannte zu interviewen, um versteckte Skandale an den Tag zu fördern.[52]

Zudem klagt der Axel-Springer-Konzern gegen die Veröffentlichung von „Der Aufmacher“, was er aber nicht verhindern kann. In späteren Gerichtsverhandlungen werden Wallraff und sein Verlag Kiepenheuer und Witsch dazu verurteilt, in kommenden Auflagen von „Der Aufmacher“ bestimmte Einzelaussagen nicht mehr veröffentlichen zu dürfen. Der Axel-Springer-Konzern kann dies allerdings nur als Teilerfolg verbuchen, da „Der Aufmacher“ ansonsten unverändert erscheinen darf.[53]

„Der Aufmacher“ ist aber nicht nur von Bildzeitungsfunktionären gelesen worden. Wallraff hat, wie schon mehrfach angesprochen, den Anspruch an seinen investigativen Journalismus, Dinge zu erhellen, die der Öffentlichkeit nicht ohne weiteres zugänglich sind, und die Menschen über das Erkennen der Wahrheit hin zu einer aktiven Veränderung der Welt zu verändern. Hat es bei „Der Aufmacher“ solche Konsequenzen gegeben?

In der breiten Öffentlichkeit hat Wallraff Zustimmung erhalten. Viele Zuschriften dokumentieren dies. Es gründet sich später eine, auch von vielen Literaten unterstütze Initiative, die dazu aufruft, die Bildzeitung zu boykottieren. Zudem richtet Wallraff den Hilfsfond „Wenn BILD lügt – kämpft dagegen“[54] ein.

Diese Konsequenzen dokumentieren, dass Wallraffs investigativer Journalismus in diesem Fall von Erfolg gekrönt war.

3.3. Wallraff als Ali

3.3.1. Aufklärungsinteresse

Die Opfer-Rolle: „Ganz unten“ erscheint fast acht Jahre nach „Der Aufmacher“. Wallraff thematisiert mit verschiedenen Einzelreportagen die Situation von Ausländern in Deutschland von der ausländerfeindlichen Diskriminierung bis hin zur illegalen Leiharbeit. Von der methodischen Anlage her verfährt Wallraff genauso wie bei „Der Aufmacher“. Daher erübrigen sich Erklärungen zu seinen Recherchetechniken. Sein investigatives Interesse beschreibt Wallraff folgendermaßen:

„Sicher, ich war nicht wirklich ein Türke. Aber man muß sich verkleiden, um die Gesellschaft zu demaskieren, muß täuschen und sich verstellen, um die Wahrheit herauszufinden.“[55]

3.3.2. Rollenbeschreibung

Wallraff wählt für „Ganz unten“ die Rolle eines türkischen Arbeiters, der in Deutschland lebt, jedoch kaum deutsch spricht. Dazu verändert er sein Aussehen und nimmt den Namen Ali Sinirlioglu an:

„Viel war nicht nötig, um mich ins Abseits zu begeben, um zu einer ausgestoßenen Minderheit zu gehören, um ganz unten zu sein. Von einem Spezialisten ließ ich mir zwei dünne, sehr dunkel gefärbte Kontaktlinsen anfertigen […]. Ein schwarzes Haarteil verknotete ich mit meinen eigenen […] Haaren. […] So wirkte ich in meiner Rolle zwar jugendlicher, unverbrauchter und leistungsfähiger, aber sie macht mich gleichzeitig zu einem Außenseiter, zum letzten Dreck. Das ‚Ausländerdeutsch’, das ich für die Zeit meiner Verwandlung benutzte, war […] ungehobelt und unbeholfen.“[56]

Seinen türkischen Kollegen erzählt er, dass sein Vater Türke und seine Mutter Griechin ist, dass der Vater die Familie verlassen hat und dass er selbst daher kein Türkisch spricht.

Er mimt den Ausländer für seine Umgebung äußerst glaubhaft und durchlebt in dieser Rolle die verschiedensten Alltagssituationen. Wie in „Der Aufmacher“ ist Wallraff Handlungsträger und teilnehmendes Subjekt in seinem Beobachtungsfeld. Ein grundlegender Unterschied zu „Der Aufmacher“ liegt allerdings auf der Hand: Dieses Mal ist Ali/Wallraff in der Opferrolle.

3.3.3. Ali/Wallraff investigativ

Wallraff deckt in seiner Rolle als Türke Ali die verschiedensten Alltagssituationen auf und wohnt für seine Recherchen sogar im in einem heruntergekommenen Viertel mit hohem Ausländeranteil in Duisburg. Die unterscheidet Wallraffs Rolle in „Ganz unten“ von der in „Der Aufmacher“, da Wallraff jetzt auch nach Abschluss seines Tagewerkes nicht mehr in seine Privatwohnung zurückkehrt. Er beschreibt minutiös, wie er Fremdenfeindlichkeit begegnet, wie die Leute mit ihm umgehen, wie abwertend sie ihn als Türken behandeln.

Zentral sind die Beschreibungen Ali/Wallraffs über die mehr oder weniger legalen Möglichkeiten, als mehr oder weniger legaler Ausländer in Deutschland Geld zu verdienen. Er arbeitet unter anderem bei McDonalds als Toilettenmann, als Versuchsperson bei Medikamententests und als Leiharbeiter. Insbesondere die Dokumentationen der Leiharbeitertätigkeit haben in der Öffentlichkeit für eine betroffen-wütende Reaktion gesorgt. Ali/Wallraff ist hier bei einer Leiharbeiterfirma illegal beschäftigt. Er arbeitet unter größtenteils menschenverachtenden Bedingungen zum Beispiel bei Thyssen und muss dort Reinigungsarbeiten durchführen. Immer wieder dokumentiert Wallraff, dass er als Ali, genau wie dessen ausländische Kollegen, ohne Schutzausrüstung arbeiten musste. Die Arbeiten waren zumeist für deutsche Arbeiter von Thyssen unzumutbar, weil lebensgefährlich und unter menschenwidrigen Umständen durchzuführen:

„Während wir, in Staubschwaden stehend, den Staub vom Boden in Plastiksäcken schaufeln, stürzen Thyssenmonteure, die einige Meter unter uns arbeiten, an uns vorbei und laufen die Treppe hoch ins Freie. ‚Ihr seid bekloppt, in so `nem Dreck kann man doch nicht arbeiten!’ ruft uns einer im Vorbeilaufen zu. […] Überall Totenkopfschilder mit der Aufschrift ‚UNBEFUGTEN ZUTRITT NICHT GESTATTET!’, ‚VORSICHT, GASGEFAHR!’ Und an einigen Stellen: ‚ATEMSCHUTZGERÄT TRAGEN!’ Keiner hat uns über die Gefahren aufgeklärt, und ‚Schutzgeräte’ gibt es auch nicht.“[57]

Die türkischen Leiharbeiter habe hier nach Wallraffs Dokumentation keine Wahl. Sie müssen für einen Hungerlohn, den sie oft erst verspätet und manchmal überhaupt nicht ausgezahlt bekommen, ohne Arbeitsschutzmaßnahmen unter Gefährdung ihrer eigenen Gesundheit arbeiten.

Wie schafft es Wallraff in „Ganz unten“ alle diese Missstände zu dokumentieren und für den Leser glaubhaft zu vermitteln? Zuerst einmal nutzt er auch hier wieder die Technik des montierenden Kontrastes bzw. des kontrastierenden Montierens. Er montiert einzelne Kommentare in Form von Zwischenüberschriften wie z.B. „Im letzten Dreck oder ‚vogelfrei, ich bin dabei’“[58] in die einzelnen Reportagen und Situationsbeschreibungen. Vielen Reportagen sind medizinische Berichte und Gutachten beigefügt, die dokumentieren, welche gesundheitlichen Schäden bei den beschriebenen Arbeiten entstehen können. Außerdem hat er die Möglichkeit, Tagebucheintragungen seiner Kollegen einzusehen und diese den Reportagen voranzustellen.[59]

Durch seinen neuen Wohnsitz inmitten des Elendsviertels hat Ali/Wallraff Kontakt zu den verschiedenen Bewohnern aufgebaut und führt viele Gespräche. Ohne diese Rollenmaskerade hätte Wallraff als Journalist mit deutschen Aussehen und deutschem Auftreten hier ganz gewiss keinen Einblick bekommen. So hat Wallraff aber in der späteren Reportage die Möglichkeit, einzelne Lebensgeschichten der türkischen Arbeiter zu veröffentlichen wie z.B. in „Mehmets Odyssee“[60]. Außerdem erinnert Wallraff diesmal seine Leser praktisch immer daran, dass er sich in einer Rollensituation befindet. Das hat er bei „Der Aufmacher“ nicht getan. Wenn Wallraff sich in der Rolle von Ali befindet und darüber berichtet, formuliert Wallraff meist „Ich (Ali)“[61]. Der Leser soll nie vergessen, dass es Ali ist, der sich hier in der Opferrolle befindet und nicht Wallraff in seiner Funktion als investigativer Journalist.

Wichtig ist auch, dass sich Wallraff bei seinen Recherchen von einer versteckten Kamera begleiten lässt. Diese Aufnahmen verschaffen ihm durch die später veröffentlichte Fernsehdokumentation Glaubhaftigkeit und Wahrhaftigkeit und sorgen dafür, dass die Zuschauer die bloße schriftliche Beschreibung mit Bildern ergänzen können, da sich die beschriebenen Zustände zum Teil so abstrus lesen, dass sie schon fast unglaubwürdig erscheinen.

Außerdem geht Wallraff in „Ganz unten“ auch noch einen Schritt weiter. Bisher hat ihn die Motivation getrieben, die Wirklichkeit zu berichten. Dann merkt er aber schnell, wie skrupellos die Leiharbeiterfirma mit dem Leben der Arbeiter spielt. Wallraff begnügt sich an dieser Stelle nicht mehr mit der reinen Beschreibung der Situation. Er will wissen, wie weit der Chef der Firma zu gehen bereit wäre. Hierzu inszeniert Wallraff zusammen mit befreundeten Journalisten einen Störfall in einem Atomkraftwerk. Die Leiharbeiterfirma Adler soll Arbeiter zur Verfügung stellen, die ein verstrahltes und mit Chemikalien kontaminiertes Areal reinigen. Die beiden als Mitarbeiter des Atomkraftwerkes getarnten Journalisten machen deutlich, dass die Arbeiter auf jeden Fall mit lebensgefährlichen und krebserregenden Strahlenschäden die Anlage verlassen werden.

Die Leiharbeiterfirma willigt trotzdem in den Auftrag ein.[62] Die verschiedenen Gespräche sind ebenfalls auf Video festgehalten worden. Wallraff bricht den Versuch ab, als deutlich wird, dass die Firma prinzipiell zu allem bereit wäre, wenn das Geld stimmt, und kommentiert nahezu fassungslos:

„Dieser Fall wurde als Klein-GAU durchgespielt. Vielleicht laufen in der Wirklichkeit bereits ähnliche oder schlimmere Aufträge in entsprechend größeren Dimensionen ab. Wenn die vorliegende Inszenierung dazu beiträgt, die Wachsamkeit und Kontrolle der Öffentlichkeit und einzelner Medien diesen Geheimwelten gegenüber zu verstärken und zu sensibilisieren, hat es den Aufwand gelohnt. Es ging hier nicht um Adler. Er ist in seiner kriminellen Energie und Phantasie eher mittlerer Durchschnitt. Nichts wäre falscher, als ihn zu dämonisieren. Er ist einer von zigtausenden Erfüllungsgehilfen und Nutznießern des Systems der grenzenlosen Ausbeutung und Menschenverachtung.“[63]

3.3.4. Konsequenzen

Nach dem Erfolg von „Der Aufmacher“ hat Wallraff schon eine gewisse Medienpräsenz vorweisen können. Daher ist es bei „Ganz unten“ nicht verwunderlich, dass auch diese Reportage ein großes Echo hervorgerufen hat.[64]

Politisch gesehen sind die Gesetze gegen illegale Leiharbeit verschärft worden. Außerdem finden verstärkt Razzien gegen Leiharbeiterfirmen statt. Die Verantwortlichen von Thyssen und der Chef der Leiharbeiterfirma werden vor Gericht gebracht und verurteilt.

McDonalds hat einen Umsatzrückgang zu verzeichnen. Die Kernindustrie muss Stellung zu den Vorwürfen beziehen.

Wallraff selbst wird nach „Ganz unten“ ähnlich wie in „Der Aufmacher“ verfolgt. Es geht aber noch einen Schritt weiter. Rechtsradikale schicken ihm Morddrohungen:

„Ali hau ab! Du bist in unsere Todesliste aufgenommen worden. Die Kugel/Bombe für dich ist schon bereit! Wir Faschisten wollen keine deitschen [sic.] Türken, uns genügen schon die echten zu Unterentwicklung. Allah il akba!“[65]

Gleichzeitig ist die Leserresonanz aber auch erstaunlich groß, was positive Reaktionen angeht. Auf dem Klappentext ist zu lesen:

„Bücher können etwas bewegen – dafür liefert Ganz unten ein einzigartiges Beispiel. Günter Wallraffs Erfahrungsbericht als Türke Ali wurde mit einer deutschsprachigen Auflage von inzwischen mehr als 3 Millionen [Exemplaren] und Übersetzungen in mehr als 30 Länder nicht nur weltweit einer der sensationellsten Bucherfolge, sondern entwickelte auch eine ‚durchschlagende politische Wirkung’ (Süddeutsche Zeitung). Die Neuauflage dokumentiert die gesellschaftspsychologischen, menschlichen und politischen Folgen von Ganz unten.“[66]

Die Menschen fühlen sich betroffen und teilen dies auch mit. Mit der Neuauflage von „Ganz unten“ werden diese Reaktionen dokumentiert.

4. Wallraff und der Pressekodex

Ziel war es ja, Aspekte des investigativen Journalismus im Hinblick auf die Möglichkeiten und Probleme von Rollenreportagen aufzuzeigen und sie vor dem Hintergrund der Medienethik zu erörtern. Nach der ausführlichen Beschreibung des investigativen Journalismus in Theorie und Praxis muss jetzt die Frage danach gestellt werden, ob und inwiefern Wallraff Enthüllungsjournalismus mit der Medienethik in Einklang gebracht werden kann. Um dies hinreichend zu analysieren, soll im folgenden Teil der Pressekodex, die publizistischen Grundsätze, zu Rate gezogen werden.

Trotz der Missstände, die Wallraff aufgedeckt hat, bleibt zu sagen, dass Wallraff Methode der verdeckten teilnehmenden Beobachtung unter Soziologen und Journalisten umstritten ist, da die Personen, über die berichtet wird, nicht von der Recherche wissen. Man muss sich die Frage stellen, ob Wallraffs Recherchemethoden mit dem Pressekodex vereinbar sind, denn schließlich hat Wallraff gelogen und betrogen, um an seine Informationen zu gelangen. Hierzu sagt der Pressekodex unter Ziffer 4:

„Bei der Beschaffung von personenbezogenen Daten, Nachrichten, Informationsmaterial und Bildern dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden.“[67]

Der Pressekodex, der die in Deutschland anerkannte Medienethik repräsentiert, besagt also, billigt Recherche grundsätzlich und hält sie für absolut notwendig, um seriösen Journalismus zu betrieben:

„Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfaltspflicht. Journalisten geben sich grundsätzlich zu erkennen. Unwahre Angaben des recherchierenden Journalisten über seine Identität und darüber, welches Organ er vertritt, sind grundsätzlich mit dem Ansehen und der Funktion der Presse nicht vereinbar.“[68]

Laut Pressekodex hat Wallraff also „unlautere Methoden“[69] angewandt, um seine Informationen zu beschaffen. Er hat sich getarnt und falsche Angaben über Person und Herkunft gemacht. Gerade aus diesem Grund wird Wallraff immer wieder eine gewisse Sensationsgeilheit vorgeworfen. Heinz Klaus Mertes hat in seinem Titel „Ali. Phänomene um einen Bestseller.“ minutiös aufzuarbeiten versucht, wie und in welcher Weise Wallraff gefälscht und einseitig berichtet hat. Er kritisiert Wallraffs und wirft ihm vor, sich nur zu solchen Rollenreportagen herabzulassen, um Medienöffentlichkeit zu erreichen, so Werbung für sein Buch zu machen und dadurch die Verkaufszahlen zu steigern. Er tut Wallraffs hehre Motive als Selbstinszenierung ab.[70]

Angesichts dieses Vorwurfes könnte man jetzt der soeben zitierten Ziffer des Pressekodexes zustimmen und sagen, dass Wallraff nicht nur gegen journalistisches Sorgfaltspflicht und Ethik verstoßen hat, sondern sich daran auch noch materiell bereichern konnte.

So einfach kann man es sich aber bei solch schweren Missständen angesichts des erdrückenden Beweismaterials, das Wallraff nicht zuletzt mit dem Film gesammelt hat, nicht machen. Denn schließlich hat Wallraff ja über Einzelausschnitte Aussagen über die von ihm erlebte Wirklichkeit gemacht. Sollte ein solches Material jetzt aufgrund des Pressekodexes nicht veröffentlicht werden? Der Kodex selbst sieht für solche Fälle eine Zusatzklausel vor:

„Verdeckte Recherche ist im Einzelfall gerechtfertigt, wenn damit Informationen von besonderem öffentlichen Interesse beschafft werden, die auf andere Weise nicht zugänglich sind.“[71]

Wie rechtfertigt Wallraff nun seine Methoden? Heiligt der Zweck etwa die Mittel? Wallraff selbst rechtfertigt seine Arbeit mit genau dem vom Pressekodex vorgegebenen Begriff öffentliches Interesse. Er formuliert dies so eindringlich und auf den Punkt gebracht, dass dieses hier Zitat ungekürzt erscheinen soll:

„Es ist allgemein meine Arbeitsmethode, mit Hilfe einer fremden Rolle Informationssperren zu überwinden, um reaktionäre Sachverhalte auszuzeigen. Ich arbeitete z.B. als Hilfsarbeiter zwei Jahre in Betrieben, um die Zustände dort beschreiben zu können, ließ mich als Alkoholiker in ein Irrenhaus sperren oder lebte eine Zeitlang in Asylen. Bezeichnenderweise wird man hierzulande nicht so leicht Unternehmer oder gar Ministerialrat, wie man Arbeiter oder Obdachloser werden kann, diese Titel mußten also erst erschlichen werden, aber die Methode, in einer fremden Rolle Sachverhalte aufzudecken, die anders nicht zu erfahren sind, war die gleiche geblieben, und der Zweck der Aufklärung lag im öffentlichen Interesse. Man kann also unterstellen, daß es nicht die erschlichenen Funktionen waren, die Entrüstung erzeugten, sondern das Interesse herrschender Gruppen daran, vor der Öffentlichkeit verdeckt zu halten, was aufzuklären im öffentlichen Interesse liegt. Ich wählte das Amt des Mitwissers, um ein Stück weit hinter die Tarnwand von Verschleierung, Dementis und Lügen Einblick nehmen zu können. Die Methode, die ich wählte, war geringfügig im Verhältnis zu den rechtsbeugenden Maßnahmen und illegalen Erprobungen, die ich damit aufdeckte.“[72]

Wallraff wiegt das Gewicht des öffentlichen Interesses gegen seine unlauteren Methoden auf und kommt zu dem Ergebnis, dass das öffentliche Interesse auf jeden Fall schwerer wiegt als seine Methoden. Er kann durch sein gesammeltes Material seine Vorwürfe untermauern und er schützt seine Informanten. Außerdem betont er immer wieder, dass er sich in seiner journalistischen Tätigkeit um Vollständigkeit, Gründlichkeit und Wahrhaftigkeit, was bereits in der Definition von Journalismus angesprochen wurde, bemüht. Somit sind Wallraffs Mittel sowohl bei „Der Aufmacher“ als auch in „Ganz unten“ zu rechtfertigen und mit dem Pressekodex vereinbar.

Abschließend lässt sich sagen:

Wallraff Ziel ist es, Öffentlichkeit herzustellen. Das hat er erreicht. Seine übergeordnete Intention, die Menschen zu einer Veränderung der Wirklichkeit zu bewegen, ist nicht nur in Ansätzen bereits erkennbar. Wallraff geht aber noch einen Schritt weiter. Er fordert:

„Die Arbeit verlangt nach Vervielfältigung, nach Fortsetzung, sie ist ein ständiger Appell an andere das Gleiche zu machen. Ich arbeite eigentlich daran, mich zu erübrigen, mich überflüssig zu machen. Wenn das der Fall wäre, dann hätte ich meine Aufgabe erfüllt.“[73]

5. Quellen

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Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. Köln: Kiepenheuer & Witsch. 17. Auflage 2004.

Anmerkungen:

[1] Bertelsmann Neues Lexikon in 10 Bänden (1996). Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH. Band 5: Issel – Leben. (o. V.), S. 65. (Hervorhebungen wie im Original)
[2] Dudenredaktion (Hrsg.) (2001): Duden Band 5. Fremdwörterbuch. Mannheim, Leipzig, Wien und Zürich: Dudenverlag. 7., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. S. 459.
[3] Ludwig, Johannes (2002): Investigativer Journalismus. Recherchestrategien, Quellen, Informanten. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH. S. 19ff.
[4] zitiert nach Burkart, Roland (2002): Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag. S. 279.
[5] zitiert nach Burkart, Roland (2002): Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft. a. a. O., S. 280/281.
[6] Zudem muss davon ausgegangen werden, dass Journalisten einer Tageszeitung zumeist nicht die Zeit haben, sich um solche Recherchen zu kümmern, da sie vom Alltagsgeschäft stark in Anspruch genommen werden.
[7] Bertelsmann Neues Lexikon in 10 Bänden (1996). a. a. O. S. 65.
[8] Arnold, Heinz Ludwig (1975): Gespräche mit Schriftstellern. Frisch, Grass, Koeppen, von der Grün, Wallraff. München: Verlag C. H. Beck. S. 199.
[9] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. In: Tintenfisch, Jahrgang 1973, Nummer 6, S. 69.
[10] Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. München: Verlag C. H. Beck. Aus der Reihe: Arnold, Heinz Ludwig/ Wieckenberg, Ernst-Peter (1979): Autorenbücher. München: Verlag C. H. Beck. S. 41.
[11] Zitiert nach: Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. a. a. O. S. 49.
[12] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. a. a. O., S. 69.
[13] Zitiert nach: Dithmar, Reinhard (1973): Günter Wallraffs Industriereportagen. Kronberg: Sriptor Verlag GmbH & Co.KG. S. 67.
[14] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. a. a. O. S. 71.
[15] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. a. a. O. S. 71.
[16] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. a. a. O. S. 73.
[17] Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. a. a. O. S. 50.
[18] Zitiert nach Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. a. a. O. S. 50.
[19] Zitiert nach: Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. a. a. O. S. 52.
[20] Zitiert nach: Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. a. a. O. S. 42.
[21] Anm.: Literaturtheoretisch gesehen ist die Abgrenzung von Reportage und Roman gerade durch das Anwenden der Montagetechnik problematisch, da die Wirklichkeit durch die Montage eben künstlerisch geordnet wird. Vgl. dazu
[22] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. a. a. O. S. 72.
[23] Lamnek, Siegfried (1995): Qualitative Sozialforschung. Band 2: Methoden und Techniken. Weinheim: Beltz, PsychologieVerlagsUnion. 3. korrigierte Auflage. S. 239ff.
[24] Lamnek, Siegfried (1995): Qualitative Sozialforschung. Band 2: Methoden und Techniken. a. a. O. S. 243. [Hervorhebungen wie im Original]
[25] Lamnek, Siegfried (1995): Qualitative Sozialforschung. Band 2: Methoden und Techniken. a. a. O. S. 251.
[26] Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. Köln: Kiepenheuer & Witsch. S. 9.
[27] Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. a. a. O. S. 11. [Hervorhebungen wie im Original]
[28] Poschmann, Petra (1987): Günter Wallraff. Reportagen und öffentliche Resonanz. o.O. S. 24.
[29] Poschmann, Petra (1987): Günter Wallraff. Reportagen und öffentliche Resonanz. o.O. S. 24.
[30] Poschmann, Petra (1987): Günter Wallraff. Reportagen und öffentliche Resonanz. o.O. S. 24.
[31] Arnold, Heinz Ludwig (1975): Gespräche mit Schriftstellern. Frisch, Grass, Koeppen, von der Grün, Wallraff. a. a. O. S. 211.
[32] Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. a. a. O. S. 58.
[33] Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. a. a. O. S. 113.
[34] Lamnek, Siegfried (1995): Qualitative Sozialforschung. Band 2: Methoden und Techniken. a. a. O. S. 266.
[35] Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. a. a. O. S. 58.
[36] Dithmar, Reinhard (1973): Günter Wallraffs Industriereportagen. a. a. O. S. 53.
[37] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. a. a. O. S. 72/73.
[38] Bild-Internetauftritt beim Axel-Springer-Konzern (online am 11.8.2006) http://www.axelspringer.de/inhalte/angebot/frame.htm
[39] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. Köln: Kiepenheuer & Witsch. S. 9.
[40] Zitiert nach: Dithmar, Reinhard (1973): Günter Wallraffs Industriereportagen. a. a. O. S. 105.
[41] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S. 14.
[42] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S. 13.
[43] Zitiert nach: Dithmar, Reinhard (1973): Günter Wallraffs Industriereportagen. a. a. O. S. 100.
[44] Poschmann, Petra (1987): Günter Wallraff. Reportagen und öffentliche Resonanz. o.O. S.88.
[45] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.60ff.
[46] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.23.
[47] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.215.
[48] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.10.
[49] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S. 27.
[50] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.224.
[51] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.226.
[52] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.226ff.
[53] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.226ff.
[54] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.10.
[55] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. Köln: Kiepenheuer & Witsch. 17. Auflage 2004. S. 12.
[56] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 12.
[57] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 91ff.
[58] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 84.
[59] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 84.
[60] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 114ff.
[61] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 84.
[62] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 217ff.
[63] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 253/254.
[64] Die detaillierten Konsequenzen können in Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 260ff nachgelesen werden.
[65] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 333.
[66] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. Klappentext.
[67] Pressekodex, in der Version März 2006, Internetquelle (online am 11.8.2006): http://www.presserat.de/uploads/media/Kodex_04.pdf .
[68] Pressekodex, in der Version März 2006, a. a. O.
[69] Pressekodex, in der Version März 2006, a. a. O.
[70] Mertes, Heinz Klaus (1986): Ali. Phänomene um einen Bestseller. München und Berlin: F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung.
[71] Pressekodex, in der Version März 2006, a. a. O.
[72] Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. a. a. O. S. 28. [Hervorhebungen wie im Original]
[73] Arnold, Heinz Ludwig (1975): Gespräche mit Schriftstellern. Frisch, Grass, Koeppen, von der Grün, Wallraff. a. a. O. S. 243.