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	<title>JessicaBreidbach.de</title>
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	<description>Kommunikation &#124; Medien &#124; Diskurs</description>
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		<title>Social Media Management in der Unternehmens-Kommunikation</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 14:25:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Projekt Details Die Angebote des Social Web sind verlockend, spannend, informativ, grenzenlos sowohl räumlich als auch in den sich eröffnenden Chancen und Möglichkeiten und trotz ihrer komplexen Unüberschaubarkeit aus dem täglichen Leben vieler Menschen gegenwärtig nicht wegzudenken. Soziale Netzwerke wie Facebook, Microblogging-Anwendungen wie Twitter, Social Games wie Farmville, News- und Themenblogs, Wissensmanagementtools mit gemeinsam erarbeiteten Inhalten wie Wikipedia und andere unzählige &#8211; teilweise massenmedial bekannte und etablierte, teilweise dem Gesetz des Underdogs oder Insiders unterliegende und schneller verschwundene als öffentlich [...]]]></description>
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<ul class="tabs" style="text-align: justify;">
<li><span style="color: #333333;"><a href="#"><span style="color: #333333;">Projekt</span></a></span></li>
<li><span style="color: #333333;"><a href="#"><span style="color: #333333;">Details</span></a></span></li>
</ul>
<div class="panes">
<div class="pane" style="text-align: justify;">
<p><span style="color: #333333;">Die Angebote des Social Web sind verlockend, spannend, informativ, grenzenlos sowohl räumlich als auch in den sich eröffnenden Chancen und Möglichkeiten und trotz ihrer komplexen Unüberschaubarkeit aus dem täglichen Leben vieler Menschen gegenwärtig nicht wegzudenken. Soziale Netzwerke wie Facebook, Microblogging-Anwendungen wie Twitter, Social Games wie Farmville, News- und Themenblogs, Wissensmanagementtools mit gemeinsam erarbeiteten Inhalten wie Wikipedia und andere unzählige &#8211; teilweise massenmedial bekannte und etablierte, teilweise dem Gesetz des Underdogs oder Insiders unterliegende und schneller verschwundene als öffentlich wahrgenommene &#8211; Angebote prägen die kontemporäre Landschaft des dynamischen World Wide Web, dessen rasant weiterwachsende Topographie nicht mehr allein durch programmiererfahrene Webentwickler, die Inhalte zum Konsum zur Verfügung stellen, am Reißbrett geplant wird, sondern nunmehr auch von nicht- oder semiprofessionellen Prosumenten mitbestimmt wird. </span></p>
<p><span style="color: #333333;">Dies stellt Unternehmen in der Unternehmenskommunikation vor neue Herausforderungen insbesondere vor dem Hintergrund des Social Webs. Dieser von mir verfasste Beitrag beschäftigt sich mit Social Media Management in der externen Unternehmenskommunikation im Spannungsfeld von Zielgruppenorientierung, Performance Measurement und User Generated Content.</span></p>
<p>Weitere Publikationen finden Sie <a href="http://www.jessicabreidbach.de/publikationen">hier</a>.</p>
<p><small><span class="Apple-style-span" style="color: #c0c0c0;">Bild mit freundlicher Genehmigung von NEKmag</span></small></p>
</div>
<div class="pane">
<p><strong><span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Beteiligte Akteure: </span></strong></p>
<p>&gt; <span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Universität Duisburg-Essen</span><br />
&gt; <span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Magazin für Kommunikationswissenschaft</span></p>
<p><strong><span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Art des Projekts: </span></strong></p>
<p>&gt; <span style="color: #333333;">Beitrag im Fachmagazin | 02/2011</span><br />
&gt; <span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Schwerpunkt: Social Media | Unternehmenskommunikation</span></p>
<p><strong><span style="color: #333333;">Position:</span></strong></p>
<p>&gt; <span style="color: #333333;">Autorin</span></p>
</div>
</div>
</div>
<hr />
<p><span style="color: #333333;">	
		<div class="clear"></div>
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					<ul class="minishowcase">
			
				<li class="tileimage">
					<a rel="prettyPhoto[4f45c5d8e50c0]" href="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_nek_social_media.jpg">
						<img src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/themes/coral/timthumb.php?src=http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_nek_social_media.jpg&amp;h=95&amp;w=95&amp;zc=1&amp;q=72" alt="AB_nek_social_media" class="fadetoicon"/>					</a>
				</li>
					
		</ul>
		</div>

		<div class="clear"></div>
</span></p>
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		<title>Louis Vuitton &amp; die Projektion kolonialer Fantasien in Marketing &amp; Werbung</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 13:04:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Diskurs]]></category>
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		<category><![CDATA[Portfolio]]></category>
		<category><![CDATA[AfrikaBilder]]></category>
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		<category><![CDATA[Forschung]]></category>
		<category><![CDATA[Medien]]></category>
		<category><![CDATA[Veröffentlichung]]></category>

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		<description><![CDATA[Projekt Details Produktwerbung nutzt gezielt Motivkomplexe, die einem kolonial geprägten Diskurs über ‚Afrika‘ entspringen, insofern diese Motive das Image des Produktes verkaufsfördernd unterstützen, so die Ausgangsüberlegung dieses Beitrags. Werbebotschaften docken an in den Köpfen der Konsumenten vorhandene Wissensbestände an. Diese Produktimages sind relativ verfestigt, ermöglichen über Anknüpfung an bereits bekannte kognitive Schemata ein schnelles Rezipieren und wirken dadurch komplexitätsreduzierend. These ist, dass diese mit AfrikaBildern operierenden stereotypen Werbebotschaften eindeutig einem Mechanismus unterliegen, der jene kolonialen diskursiv vermittelten Denkmuster vielfach lediglich [...]]]></description>
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<div class="tabwrapper">
<ul class="tabs" style="text-align: justify;">
<li><span style="color: #333333;"><a href="#"><span style="color: #333333;">Projekt</span></a></span></li>
<li><span style="color: #333333;"><a href="#"><span style="color: #333333;">Details</span></a></span></li>
</ul>
<div class="panes">
<div class="pane" style="text-align: justify;">
<p><span style="color: #333333;">Produktwerbung nutzt gezielt Motivkomplexe, die einem kolonial geprägten Diskurs über ‚Afrika‘ entspringen, insofern diese Motive das Image des Produktes verkaufsfördernd unterstützen, so die Ausgangsüberlegung dieses Beitrags. Werbebotschaften docken an in den Köpfen der Konsumenten vorhandene Wissensbestände an. Diese Produktimages sind relativ verfestigt, ermöglichen über Anknüpfung an bereits bekannte kognitive Schemata ein schnelles Rezipieren und wirken dadurch komplexitätsreduzierend. These ist, dass diese mit AfrikaBildern operierenden stereotypen Werbebotschaften eindeutig einem Mechanismus unterliegen, der jene kolonialen diskursiv vermittelten Denkmuster vielfach lediglich reproduziert.</span></p>
<p><span style="color: #333333;">Das imaginierte ‚Afrika‘ als Projektionsfläche für mannigfaltige Wünsche und Bedürfnisse von Konsumenten ist in der Produktwerbung immer wieder in unterschiedlichen Marketingkampagnen Vehikel zum Transport der Werbe-botschaft. Dieser Beitrag geht von der Annahme aus, dass Repräsentationen und Darstellungen ‚Afrikas‘ in der Produktwerbung in der Mehrheit dafür sorgen, einen positiven Impuls für die Kaufentscheidung zu evozieren, wobei sie ein spezifisches vereinheitlichend-stereotypes, nicht-differenzierendes Bild über ‚Afrika‘ in den Köpfen der Rezipient_innen erzeugen.</span></p>
<p><span style="color: #333333;">Dieses Bild ist deutlich von kolonialen Diskursen geprägt, steht damit in der Tradition der mediengeschichtlichen Vermittlung ‚Afrikas‘ für Europa beginnend mit Kolonialpostkarten und Werbeplakaten für Kolonialwaren oder Völ-kerschauen und wird aus Gründen der Vermarktbarkeit und Vermittelbarkeit von den Werbeschaffenden strategisch eingesetzt. Diese erzeugen ein Produktimage, um das Produkt auf einem spezifischen Markt an eine adressierbare Ziel-gruppe zu verkaufen. Damit wird über die Marken- und Imagekommunikation nicht zwangsläufig etwas Neues geschaffen, sondern es wird bereits bestehendes kollektives Gedankengut reproduziert und mit spezifischen Symbol-komplexen versehen, die Reize senden, welche zu bestimmten, in der Marketingtheorie beschriebenen Reaktionen – von der einfachen Aktivierung über Aufmerksamkeit, Emotion, Involvement bis hin zur Kaufentscheidung – führen sollen. Stereotype Bilder bieten Anknüpfungspunkte, die diese Reaktionen positiv verstärken.</span></p>
<p><span style="color: #333333;">Der Beitrag prüft dies anhand der Travel-Kampagne der Premium-Modemarke Louis Vuitton.</span></p>
<p><span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Erfahren Sie </span><a title="AfrikaBilder im Wandel? Fachpublikation als Herausgeberin und Autorin" href="http://www.jessicabreidbach.de/afrikabilder-im-wandel">hier</a><span class="Apple-style-span" style="color: #333333;"> mehr über den gesamten Sammelband.</span></p>
<p>Weitere Publikationen finden Sie <a href="http://www.jessicabreidbach.de/publikationen">hier</a>.</p>
<p><small><span class="Apple-style-span" style="color: #c0c0c0;">Bilder mit freundlicher Genehmigung von Peter Lang</span></small></p>
</div>
<div class="pane">
<p><strong><span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Beteiligte Akteure: </span></strong></p>
<p>&gt; <span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Projekt gefördert durch die Hans-Böckler-Stiftung</span></p>
<p><strong><span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Art des Projekts: </span></strong></p>
<p>&gt; <span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Fachbuch-Beitrag</span><br />
&gt; <span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Schwerpunkt: Medien-/ Werbeanzeigenanalyse</span></p>
<p><strong><span style="color: #333333;">Position:</span></strong></p>
<p>&gt; <span style="color: #333333;">Autorin</span></p>
</div>
</div>
</div>
<hr />
<p><span style="color: #333333;">	
		<div class="clear"></div>
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				<li class="tileimage">
					<a rel="prettyPhoto[4f45c5d960ba9]" href="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Buch_Afrikabilder.jpg">
						<img src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/themes/coral/timthumb.php?src=http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Buch_Afrikabilder.jpg&amp;h=95&amp;w=95&amp;zc=1&amp;q=72" alt="AB_Buch_Afrikabilder" class="fadetoicon"/>					</a>
				</li>
					
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					<a rel="prettyPhoto[4f45c5d960ba9]" href="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Louis_Vuitton.jpg">
						<img src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/themes/coral/timthumb.php?src=http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Louis_Vuitton.jpg&amp;h=95&amp;w=95&amp;zc=1&amp;q=72" alt="AB_Louis_Vuitton" class="fadetoicon"/>					</a>
				</li>
					
		</ul>
		</div>

		<div class="clear"></div>
</span></p>
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		<title>AfrikaBilder im Wandel? Fachpublikation als Herausgeberin und Autorin</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 12:13:34 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[AfrikaBilder]]></category>
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		<category><![CDATA[Veröffentlichung]]></category>

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		<description><![CDATA[Projekt Details Woran denken Sie, wenn Sie sich Afrika vorstellen? Tauchen vielleicht stereotype Bilder vor Ihrem inneren Auge auf: Afrika, der Kontinent der Krisen, Krankheiten und Katastrophen; der Fernwehfantasien, wilden Tiere und weiten Landschaften? Dieser Sammelband geht AfrikaBildern auf die Spur, fragt nach ihren Quellen und Wirkungen, sucht ihre Kontinuitäten und Brüche, entlarvt sie als gedankliche und soziale Konstrukte, die diskursiv Machtwirkungen ausüben. Die Beiträge beschäftigen sich multi- und interdisziplinär mit Kolonialismus und Antikolonialismus sowie AfrikaBildern in Medien, Tourismus, Kunst, [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<hr />
<div class="tabwrapper">
<ul class="tabs" style="text-align: justify;">
<li><span style="color: #333333;"><a href="#"><span style="color: #333333;">Projekt</span></a></span></li>
<li><span style="color: #333333;"><a href="#"><span style="color: #333333;">Details</span></a></span></li>
</ul>
<div class="panes">
<div class="pane" style="text-align: justify;">
<p><span style="color: #333333;">Woran denken Sie, wenn Sie sich Afrika vorstellen? Tauchen vielleicht stereotype Bilder vor Ihrem inneren Auge auf: Afrika, der Kontinent der Krisen, Krankheiten und Katastrophen; der Fernwehfantasien, wilden Tiere und weiten Landschaften?</span></p>
<p><span style="color: #333333;">Dieser Sammelband geht AfrikaBildern auf die Spur, fragt nach ihren Quellen und Wirkungen, sucht ihre Kontinuitäten und Brüche, entlarvt sie als gedankliche und soziale Konstrukte, die diskursiv Machtwirkungen ausüben. Die Beiträge beschäftigen sich multi- und interdisziplinär mit Kolonialismus und Antikolonialismus sowie AfrikaBildern in Medien, Tourismus, Kunst, Literatur, Bildung, Pädagogik, Ökonomie und Politik. Ziel ist die Dekonstruktion einseitiger AfrikaBilder und damit Wandel realer Herrschaftsverhältnissen, Denk- und Redeweisen.</span></p>
<p><span style="color: #333333;">Erfahren Sie hier mehr über den <a title="Link zum Verlag" href="http://www.peterlang.com/download/datasheet/60992/datenblatt_261568.pdf" target="_blank">Inhalt</a>.</span></p>
<p><span style="color: #333333;">Und was Louis Vuitton mit der Sache zu tun hat, erfahren Sie <span style="color: #333333;"><a title="Louis Vuitton &amp; die Projektion kolonialer Fantasien in Marketing &amp; Werbung" href="http://www.jessicabreidbach.de/louis-vuitton">hier</a></span>.</span></p>
<p>Weitere Publikationen finden Sie <a href="http://www.jessicabreidbach.de/publikationen">hier</a>.</p>
<p><small><span class="Apple-style-span" style="color: #c0c0c0;">Bild mit freundlicher Genehmigung von Peter Lang</span></small></p>
</div>
<div class="pane">
<p><span style="color: #333333;"><strong><span class="Apple-style-span">Beteiligte Akteure: </span></strong></span></p>
<p><span style="color: #333333;">&gt; <span class="Apple-style-span">Projekt gefördert durch die Hans-Böckler-Stiftung</span></span><br />
<span style="color: #333333;">&gt; <span class="Apple-style-span">Institut für Afrikanistik | Universität zu Köln</span></span><br />
<span style="color: #333333;">&gt; <span class="Apple-style-span">Verein Kopfwelten e.V. | Prof. Dr. Marianne Bechhaus-Gerst</span></span></p>
<p><span style="color: #333333;"><strong><span class="Apple-style-span">Art des Projekts: </span></strong></span></p>
<p><span style="color: #333333;">&gt; <span class="Apple-style-span">Sammelband-Edition 2012</span></span><br />
<span style="color: #333333;"> &gt; <span class="Apple-style-span">Incollection zum <span style="color: #333333;"><a title="Stereotyping Africa: Interdisziplinäres Forschungsprojekt der HBS" href="http://www.jessicabreidbach.de/stereotyping-africa">Projektabschluss</a></span></span></span></p>
<p><span style="color: #333333;"><strong>Position:</strong></span></p>
<p><span style="color: #333333;">&gt; Herausgeberin | Mitglied im Editorial Board</span><br />
<span style="color: #333333;"> &gt; Konzeptionierung des gesamten Sammelbands</span><br />
<span style="color: #333333;"> &gt; Autorenbetreuung | Lektorat</span></p>
</div>
</div>
</div>
<hr />
<p><span style="color: #333333;">	
		<div class="clear"></div>
				<div class="minishowcasewrap">
					<ul class="minishowcase">
			
				<li class="tileimage">
					<a rel="prettyPhoto[4f45c5d9a2ce9]" href="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Buch_Afrikabilder1.jpg">
						<img src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/themes/coral/timthumb.php?src=http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Buch_Afrikabilder1.jpg&amp;h=95&amp;w=95&amp;zc=1&amp;q=72" alt="AB_Buch_Afrikabilder" class="fadetoicon"/>					</a>
				</li>
					
		</ul>
		</div>

		<div class="clear"></div>
</span></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Zwischen den Zeilen: Organisation der Tagung der Sektion Organisationssoziologie</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 10:49:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Events]]></category>
		<category><![CDATA[Portfolio]]></category>
		<category><![CDATA[Tagung]]></category>

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		<description><![CDATA[Projekt Details Wenn Organisationsmitglieder allein das zur Orientierung ihres Handelns machten, was auf dem Papier steht, wenn sie nicht auch das verstehen könnten und je nach Situation zum Maßstab nähmen, was zwischen den Zeilen steht, wenn Organisationen sich reduzieren ließen auf die formalen Strukturen ihrer Geschäftsverteilungspläne, ihrer schriftlichen Vorgaben und formalen Verfahren – dann gäbe es sie nicht. Die ungeschriebenen Regeln und normativen Erwartungen, das mikropolitische Aushandeln, die Absprachen auf dem Flur, eingeübten Umgangsformen und alltäglichen Praktiken des Arbeitens und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<hr />
<div class="tabwrapper">
<ul class="tabs" style="text-align: justify;">
<li><span style="color: #333333;"><a href="#"><span style="color: #333333;">Projekt</span></a></span></li>
<li><span style="color: #333333;"><a href="#"><span style="color: #333333;">Details</span></a></span></li>
</ul>
<div class="panes">
<div class="pane" style="text-align: justify;">
<p><span style="color: #333333;">Wenn Organisationsmitglieder allein das zur Orientierung ihres Handelns machten, was auf dem Papier steht, wenn sie nicht auch das verstehen könnten und je nach Situation zum Maßstab nähmen, was zwischen den Zeilen steht, wenn Organisationen sich reduzieren ließen auf die formalen Strukturen ihrer Geschäftsverteilungspläne, ihrer schriftlichen Vorgaben und formalen Verfahren – dann gäbe es sie nicht. Die ungeschriebenen Regeln und normativen Erwartungen, das mikropolitische Aushandeln, die Absprachen auf dem Flur, eingeübten Umgangsformen und alltäglichen Praktiken des Arbeitens und Entscheidens, die „Kultur“ einer Organisation, das alles macht Organisationen ebenso aus wie Handbücher, Arbeitsanweisungen und Verfahrensvorschriften.</span></p>
<p><span style="color: #333333;">Die Tagung &#8220;Auf dem Papier und zwischen den Zeilen. Formalität und Informalität in Organisationen&#8221; wird am 4. und 5. Mai 2012 an der Fernuniversität Hagen am Institut für Soziologie in Kooperation mit der Sektion Organisationssoziologie der Deutschen Gesellschaft für Soziologie stattfinden.<br />
</span><br />
<span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Weitere Informationen zur Tagung finden Sie <a title="Zur Tagungshomepage" href="http://www.zwischen-den-zeilen.organisations-soziologie.de" target="_blank">hier</a>.</span></p>
<p><small><span class="Apple-style-span" style="color: #c0c0c0;">Bild mit freundlicher Genehmigung von Organisations-Soziologie.de</span></small></p>
</div>
<div class="pane">
<p><strong><span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Beteiligte Akteure: </span></strong></p>
<p>&gt; <span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Fernuniversität Hagen</span><br />
&gt; <span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Institut für Soziologie | Prof. Dr. Sylvia Wilz</span><br />
> Sektion Organisationssoziologie | Deutsche Gesellschaft für Soziologie</p>
<p><strong><span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Art des Projekts: </span></strong></p>
<p>> Tagungsorganisation | 2011-2012</p>
<p><strong><span style="color: #333333;">Position:</span></strong></p>
<p>> Planung und Durchführung des Events</p>
</div>
</div>
</div>
<hr />
<p><span style="color: #333333;">	
		<div class="clear"></div>
				<div class="minishowcasewrap">
					<ul class="minishowcase">
			
				<li class="tileimage">
					<a rel="prettyPhoto[4f45c5d9cbd20]" href="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Tagung_Hagen2.jpg">
						<img src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/themes/coral/timthumb.php?src=http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Tagung_Hagen2.jpg&amp;h=95&amp;w=95&amp;zc=1&amp;q=72" alt="AB_Tagung_Hagen" class="fadetoicon"/>					</a>
				</li>
					
		</ul>
		</div>

		<div class="clear"></div>
</span></p>
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		</item>
		<item>
		<title>Efficient Point of Sale Promotions: Category Management Case Study bei Intersnack</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 10:31:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Portfolio]]></category>
		<category><![CDATA[Studien]]></category>
		<category><![CDATA[Case Study]]></category>
		<category><![CDATA[Category Management]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.jessicabreidbach.de/?p=1075</guid>
		<description><![CDATA[Projekt Details Bei jedem Einkauf sind Kunden ständig mit Verkaufsförderungsmaßnahmen konfrontiert: Sonderangebote, Displays, Couponaktionen oder Werbedamen am Point of Sale (PoS). Aus der bunten Warenwelt stürmen unzählige Informationen auf den Kunden ein, die ihn ablenken oder auch kognitiv überfordern. Verkaufsförderung bzw. Promotion ist Mittel zur Generierung von Aufmerksamkeit und Umsatz am PoS. Aber: „Der Verbraucher trifft auf der Verkaufsfläche auf eine Vielzahl langweiliger und absolut vergleichbarer Promotions. Für ihn stellen sich Aktionen oft beliebig austauschbar […] dar.“ (Wittmann 2003: 159) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<hr />
<div class="tabwrapper">
<ul class="tabs" style="text-align: justify;">
<li><span style="color: #333333;"><a href="#"><span style="color: #333333;">Projekt</span></a></span></li>
<li><span style="color: #333333;"><a href="#"><span style="color: #333333;">Details</span></a></span></li>
</ul>
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<p>Bei jedem Einkauf sind Kunden ständig mit Verkaufsförderungsmaßnahmen konfrontiert: Sonderangebote, Displays, Couponaktionen oder Werbedamen am Point of Sale (PoS). Aus der bunten Warenwelt stürmen unzählige Informationen auf den Kunden ein, die ihn ablenken oder auch kognitiv überfordern. Verkaufsförderung bzw. Promotion ist Mittel zur Generierung von Aufmerksamkeit und Umsatz am PoS.</p>
<p>Aber: „Der Verbraucher trifft auf der Verkaufsfläche auf eine Vielzahl langweiliger und absolut vergleichbarer Promotions. Für ihn stellen sich Aktionen oft beliebig austauschbar […] dar.“ (Wittmann 2003: 159) Zudem besteht die Gefahr, dass sich Kunden an häufige Sonderpreise gewöhnen. Das Preisinteresse steigt; die Akzeptanz des Normalpreises sinkt.</p>
<p>Umso wichtiger ist die optimale Planung und Gestaltung der PoS-Promotion. Die Case Study erarbeitet auf Basis realer Kennzahlen für die Warengruppe &#8220;Salzige Snacks&#8221; auf Basis der Konzepte &#8220;Category Management&#8221; und &#8220;Efficient Promotion&#8221; einen Promotion-Aktionsplan für Intersnack.</p>
<p>Die Ergebnisse der Studie sind aus Gründen der Wahrung von Unternehmensinterna nicht veröffentlicht.</p>
<p><small><span class="Apple-style-span" style="color: #c0c0c0;">Bilder: Eigene Darstellung</span></small></p>
</div>
<div class="pane">
<strong><span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Beteiligte Akteure: </span></strong></p>
<p>> Universität Duisburg-Essen<br />
> Institut für Betriebswirtschaftslehre | Marketing &#038; Handel</p>
<p><strong><span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Art des Projekts: </span></strong></p>
<p>> Category Management Compakt<br />
> Case Study | 2008</p>
<p><strong><span style="color: #333333;">Position:</span></strong></p>
<p>> Case Study Analystin<br />
> Kennzahlenanalyse auf Basis der Category Management Tools<br />
> Entwicklung des Kennzahlensystems<br />
> Bewertung der Artikel-Performance</p>
</div>
</div>
</div>
<hr />
<p><span style="color: #333333;">	
		<div class="clear"></div>
				<div class="minishowcasewrap">
					<ul class="minishowcase">
			
				<li class="tileimage">
					<a rel="prettyPhoto[4f45c5d9d9966]" href="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Intersnack2.jpg">
						<img src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/themes/coral/timthumb.php?src=http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Intersnack2.jpg&amp;h=95&amp;w=95&amp;zc=1&amp;q=72" alt="AB_Intersnack2" class="fadetoicon"/>					</a>
				</li>
					
				<li class="tileimage">
					<a rel="prettyPhoto[4f45c5d9d9966]" href="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Intersnack.jpg">
						<img src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/themes/coral/timthumb.php?src=http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Intersnack.jpg&amp;h=95&amp;w=95&amp;zc=1&amp;q=72" alt="AB_Intersnack" class="fadetoicon"/>					</a>
				</li>
					
		</ul>
		</div>

		<div class="clear"></div>
</span></p>
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		</item>
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		<title>Karriere-Triathlon: Ein erfolgreiches Live-Coaching-Konzept zu Karrierethemen</title>
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		<comments>http://www.jessicabreidbach.de/karriere-triathlon#comments</comments>
		<pubDate>Wed, 07 Dec 2011 10:26:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Events]]></category>
		<category><![CDATA[Konzepte]]></category>
		<category><![CDATA[Portfolio]]></category>
		<category><![CDATA[Coaching]]></category>
		<category><![CDATA[Karriere]]></category>
		<category><![CDATA[Konzept]]></category>
		<category><![CDATA[Marketing]]></category>

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		<description><![CDATA[Projekt Details Unter der von uns entwickelten Marke “Karriere-Triathlon” werden Workshops zu karriererelevanten Themen angeboten und derzeit in Kooperation mit Coaches der A.S.I. AG praxisorientiert durchgeführt. Der ganzheitliche integrierte Ansatz der Kommunikation manifestiert sich in der thematischen Auswahl der Werbekampagnen für unsere Live-Coachings, die sich stets an der Sportmetapher des Triathlons orientieren und damit einen hohen Wiedererkennungswert haben. Grundidee der Veranstaltungsreihe ist der Gedanke, den einer Reihe per se immanenten seriellen Charakter durch ein einheitliches, aufmerksamkeitsstarkes Kommunikationskonzept zu untermauern und [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<hr />
<div class="tabwrapper">
<ul class="tabs" style="text-align: justify;">
<li><span style="color: #333333;"><a href="#"><span style="color: #333333;">Projekt</span></a></span></li>
<li><span style="color: #333333;"><a href="#"><span style="color: #333333;">Details</span></a></span></li>
</ul>
<div class="panes">
<div class="pane" style="text-align: justify;">
<p><span style="color: #333333;">Unter der von uns entwickelten Marke “Karriere-Triathlon” werden Workshops zu karriererelevanten Themen angeboten und derzeit in Kooperation mit Coaches der A.S.I. AG praxisorientiert durchgeführt. Der ganzheitliche integrierte Ansatz der Kommunikation manifestiert sich in der thematischen Auswahl der Werbekampagnen für unsere Live-Coachings, die sich stets an der Sportmetapher des Triathlons orientieren und damit einen hohen Wiedererkennungswert haben.</span></p>
<p><span style="color: #333333;">Grundidee der Veranstaltungsreihe ist der Gedanke, den einer Reihe per se immanenten seriellen Charakter durch ein einheitliches, aufmerksamkeitsstarkes Kommunikationskonzept zu untermauern und ihn im besten Fall durch Wiedererkennungseffekte über die Zeit hinweg zu transportieren. Das vorliegende Kommunikationskonzept basiert auf dem Leitmotiv des Triathlons, welcher als dreiteiliger Wettbewerb sportliche Höchstleistungen in drei unterschiedlichen Feldern von den Teilnehmern einfordert. Dieser Kerngedanke der aufeinander aufbauenden Dreiteiligkeit in Kombination mit der Sportmetaphorik erschien geeignet, um die Zielgruppe auf spielerisch-einfache Art zu erreichen und gleichzeitig vermittels der Nutzung des Kollektivsymbolfeldes Sport das abstrakte Veranstaltungskonzept auf eine aufgrund der bereits angesprochenen kognitiv vorhandenen Restriktionen notwendige Ebene der schnellen, im Vorbeigehen möglichen Erfassbarkeit herunter zu brechen. So nutzt das Kommunikationskonzept des Karriere-Triathlons genau jene, gerade skizzierten Effekte, um sowohl über die Logo-Gestaltung als auch über die Motivwahl Kohärenz und Konsistenz innerhalb der Werbekampagne herzustellen: Schwimmen, Laufen, Fahrradfahren – die Kommunikationskampagne macht im Rahmen einer 360°-Kommunikation auf Plakaten, Flyern, im Internet und in Printmedien auf den Karriere-Triathlon aufmerksam und sorgt für Wiedererkennungseffekte.<br />
</span><br />
Das Konzept hat im Jahre 2010 den Marketingpreis der A.S.I. Wirtschaftsberatung AG für das erfolgreichste innovative Marketing-Konzept gewonnen.</p>
<p>Weitere Informationen finden Sie <a href="http://www.karriere-triathlon.de" target="_blank">hier</a>.</p>
<p><small><span class="Apple-style-span" style="color: #c0c0c0;">Bilder mit freundlicher Genehmigung von Karriere-Triathlon.de</span></small></p>
</div>
<div class="pane">
<p><strong><span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Beteiligte Akteure: </span></strong></p>
<p>&gt; <span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Universität Duisburg-Essen</span><br />
&gt; <span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Institut für Kommunikationswissenschaft</span><br />
&gt; <span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Derzeit in Kooperation mit der A.S.I. Wirschaftsberatung</span></p>
<p><strong><span class="Apple-style-span" style="color: #333333;">Art des Projekts: </span></strong></p>
<p>> Event-Management | seit 2009<br />
> Schwerpunkt: Karriere-Workshops | Live-Coaching | Career Advice</p>
<p><strong><span style="color: #333333;">Position:</span></strong></p>
<p>> Gesamtprojektleitung und Konzeptentwicklung<br />
> Organisation und Implementierung der Live-Coaching-Events<br />
> Pressekontakte | PR | Marketing<br />
> Fundraising</p>
</div>
</div>
</div>
<hr />
<p><span style="color: #333333;">	
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				<div class="minishowcasewrap">
					<ul class="minishowcase">
			
				<li class="tileimage">
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						<img src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/themes/coral/timthumb.php?src=http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Triathlon2.jpg&amp;h=95&amp;w=95&amp;zc=1&amp;q=72" alt="AB_Triathlon2" class="fadetoicon"/>					</a>
				</li>
					
				<li class="tileimage">
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						<img src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/themes/coral/timthumb.php?src=http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/Plakat_Klein.jpg&amp;h=95&amp;w=95&amp;zc=1&amp;q=72" alt="Plakat_Klein" class="fadetoicon"/>					</a>
				</li>
					
				<li class="tileimage">
					<a rel="prettyPhoto[4f45c5d9e1948]" href="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Triathlon1.jpg">
						<img src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/themes/coral/timthumb.php?src=http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Triathlon1.jpg&amp;h=95&amp;w=95&amp;zc=1&amp;q=72" alt="AB_Triathlon1" class="fadetoicon"/>					</a>
				</li>
					
				<li class="tileimage">
					<a rel="prettyPhoto[4f45c5d9e1948]" href="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Triathlon4.jpg">
						<img src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/themes/coral/timthumb.php?src=http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/AB_Triathlon4.jpg&amp;h=95&amp;w=95&amp;zc=1&amp;q=72" alt="AB_Triathlon4" class="fadetoicon"/>					</a>
				</li>
					
		</ul>
		</div>

		<div class="clear"></div>
</span></p>
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		<item>
		<title>Johannisnacht: Von Sommernachtstraum und Kartoffelkatalog</title>
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		<comments>http://www.jessicabreidbach.de/johannisnacht-zwischen-sommernachtstraum-und-kartoffelkatalog#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 14:02:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Creative Commons]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Reflexionen]]></category>

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		<description><![CDATA[Das Nach-Wende-Berlin. Eine Rezension. Die Johannisnacht ist die kürzeste Nacht des Jahres. Es ist die Nacht der Sommersonnenwende. Um diese Nacht vom 23. auf den 24 Juni ranken sich viele Bräuche, Mythen und Geschichten. In der Nacht der Irrungen und Wirrungen spielt nicht zuletzt William Shakespeares Sommernachtstraum. Nun, Uwe Timm lässt seinen eigenen Mittsommernachtstraum entstehen – allerdings nicht in einem verwunschenen Zauberwald, der von Feen, Elfen, Puck, Oberon oder Titania bevölkert ist, sondern vielmehr im Großstadtdschungel der Stadt Berlin im Jahre [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3 style="text-align: justify;">Das Nach-Wende-Berlin. Eine Rezension.</h3>
<p style="text-align: left;"><a title="Infos zu Creative Commons Lizenzierungen" href="http://creativecommons.org/licenses/" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-1876" title="Creative Commons Nutzungsbedinungen" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/cc.png" alt="" width="19" height="19" /></a><img class="alignnone size-full wp-image-1875" title="Namensnennung" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/by.png" alt="" width="19" height="19" /><img class="alignnone size-full wp-image-1877" title="Nicht-kommerzielle Nutzung" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/nc-eu.png" alt="" width="19" height="19" /><img class="alignnone size-full wp-image-1879" title="Keine Bearbeitung" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/nd.png" alt="" width="19" height="19" /><img class="alignnone size-full wp-image-1878" title="Weitergabe unter gleichen Bedingungen" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/sa.png" alt="" width="19" height="19" /></p>
<p style="text-align: justify;">Die Johannisnacht ist die kürzeste Nacht des Jahres. Es ist die Nacht der Sommersonnenwende. Um diese Nacht vom 23. auf den 24 Juni ranken sich viele Bräuche, Mythen und Geschichten. In der Nacht der Irrungen und Wirrungen spielt nicht zuletzt William Shakespeares <em>Sommernachtstraum</em>.</p>
<p style="text-align: justify;">Nun, Uwe Timm lässt seinen eigenen Mittsommernachtstraum entstehen – allerdings nicht in einem verwunschenen Zauberwald, der von Feen, Elfen, Puck, Oberon oder Titania bevölkert ist, sondern vielmehr im Großstadtdschungel der Stadt Berlin im Jahre 1995, als Christo den Reichstag verhüllt und tausende Touristen zur Besichtigung stürmen. Dennoch scheint es, als hätten die Irrungen und Wirrungen der Johannisnacht auch vor Berlin keinen Halt gemacht:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Short as a shadow, swift as any dream, Brief as the lightning in the collied night, That, in a spleen, unfolds both heaven and earth, And, ere a man hath power to say “Behold!” The jaws of darkness do devour it up: So quick bright things come to confusion.”[1] </div></p>
<p style="text-align: justify;">So lautet das Vorwort zu Timms <em>Johannisnacht</em>, das nicht durch Zufall ein Zitat aus Shakespeares Sommernachtstraum ist. Passend und zugleich vorausdeutend erscheint es dem Leser, nachdem er die Geschichte einmal bis zum Ende gelesen hat:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Wie Schatten wandelbar, wie Träume kurz, Schnell, wie der Blitz, der in geschwärzter Nacht In einem Winke Himmel und Erd’ entfaltet; Doch eh’ ein Mensch vermag zu sagen: schaut! Schlingt gierig ihn die Finsternis hinab: So schnell verdunkelt sich des Glückes Schein.“[2] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Vielfältig wie „Himmel und Erde“[3], leise „wie Schatten“[4], kurzweilig „wie Träume“[5] und facettenreich wie es vielleicht nur im Zauber der Johannisnacht möglich sein kann, schafft es Timm, seinen Protagonisten kreuz und quer durch die Stadt Berlin auf der Suche nach einem Kartoffelkatalog so manches Abendteuer erleben zu lassen und fast nebenbei ein Bild vom Berlin nach der Wende zu zeichnen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auf seiner Suche nach dem Kartoffelkatalog begegnet er vielen Menschen, die ihm ihre je eigene Geschichte erzählen. Er sammelt Eindrücke von Berlin, den Menschen, die Zeit ihres Lebens in Berlin gewohnt haben, die den zweiten Weltkrieg, die Trennung in Ost und West und auch die Wiedervereinigung miterlebt haben. Gegensätze prallen hier episodenhaft aufeinander, alles verbunden durch den Erzählstrang der Suche nach den Kartoffelkatalog und der Frage, ob der „Rote Baum“, von dem der Onkel des Erzählers auf dem Sterbebett erzählt hatte, wirklich eine Kartoffelsorte ist, war doch der Onkel ein Mann, der die Kartoffelsorten am Geschmack erkennen konnte.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie wird das Berlin nach der Wende aber nun dargestellt? Es zeigt sich nicht in einem Tatsachenbericht, sondern spiegelt sich vielmehr in vielen kleinen Einzelheiten und Details, die erst im Ganzen ein Bild der deutschen Hauptstadt nach dem Fall der Mauer ergeben, wie ein Puzzle, das aus verschiedenen Teilen zusammengesetzt werden muss.</p>
<p style="text-align: justify;">Timms Johannisnacht beginnt damit, dass der Ich-Erzähler, ein in München lebender Schriftsteller, das Angebot bekommt, einen Artikel über die Kartoffel zu schreiben:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Peru-Preußen-Connection. Die Kartoffel und die deutsche Mentalität. Und natürlich persönliche Kartoffelvorlieben. Bratkartoffelverhältnisse.“[6] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Der Ich-Erzähler beginnt zu recherchieren und findet heraus, dass in Berlin ein Kartoffelforscher zu finden ist. Kurz darauf macht er sich sechs Jahre nach dem Mauerfall nach Berlin auf, um dort mit dem Kartoffelforscher und Agrarwissenschaftler Rogler ins Gespräch kommen zu können. Dieser ist allerdings verstorben, wie der Ich-Erzähler von Rosenow, einem abgewickelten „ehemaligen Mitarbeiter der Wissenschaftlichen Akademie der Deutschen Demokratischen Republik“[7] erfährt. Rosenow berichtet dem Ich-Erzähler von Rogler, der die Kartoffel in der Planwirtschaft der DDR als zentrale „Sättigungsbeilage“[8] betrachtet hatte. Ausstellungen zu diesem Thema waren aber von der Parteileitung immer wieder abgelehnt worden.</p>
<p style="text-align: justify;">Schließlich gibt Rosenow dem Ich-Erzähler den Tipp, in Roglers Nachlass die Aufzeichnungen über seine Kartoffelforschung zu sichten. Darunter solle sich auch eine Geschmackskartei für Kartoffeln befinden, die Rogler selbst angefertigt hat. Diese Kartei sei bei Hr. Dr. Spranger zu finden, der im Ostteil Berlins zu finden ist. Der Ich-Erzähler macht sich dorthin auf den Weg und muss feststellen, dass trotz gegenteiliger Behauptungen noch immer „die äußeren Unterschiede zwischen Ost und West“[9] existieren. Kaum an der Wohnung des Dr. Spranger angekommen, öffnet ihm der ehemalige Frisör Hr. Kramer, ein echtes Berliner Original, der mit Berlinerischem Akzent bereitwillig über seinen Lebenslauf Auskunft gibt. Liest man an diesem Punkt besonders genau nach, so wird der Leser fast nebenbei, mühelos und spielerisch erfahren können, wie das Alltagsleben in der DDR abgelaufen ist. Von „Alltagssabotage“[10] über den innovativen DDR-Haarschnitt, den der Frisör dann auch dem Ich-Erzähler verpasst, bis hin zur Reisereglementierungen und Fluchten ist in diesem Gespräch die Rede:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Ich hatte, sagte ich, in München einen Zahnarzt, einen sehr guten Zahnarzt, der bis zu seiner Flucht aus Berlin dem Politbüro die Zähne gerichtet hat, mit Brücken, Plomben und Gebissen, und der dann, je mehr Schwierigkeiten ihm untergeordnete Funktionäre machten, je mehr seine Töchter in der Schule wegen ihrer bourgeoisen Herkunft schikaniert wurden, den Mitgliedern des ZKs um so tiefer in die gesunde Zahnsubstanz bohrte, bis die Nerven freilagen, bis plötzlich ein zweiter Zahnarzt neben ihm stand und ihn bei der Arbeit beobachtete. Noch am selben Tag packte er seine Koffer und reiste &#8211; damals stand die Mauer noch nicht – nach München ab. Aber da hatte er Ulbricht die Backenzähne schon so weit abgetragen, daß sie dem gezogen werden mußten. Alltagssabotage.“[11] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Timm spielt hier und auch an anderen Stellen in seiner Johannisnacht gezielt mit DDR-spezifischen Themen, Motiven und Konflikten, die auch andere Autoren wie Christoph Hein in Von allem Anfang an angehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nebenbei und in nur einem einzigen langen Satz beschreibt Timm, mit welchen Widrigkeiten die Bourgeoisie in der DDR, dem Arbeiter- und Bauernstaat, doch zu kämpfen hatte. Genaues Hinsehen und Nachlesen insbesondere im Kontext eines gewissen Vorwissens sind bei der Lektüre durchaus nützlich, um möglichst keine der mit klugem Witz vorgebrachten Episoden des DDR-Alltags und des Alltags im Berlin nach der Wende zu verpassen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Ihr Westler seid die Formalisten, wir waren die Informellen, wir waren in diesem ideologisch erstarrten System Pfadfinder, hervorragende Bastler, Improvisateure. Kleinkämpfer gegen Verordnung und Gängelung, subversive Verweigerer.“[12] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Schließlich erhält der Ich-Erzähler doch noch den Kartoffelkatalog und will mit dem Taxi zum Kudamm. Eigentlich könnte damit die Geschichte enden, denn nun hat der Schriftsteller genug Material, um einen guten Artikel über die Kartoffel zu verfassen.</p>
<p style="text-align: justify;">Allerdings legt er sich mit seinem Taxifahrer an, der ihn mitsamt dem Material aus seinem Taxi wirft, wobei die wertvolle Kartoffelkartei verloren geht. Nun tut der Ich-Erzähler alles, um den Katalog wieder zu finden. Er inseriert sogar eine Suchanfrage in einer West- und einer Ostberliner Zeitung und sucht in der Zwischenzeit Roglers weiteren Nachlass in einer Lagerhalle, wo er mitten in eine Polenhochzeit hineingerät. Außerdem nimmt er Kontakt zu einer Studentin auf, die ihre Magisterarbeit über die Kartoffel in der Deutschen Literatur verfasst hat:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„De dümmsten Bauern harrn de dicksten Katüffeln. Die Kartoffel als literarisches Motiv. Die Kartoffel bei Herrmann Kant, bei Strittmatter, Bobrowski, Christa Wolf. Leider war die Kartei von Rogler etwas einseitig auf ostdeutsche Literatur ausgerichtet, allerdings spielt sie dort ja auch eine größere Rolle als bei den Schweizer Autoren Frisch oder Dürrenmatt, wo sie so gut wie gar nicht vorkommt.“[13] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Die Studentin Tina, die ihren Lebensunterhalt mit einer speziellen Sorte von Telefonsex verdient und sich später als schwimmunfähiger Transvestit mit Tiefenangst herausstellt, ist also eine weitere Figur, die dem Ich-Erzähler auf seinem Weg durch Berlin begegnet und die die Irrungen und Wirrungen der Johannisnacht begleitet:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Es ist ein verrückter Tag […] Ist der längste Tag […] Und die kürzeste Nacht. Heute spielen alle verrückt. Und die meisten wissen nicht mal, warum.“[14] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Und erneut folgt sich Episode auf Episode, kleine Geschichten, die sich wie Perlen auf einer Schnur aneinanderreihen an den Erzählstrang der Suche nach der Kartoffelkartei und dabei immer wieder neue Blickwinkel auf das vergangene und gegenwärtige Berlin enthüllen. So erfährt der Ich-Erzähler bei einem Glas Buttermilch, wie ein Mädchen vor den Nazis in einem Kellerverschlag versteckt worden war, vor dem ein Kartoffelhaufen lag, und wie die Russen 1945 in Berlin einmarschierten und wehrlose Frauen vergewaltigten.[15] Außerdem bekommt er von einem Tuareg, der auf Sylt zum ersten Mal das Meer gesehen hat, einen Ring geschenkt, besucht dann den Hairstylist Airborne, lässt sich seine verschandelte DDR-Frisur in Stufen grün einfärben und bespricht dabei die Reichstagsverhüllung.</p>
<p style="text-align: justify;">Mittlerweile hat sich auch jemand auf die Suchanzeige nach dem Kartoffelkatalog gemeldet, den der Ich-Erzähler verzweifelt sucht. Aber wer konnte denn ahnen, dass sich der ehrenwerte Finder als bulgarischer Waffenhändler entpuppt, der bei seinen Waffenschieberfreunden den Kartoffelkatalog als Codewort für sein Handgranatensortiment benutzt? Immer tiefer verstrickt sich der Ich-Erzähler nun in immer bizarrer anmutende Geschichten und auch die Anspielungen auf Shakespeares Sommernachtstraum werden nun immer offensichtlicher:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„[Nach der Verhüllung des Reichstags] wird etwas anders sein, ich bin überzeugt, daß diese Verhüllung etwas verändert. Das Geheimnis liegt darin, daß etwas anders sein könnte. Übrigens ist keinem der Kunstkritiker aufgefallen, daß die Verhüllung am 23. Juni vollendet wird, also der Mittsommernacht, in der es ja kunterbunt zugeht, Verwechslungen, Verkleidungen, Vertauschungen sozusagen zur Tagesordnung gehören. Es ist die ästhetischste Nacht des Jahres. Die Dinge zeigen sich von einer anderen Seite, wie auch die Menschen. Fräulein Spinnweb und Frau Bohnenblüte lassen grüßen.“[16] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Schnell hat man da den Eindruck, dass sich auch Berlin von einer anderen Seite zeigt, einer Seite, die Timm in seiner Johannisnacht den Ich-Erzähler immer wieder durchleben und erfahren lässt. Schließlich wundert man sich im Kontext der Johannisnacht dann auch nicht mehr darüber, dass der Ich-Erzähler durch Zufall an einer Pommesbude landet, wo einer einen Grabredenschreiber trifft, der eine Schreibblockade hat, weil er nicht weiß, wie seine Beerdigungsrede für einen pensionierten Lehrer aussehen soll, dessen Sohn nichts mit dem Vater zu tun haben wollte. Um seiner Kreativität auf die Sprünge zu helfen, genehmigt er sich eine Currywurst, eine Berliner Spezialität.[17] An jeder Ecke und in jedem Stein scheinen sich in Berlin Geschichten zu verbergen, die einfach nur gefunden werden müssen, um Auskunft über ein Stück des wahren Wesens der Stadt Berlin geben zu können:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center"> „Ich kenne keine Stadt, wo man so schnell mit Leuten ins Gespräch kommt wie hier, sagte ich, man fragt nach dem Straßennamen und bekommt eine Biographie erzählt.“[18] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Nicht umsonst berichtet der Ich-Erzähler auch immer genauestens, an welcher Stelle Berlins er sich gerade befindet. Er nennt Straßennamen, Orte, berühmte Gebäude, die in sich schon eine Geschichte tragen, geht aber nicht auf diese Geschichten ein. So sind die Assoziationen, die vielleicht beim Lesen der Namen Reichstag, Wannsee, Bahnhof Zoo oder vielen anderen entstehen, auch für jeden Leser individuell und nur in Gedanken vorhanden. So singt der Obdachlose am Bahnhof, an dem der Ich-Erzähler sich eine Rückfahrkarte nach München kauft, um vor dem bulgarischen Waffenhändler zu flüchten, bezeichnenderweise:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten? Sie fliehen vorbei wie nächtliche Schatten, kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen mit Pulver und Blei; die Gedanken sind frei! […] Und sperrt man mich ein im finsteren Kerker, das alles sind rein vergebliche Werke! Denn meine Gedanken zerreißen die Schranken und Mauern entzwei: die Gedanken sind frei!“[19] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Die Johannisnacht lässt auch hier Raum für eigene Interpretationen und Assoziationen. So sind die Gedanken der Leser frei, sich selbst ein Bild zu machen. Offensichtlich ist aber auch der Vergleich mit dem Fall der Mauer. Selbst die anfängliche Frage, ob der Rote Baum, den der Onkel auf dem Sterbebett angesprochen hatte, nicht vielleicht eine Kartoffelsorte ist, bleibt zum Schluss nicht unbeantwortet und gibt dem Ich-Erzähler die Möglichkeit, nun auch eine seiner Geschichten zu erzählen, zumal sich der Rote Baum ebenfalls als ein Ort herausstellt, ein Grenzbaum zwischen Mecklenburg und Preußen, dem wiederum eine eigene Geschichte innewohnt.</p>
<p style="text-align: justify;">Insgesamt zeigt sich in Timms Johannisnacht der Zauber eines Sommernachtstraums, den auch schon Shakespeares Figuren haben träumen dürfen. Gerade in diesem Kontext bereitet die Lektüre der Johannisnacht viel Spaß und Freude. Auf den ersten Blick enttäuschend wirkt jedoch das Ende, da der Ich-Erzähler einfach aus Berlin abreist, ohne den Kartoffelkatalog wiedergefunden zu haben. Irgendwie erscheint die Geschichte unvollständig, zumal Shakespeare in seinem Sommernachtstraum sämtliche Konflikte und Situationen zum Guten auflöst. Auf den zweiten Blick jedoch muss man sich vielleicht zugestehen, dass es für diese Geschichte kein Ende geben kann, da sich die Geschichten in und um Berlin weiterentwickeln. Noch ist der Prozess der Wiedervereinigung nicht abgeschlossen und noch ist das Chaos in den Köpfen der Menschen nach der Wende vielleicht nicht behoben.</p>
<p style="text-align: justify;">Wehmütig blickt der Leser jedoch in das Panorama Berlins zurück, da das Abenteuer viel zu kurz erscheint. So schließt sich am Ende aber doch der Kreis, den das Vorwort eröffnet hat, denn „wie Schatten wandelbar, wie Träume kurz [und] schnell wie der Blitz“[20] entfaltet sich die Geschichte, die am Ende genauso schnell vergangen ist, wie die die Rauchkringel des Ich-Erzählers, der in einer letzten verträumten Beobachtung zuschaut, wie „sie in Halbdunkel [flogen], wo sie sich langsam auflösten – als feiner blauer Dunst.“[21]</p>
<p style="text-align: justify;">So bleibt vielleicht am Ende noch die Möglichkeit, erneut Shakespeare zu zitieren:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">“But all the story of the night told over And all their minds transfigur’d so together, More witnesseth than fancy’s images, And grows to something of great constancy; But howsoever, strange and admirable.”[22] </div></p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Doch diese ganze Nachtbegebenheit, Und ihrer aller Sinn, zugleich verwandelt, bezeugen mehr als Spiel der Einbildung. Es wird daraus ein Ganzes voll Bestand, doch seltsam immer noch und wundervoll.“[23] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Wobei aber noch anzumerken ist, dass sich trotz aller Träumerei in der Mittsommernacht dennoch ein durchaus reales Bild des Nach-Wende-Berlins in seinen unterschiedlichen Facetten abzeichnet.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Quellen</h3>
<p style="text-align: justify;">Shakespeare, William: Ein Sommernachtstraum, Stuttgart: Reclam Nr. 73, 2001</p>
<p style="text-align: justify;">Shakespeare, William: A Midsummer Night’s Dream, Oxford: Oxford University Press, reprinted new edition 2001</p>
<p style="text-align: justify;">Timm, Uwe: Johannisnacht. Roman, München: Deutscher Taschenbuchverlag, 7. Auflage Juli 2004</p>
<h3 style="text-align: justify;">Anmerkungen</h3>
<p style="text-align: justify;">[1] Shakespeare, William: A Midsummer Night’s Dream, Oxford: Oxford University Press, reprinted new edition 2001, Act 1 Scene 1, lines 144-149</p>
<p style="text-align: justify;">[2] Shakespeare, William: Ein Sommernachtstraum, Stuttgart: Reclam Nr. 73, 2001, S. 8</p>
<p style="text-align: justify;">[3] Shakespeare, William: Ein Sommernachtstraum, S. 8</p>
<p style="text-align: justify;">[4] ebda</p>
<p style="text-align: justify;">[5] ebda</p>
<p style="text-align: justify;">[6] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 7-8</p>
<p style="text-align: justify;">[7] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 32</p>
<p style="text-align: justify;">[8] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 34</p>
<p style="text-align: justify;">[9] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 43</p>
<p style="text-align: justify;">[10] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 48</p>
<p style="text-align: justify;">[11] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 48</p>
<p style="text-align: justify;">[12] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 61</p>
<p style="text-align: justify;">[13] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 97-98</p>
<p style="text-align: justify;">[14] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 107</p>
<p style="text-align: justify;">[15] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 134</p>
<p style="text-align: justify;">[16] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 193</p>
<p style="text-align: justify;">[17] Ob und in welchem Zusammenhang diese Beobachtung mit Timms Die Entdeckung der Currywurst in Verbindung gebracht werden kann, mag an anderer Stelle geprüft werden.</p>
<p style="text-align: justify;">[18] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 137</p>
<p style="text-align: justify;">[19] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 237</p>
<p style="text-align: justify;">[20] Shakespeare, William: Ein Sommernachtstraum, Stuttgart: Reclam Nr. 73, 2001, S. 8</p>
<p style="text-align: justify;">[21] Timm, Uwe: Johannisnacht. S. 245</p>
<p style="text-align: justify;">[22] Shakespeare, William: A Midsummer Night’s Dream, Oxford: Oxford University Press, reprinted new edition 2001, Act 5 Scene 1, lines 23-27</p>
<p style="text-align: justify;">[23] Shakespeare, William: Ein Sommernachtstraum, Stuttgart: Reclam Nr. 73, 2001, S.56</p>
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		<title>Der Fernsehfilm Irrlicht und Feuer in Ost- und Westdeutschland</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 13:59:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der zweiteilige Fernsehfilm &#8220;Irrlicht und Feuer&#8221;. Analyse der westdeutschen medialen Aufbereitung eines ostdeutschen Films. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Umsetzung einer Romanvorlage in einen Film. Dass hierbei Änderungen vorgenommen werden, die durch den Medienwechsel bedingt sind oder die der Dramaturgie dienen, ist nahezu unvermeidlich und ebenso verständlich. Wenn bei dieser Umsetzung aber Politik eine Rolle spielt, so wird das Selbstverständliche plötzlich problematisiert; im Ost-West-Diskurs werden Propagandavorwürfe laut. Gesendet wird der ostdeutsche Fernsehfilm schlussendlich in Westdeutschland nur mit einer begleitenden [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3 style="text-align: justify;">Der zweiteilige Fernsehfilm &#8220;Irrlicht und Feuer&#8221;.</h3>
<h4 style="text-align: justify;">Analyse der westdeutschen medialen Aufbereitung eines ostdeutschen Films.</h4>
<p style="text-align: left;"><a title="Infos zu Creative Commons Lizenzierungen" href="http://creativecommons.org/licenses/" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-1876" title="Creative Commons Nutzungsbedinungen" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/cc.png" alt="" width="19" height="19" /></a><img class="alignnone size-full wp-image-1875" title="Namensnennung" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/by.png" alt="" width="19" height="19" /><img class="alignnone size-full wp-image-1877" title="Nicht-kommerzielle Nutzung" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/nc-eu.png" alt="" width="19" height="19" /><img class="alignnone size-full wp-image-1879" title="Keine Bearbeitung" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/nd.png" alt="" width="19" height="19" /><img class="alignnone size-full wp-image-1878" title="Weitergabe unter gleichen Bedingungen" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/sa.png" alt="" width="19" height="19" /></p>
<p style="text-align: justify;">Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Umsetzung einer Romanvorlage in einen Film. Dass hierbei Änderungen vorgenommen werden, die durch den Medienwechsel bedingt sind oder die der Dramaturgie dienen, ist nahezu unvermeidlich und ebenso verständlich. Wenn bei dieser Umsetzung aber Politik eine Rolle spielt, so wird das Selbstverständliche plötzlich problematisiert; im Ost-West-Diskurs werden Propagandavorwürfe laut. Gesendet wird der ostdeutsche Fernsehfilm schlussendlich in Westdeutschland nur mit einer begleitenden Dokumentation, die im letzten Teil dieser Arbeit zentraler Analysegegenstand der Aufbereitung eines ostdeutschen Films für das westdeutsche Publikum ist.</p>
<h3 style="text-align: justify;">1. Einleitung</h3>
<p style="text-align: justify;">Irrlicht und Feuer – ein Roman, der im Westen Deutschlands zur Zeit der Kohlenkrise 1963 erschien und der viel Aufsehen erregte. Es ist ein Roman, der nicht vordergründig nach seiner literarischen Qualität, sondern nach der Antwort auf die Frage beurteilt wurde, ob die in ihm geschilderten Verhältnisse real sind. Es ist ein Roman, der vielschichtig die Arbeits- und Lebenswelt des Bergmanns Jürgen Fohrmann im Ruhrgebiet schildert und dabei gesellschaftskritisch auch die Rolle von Gewerkschaften, Unternehmern und Betriebsräten untersucht. Es ist eine Kritik von solcher Brisanz, dass sie Anklageschriften und Gerichtsverfahren nach sich zieht. Dennoch oder vielleicht gerade deswegen wird Irrlicht und Feuer zu einem der erfolgreichsten Romane von Max von der Grün. Nun ist eben dieser in der kapitalistischen BRD verfasste Roman ausgerechnet in der sozialistischen DDR verfilmt worden, also inmitten eines Systems, dem immer vorgeworfen wurde, jede nur erdenkliche Möglichkeit zu nutzen, um gegen die BRD zu agitieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Irrlicht und Feuer – ein ostdeutscher Fernsehfilm nach einer westdeutschen Romanvorlage. Konnte man es wagen, diesen Film, der in der DDR als Schilderung der realen Probleme der Arbeiter in der BRD gelobt wird, dem westdeutschen Publikum vorzuführen? Könnte ein solcher Film nicht vielleicht sogar das eigene System bedrohen? Nun, der Südwestfunk hat es schließlich „gewagt“, den Film in sein Programm aufzunehmen und nennt dies ein „Experiment“. In Kooperation mit der ARD wird Irrlicht und Feuer 1968 an zwei Abenden zur Hauptsendezeit ausgestrahlt, freilich jedoch nicht unkommentiert stehen gelassen. Wie sehen aber diese Kommentare aus und wie sind sie zu bewerten?</p>
<p style="text-align: justify;">Um dies richtig beurteilen zu können, ist es notwendig, den Autor Max von der Grün und seine Beziehung zur Dortmunder Gruppe 61 näher vorzustellen. Danach sollen einige zentrale Themen aus dem Roman eingehend erläutert werden. Dies eröffnet dann die Möglichkeit, einen Vergleich zwischen Film und Roman ziehen zu können. Ziel dieser Arbeit soll es sein, die mediale Aufbereitung des ostdeutschen Films für das westdeutsche Publikum zu analysieren und zu beurteilen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">2. Der Autor</h3>
<h4 style="text-align: justify;">2.1. Zur Biografie bis 1968: Vom Arbeiter zum Autor</h4>
<p style="text-align: justify;">Ein Schriftsteller, der Literatur der Arbeitswelt verfassen möchte, braucht dazu gewisse Voraussetzungen. Im Vorwort zum Almanach der Gruppe 61 und ihrer Gäste schreibt Fritz Hüser diesbezüglich:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Im Zeitalter der Mitbestimmung und der Automation, der Kybernetik und Atomkräfte, der Volksaktie und der 40-Stunden-Woche stehen andere Fragen und Probleme im Vordergrund als die der früheren Arbeiterdichtung und sozialen Kampfdichtung. Wer sich heute literarisch diesen Problemen widmen will, muß umfassende Kenntnisse und einen großen Überblick mitbringen – zugleich muß er neue Formen suchen und gestalten, um die Veränderungen unserer Gesellschaft, die Unsicherheit und das quälende Unbehagen der arbeitenden Menschen literarisch zu gestalten und bewußt zu machen.“[1]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Max von der Grün widmet sich genau diesen Problemen. Wie aber wurde der Bergmann von der Grün zu einem Schriftsteller?</p>
<p style="text-align: justify;">Von der Grün wird 1926 in Bayreuth geboren und wächst in bescheidenen Verhältnissen auf. Der Vater, der Schuhmacher ist und der Sekte der Bibelforscher angehört, wird 1938 beim Einmarsch der deutschen Truppen in ein KZ verbracht. Von der Grün besucht die Volksschule. Die Familie hält das Lesen, im Gegensatz zu Familien in ähnlichen finanziellen Verhältnissen, nicht für Zeitverschwendung. Max von der Grün hat so die Möglichkeit, schon früh mit Literatur bekannt zu werden. 1941 beginnt von der Grün eine kaufmännische Lehre bei Rosenthal in Selb. Mit Abschluss der Kaufmannsgehilfenprüfung 1943 wird er in die Wehrmacht einberufen und gerät 1944 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Hier macht von der Grün erste Gehversuche als Autor und führt Tagebuch.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach seiner Rückkehr 1948 ist er kurze Zeit in seinem alten Beruf beschäftigt, kann dort aber keinen Fuß fassen und wird Maurergehilfe in Baugewerbe. Als er 1951 arbeitslos wird, entschließt er sich dazu, ins Ruhrgebiet zu gehen. Dort arbeitet er bis 1963 auf der Zeche Königsborn in Heeren-Werve als Bergmann. Er ist zuerst Hauer und wird nach einem Unfall mit einem Panzerförderer zum Grubenlokführer umgeschult. Ende der 1950er Jahre gibt er zusätzlich Kurse an der Volkshochschule und beschäftigt sich auch in der Freizeit mit Literatur. 1960 liegt dann das fertige Manuskript des ersten Romans Männer in zweifacher Nacht vor, den von der Grün 1962 mit Hilfe von Fritz Hüser, Leiter des Archivs für Arbeiterdichtung und soziale Literatur in Dortmund, veröffentlicht. Vorangegangen war 1961 die Gründung der Dortmunder Gruppe 61, von der im nächsten Punkt die Rede sein wird. Zentrales Thema von Männer in zweifacher Nacht ist die Beschreibung eines Grubenunfalls, bei dem Bergleute mehrere Tage in einem Streb eingeschlossen sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Als Bergmann macht von der Grün Erfahrungen mit und in der Arbeitswelt, erlebt hautnah die nahezu unmenschlichen Verhältnisse, unter denen die Bergleute arbeiten, bekommt den Anfang der Kohlenkrise und deren Konsequenzen am eigenen Leib zu spüren, wird vertraut mit Gewerkschaften, Unternehmern, Betriebsräten und den Mitbestimmungsgesetzen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Wer sich heute literarisch diesen Problemen widmen will, muß umfassende Kenntnisse und einen großen Überblick mitbringen.“[2] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Genau diese Kenntnisse bringt von der Grün durch seine Praxiserfahrungen mit. So ist es ihm möglich, die Welt der Arbeit, die Mittelpunkt seines Lebens ist, zu beschrieben und in Irrlicht und Feuer kritisch zu hinterfragen.</p>
<p style="text-align: justify;">Als von der Grün 1963 den Roman veröffentlicht, ist es genau diese Kritik, die Öffentlichkeit herstellt und die für von der Grün nicht ohne Konsequenzen bleibt. Neben der Kritik an Unternehmern und Gewerkschaften fühlt sich konkret die Firma Westfalia Lünen, die Maschinenanlagen für den Kohlenabbau herstellt, betroffen von einer Szene, in der ein Unfall mit einem Panzerförderer geschildert wird. Westfalia Lünen glaubt, darin ein von ihr hergestelltes Produkt zu erkennen und stellt einen Antrag auf einstweilige Verfügung wegen Ruf- und Geschäftsschädigung gegen Buch und Autor. Die Klage wird nach mehreren Berufungen abgewiesen. Diese unfreiwillige Werbung ruft auch die Gewerkschaften auf den Plan:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die Interessenvertreter der Arbeiter […] warfen von der Grün vor, er habe das eigene Nest beschmutzt.“[3]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Die Unternehmer reagieren ebenfalls gereizt auf Irrlicht und Feuer. Kurz nach Erscheinen des Buchs wird von der Grün gekündigt. Eine zugesicherte Arbeitsstelle bei Hoesch wird ihm abgesagt. Von einer „schwarze[n] Liste“[4] ist die Rede, was von Unternehmerseite aber abgestritten wird</p>
<p style="text-align: justify;">So bringt Irrlicht und Feuer große Resonanz in Ost- und Westdeutschland ein. 1964 bekommt von der Grün die Möglichkeit, eine Lesereise durch die DDR zu unternehmen. Der westdeutsche NDR und der Deutsche Fernsehfunk der DDR erwerben die Filmrechte an Irrlicht und Feuer. Während der NDR die Verfilmung nie in die Tat umsetzt, produziert der Deutsche Fernsehfunk den Film, der zuerst 1966 in der DDR und 1968 in der BRD zu sehen ist. Der Lebenslauf von der Grüns nach 1968 muss an dieser Stelle unberücksichtigt bleiben, da seine weiteren schriftstellerische Entwicklunge für diese Arbeit weniger relevant ist.Festzuhalten bleibt: Mit Irrlicht und Feuer hat Max von der Grün einen Roman geschrieben, der vielen Leuten unbequem war und dessen Verfilmung erneuten Zündstoff in die Diskussion brachte.[5]</p>
<h4 style="text-align: justify;">2.2. Die Dortmunder Gruppe 61</h4>
<p style="text-align: justify;">Weiterhin ist es aber interessant, zu erfahren, welche Aufgabe Max von der Grün der Literatur und sich selbst als Autor zuweist. Von der Grüns Werdegang als Schriftsteller sowie sein Verständnis von Literatur und ihren Aufgaben sind eng mit der Entstehung der Dortmunder Gruppe 61 verbunden. Im Nachkriegsdeutschland spielt die Auseinandersetzung mit der Arbeitswelt vorerst in der Literatur kaum eine Rolle.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die Welt, in der wir leben, ist noch nicht literarisch fixiert. Die Arbeitswelt zumal scheint mir noch nicht in den Blick gerückt zu sein. Wo ist das Porträt des Arbeiters, wo die Zeichnung des Maurers, wo agieren Mädchen in der Fabrik, wo bewachen Roboter die rötlichen Lampen?“[6]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Angesichts dieser Ausgangssituation lässt sich erklären, warum die Dortmunder Gruppe 61 ins Leben gerufen wurde. Initiatoren sind Fritz Hüser und Max von der Grün. Sie regen an, einen „Arbeitskreis für künstlerische Auseinandersetzung mit der industriellen Arbeitswelt“[7] zu gründen, der Schriftstellern die Möglichkeit bietet, ihre Texte vorzustellen. Am 31. März 1961 findet das erste Treffen der Dortmunder Gruppe 61 statt mit „zehn Autoren, […] mit einigen Kritikern und Journalisten […], um über Möglichkeiten und Formen moderner Industriedichtung zu diskutieren.“[8] Erst 1964 wird das Programm der Dortmunder Gruppe 61 verabschiedet. Im Rahmen einer neuen Industrieliteratur setzen sich die Autoren, in Abgrenzung von der Arbeiterdichtung der Weimarer Republik und der des Bitterfelder Weges in der DDR[9], folgende Ziele:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„1. Literarisch-künstlerische Auseinandersetzung mit der industriellen Arbeitswelt der Gegenwart und ihrer sozialen Probleme. 2. Geistige Auseinandersetzung mit dem technischen Zeitalter. 3. Verbindung mit der sozialen Dichtung anderer Völker. 4. Kritische Beschäftigung mit der frühen Arbeiterdichtung und ihrer Geschichte.“[10]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Die Dortmunder Gruppe 61 bietet somit für von der Grün, der schnell zum bekanntesten Schriftsteller der Gruppe avanciert, die literarische Plattform, die sich mit seiner Auffassung einer modernen Arbeiterliteratur deckt:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Das Thema der Gruppe heißt Arbeit. […] Im Programm steht: Auseinandersetzung mit der industriellen Arbeitswelt. […] Es geht um den Menschen in eben dieser technisierten, anonymen Welt, als industrielle Arbeitswelt verstehe ich, und auch die Gruppe, den Menschen in eben dieser Welt; und diese Welt kann hinter, aber auch vor dem Fabriktor sein.“[11]</div></p>
<p style="text-align: justify;">So wird Irrlicht und Feuer Ausdruck des Literaturverständnisses von Max von der Grün, Außerdem schreibt von der Grün dem Dichter im gesellschaftlichen Kontext eine Rolle zu, die im Zusammenhang mit seinen Themen an Bedeutung gewinnt:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Wir können keine soziale Aufgabe lösen, wir können nur auf die Aufgabe verweisen, wir können keine politische Entscheidung treffen, wir können nur darauf verweisen, daß eine politische Entscheidung not tut, wir können keine betrieblichen Pressionen abbauen, wir können nur aufzeigen, daß es sie gibt, wir können das Kapital nicht umverteilen, wir können nur die Ungerechtigkeit verdeutlichen.“[12]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Und genau das hat von der Grün in Irrlicht und Feuer getan. Mit seiner Kritik, die im kommenden Teil näher erläutert wird, macht er auf Missstände aufmerksam und löst weitreichende Diskussionen aus.</p>
<h3 style="text-align: justify;">3. Irrlicht und Feuer – Der Roman</h3>
<h4 style="text-align: justify;">3.1. Inhalt</h4>
<p style="text-align: justify;">In Irrlicht und Feuer dreht sich alles um den Bergmann Jürgen Fohrmann, der als Hauer auf der Zeche Abendschein bei von Dortmund arbeitet. Von der Grün nutzt die Ich-Erzählperspektive, um die Situation eines Bergmanns in der Kohlenkrise näher zu erläutern. Fohrmanns Lebenslauf ähnelt dabei auf erstaunliche Weise dem Lebenslauf von der Grüns. Fohrmann ist ein auf den ersten Blick typischer Bergmann im Ruhrgebiet. Er ist verheiratet, wohnt in einem kleinen Eigenheim in der Zechensiedlung, das noch nicht abbezahlt ist, hört gerne Fußballübertragungen, trinkt ab und an im Wirtshaus ein Bier oder auch mehrere. Alles in allem könnte Fohrmann ein durchaus geregeltes Leben führen. Er verdient Geld, seine Frau geht zusätzlich arbeiten, Kinder haben sie keine. Fohrmann ist mit der Situation unzufrieden.</p>
<p style="text-align: justify;">Alles beginnt damit, dass Fohrmann, der vor dem Krieg eine kaufmännische Ausbildung gemacht hatte und nach der Kriegsgefangenschaft im Bergbau untergekommen war, auf dem Weg zu seiner 24-Uhr-Schicht eine Frau am Bahndamm triff und ihretwegen die Schicht versäumt. Am Morgen hat Fohrmanns Ehefrau Ingeborg von der nächtlichen Begegnung erfahren und ist zu ihrer Mutter nach Dortmund gezogen. Als Fohrmann am nächsten Freitag die Frau, deren Namen er bis dato noch nicht einmal kennt, wieder trifft und erneut die Schicht versäumt, wird er zum Betriebsführer bestellt, der ihn verwarnt. Fohrmann findet heraus schließlich, dass die Frau Republikflüchtling ist und bei dem Polier Viktor Polenz wohnt. Ihr Mann sitzt im Gefängnis in Bautzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Fohrmann berichtet außerdem von seinem Arbeitsplatz unter Tage, geht auf die Arbeitsabläufe ein, erklärt den Zeitdruck, unter dem die Bergleute arbeiten, und beschreibt die Maschinen, die er benutzt. In seiner Freizeit kümmert er sich um die Familie Borowski. Karl Borowski wurde von den Nazis in ein KZ gebracht und ist heute psychisch gestört. Fohrmann besucht die Betriebsversammlung. Man diskutiert den ausstehenden Lohn und bemängelt eine nicht ausgereifte Maschine, die immer wieder zu Unfällen führt. Da der Betriebsführer, der die Betriebsräte auf seiner Seite hat, nicht einzulenken bereit ist, meldet sich der betrunkene Jürgen Fohrmann zu Wort und hält eine Rede, in der er Betriebsräte, Unternehmensführer, das System des Kapitalismus und den Konsumterror heftig kritisiert und so die Abstimmung über die Maschine schmeißt, da der Betriebsführer aufgrund der Rede die Veranstaltung verlässt. Kurz darauf erhält Fohrmann von Fritz Lehnertz, einem dienstälteren Kumpel, die Nachricht, dass die Zeche geschlossen werden soll. Spontan findet eine Demonstration vor dem Zechengelände statt. Die Situation eskaliert, als Polenz sich in die Demonstration einmischt und vor den Wasserwerfen der Feuerwehr die Flucht ergreift. Viele der Streikenden schließen sich an, sodass die Demonstration im Nichts verläuft.</p>
<p style="text-align: justify;">Inzwischen ist Ingeborg aus Dortmund zurückgekehrt. Fast augenblicklich kommt es zum Streit, da Jürgen bald arbeitslos sein wird. Sie wirft ihm vor, ein Träumer zu sein, während er ihr sie beschuldigt, nur daran interessiert zu sein, dass Geld ins Haus kommt, damit sie sich etwas leisten kann. Für Kinder sei in ihrem Lebensentwurf kein Platz. Auf Druck seiner Frau macht sich Fohrmann dann auf den Weg zu einem Vorstellungsgespräch in der Firma, in der er seine kaufmännische Lehre abgeschlossen hat. Der Direktor bietet Fohrmann, der gerne wieder zurück ins Büro möchte, aber lediglich eine Arbeit in der Eisenverladestelle an. Unter Tage kommt es zu einem folgenschweren Unfall mit einem Panzerförderer, also der Maschine, die bereits in der Betriebsversammlung als unfallträchtig bemängelt worden war. Die Kette des Förderers springt aus der Führung und zertrümmert das Bein von Fritz Lehnertz. Dem Steiger wird der Kopf abgerissen. Fohrmann zieht daraufhin einen Schlussstrich, verlässt die Zeche und beginnt seine Arbeit in der Eisenverladestelle. Kurz darauf erreicht ihn die Nachricht, dass Karl Borowski Selbstmord begangen hat. Auf der Beerdigung taucht dann plötzlich der Polier Polenz auf. Es stellt sich heraus, dass sich Karl Borowski das Leben genommen hat, weil er Polenz, der im KZ als Peitschenschläger auch Karl bestraft hatte, wieder erkannte.</p>
<p style="text-align: justify;">An dieser Stelle wechselt die Position des Ich-Erzählers hin zu einem auktorialen Erzähler, der Fohrmann Blickrichtung konkretisiert. Fohrmann indes wechselt erneut seinen Arbeitsplatz, weil er im neuen Betrieb keinen Urlaub bekommt und ihm die Gewerkschaft in der Angelegenheit nicht zur Seite steht. Er arbeitet jetzt im Baugewerbe, wird aber auch dort nicht glücklich, sondern nimmt kurze Zeit später eine Arbeit in der Deplasta-AG an. Die Arbeit wird von ihm als vergleichsweise einfach und sauber beschrieben. Es kann sogar in weißem Hemd und zur Arbeit erscheinen. Allerdings weiß er nicht, was für ein Produkt gefertigt wird. Zurück in der Position des Ich-Erzählers schildert Fohrmann seine Unzufriedenheit. Seine neuen Arbeitskollegen sind ihm nur oberflächlich bekannt, die Arbeit an sich ist stupid und monoton, da seine einzige Aufgabe darin besteht, Löcher in ein Stück Plastik zu bohren. Außerdem stellt er auf eine Betriebsversammlung fest, dass auch in diesem Betrieb der Direktor nur vorgibt, die Mitbestimmungsgesetze ernst zu nehmen. Die Betriebsräte erscheinen einmal mehr korrumpiert. Während Fohrmanns Frau daheim die neue, auf Raten gekaufte Waschmaschine und einen Lottogewinn feiert, , wird sein Wunsch nach einem Kind immer größer. In diesem Wunsch kanalisieren sich alle Hoffnungen und Sehnsüchte Fohrmanns.</p>
<h4 style="text-align: justify;">3.2. Fohrmanns Leben in Westdeutschland – Gesellschaftskritik</h4>
<p style="text-align: justify;">In diesem Inhalt zeichnen sich einige Themen ab, die in Irrlicht und Feuer kritisch zur Diskussion gestellt und hinterfragt werden:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„ [Es] hat eine Rolle gespielt, daß hier ein einzelner Mensch […] und nicht das Abstraktum ‚Arbeitnehmer’ […] zu Wort kommt. Ein Mensch, der kein Blatt vor den Mund nimmt, sondern so redet, wir ihm der Schnabel gewachsen ist; jemand aus der sogenannten Masse – also faterlerweise kein Intellektueller –, der seiner Empörung Ausdruck gibt über ein sinnloses, lediglich aus Arbeit und Konsum bestehendes Dasein.“[13]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Jürgen Fohrmann ist in Irrlicht und Feuer derjenige, der „kein Blatt vor den Mund nimmt, sondern so redet, wie ihm der Schnabel gewachsen ist“[14]. Die Kritik, die Fohrmann übt, soll im folgenden Teil an verschiedenen Szenen konkret festgemacht werden.[15]</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.2.1. Die Arbeit unter Tage</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Beschreibung der Arbeitszustände unter Tage durch den Protagonisten ist drastisch und eindrucksvoll und lässt vermuten, dass dies deutlich beeinflusst ist durch die eigenen Erfahrungen des Autors. Die Arbeiten im Schoß der Erde verlangen den Bergleuten alles ab. Staub und Hitze erschweren die Arbeitsabläufe. Deutlich wird, dass die Arbeiten von einem sich ständig wiederholenden Vorgang bestimmt werden:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Wir bohren den Stein an. […] Drei Mann bohren. […] Neun Löcher sind zu bohren. […] Wir bohren den Bauch der Erde entzwei. […] Bohren, abschießen, ausbauen.“ (S. 36ff)[16] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Das Wiederholen fast gleicher Aussagen unterstreicht die Monotonie des Arbeitsprozesses. Besonders die letzte Triade macht dies deutlich. Trotz aller Gleichförmigkeit ist jede Minute sorgsam durchgeplant, den Takt bestimmt die Maschine, den Profit haben die Unternehmer. „Alle haben es auf der Zeche eilig, die Vorgesetzten und die Kumpels. Eine Seuche ist das.“ (S. 39) Fohrmann beschreibt hier den Zeitdruck, unter dem alle stehen und bemerkt fast nebenbei: „Kein Wunder, daß dann Unfälle passieren.“ (S. 39), was angesichts der folgenden Szene wie eine Vorausdeutung anmutet.</p>
<p style="text-align: justify;">Im Mittelpunkt steht die Beschreibung des Arbeitsunfalls mit dem Panzerförderer, bei dem einem Steiger der Kopf abgerissen wird. Fohrmann versteht nicht, dass eine solche Maschine noch angeschafft wird, obwohl die Zeche bald stillgelegt wird. Für die Arbeiter erscheint diese Maschine unkontrollierbar. Fohrmann vergleicht sie immer wieder mit einem unbeherrschbaren wilden Tier:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Der Maschine habe ich immer mißtraut. […] Der Hobel liegt immer auf der Lauer; er läßt sich zwar bändigen, in seine Ketten pressen, wehe aber, wenn er ausbricht, dann sind Schmerz- und Entsetzensschreie die Lautbahn, in der er sich bewegt. Wir hassen diese Maschine, wir spucken sie bei Schichtbeginn an, wir decken sie mit wüsten Worten ein und mit kalten Flüchen, die aus der Angst geboren werden […] Nein, das ist keine Maschine mehr, das ist ein Monstrum. […] Aber keine Zeit, der Hobel rast… ich hinterher.“ (S. 126ff) </div></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.2.2. Unternehmer, Gewerkschaften und Betriebsräte</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Gerade im Zusammenhang mit der eben angesprochenen Hobel-Szene wird massive Kritik am Verhalten der Unternehmer geübt. Fohrmann wirft ihnen vor, dass die Maschine nur zur Probezwecken eingebaut wurde und eigentlich nach Afrika verkauft werden soll, wenn ihre Tauglichkeit feststeht. (S. 127) Außerdem sind es immer wieder die Unternehmer, die auf den Arbeiter einen solchen Druck ausüben, dass diese sich gezwungen fühlen, den Profit des Unternehmers zu steigern. Selbst der vermeintlich liberale Chef der Deplasta zeigt sich gierig nach Profit.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch die Betriebsversammlung lässt kein gutes Haar an Unternehmern und Arbeitsnehmervertretern. Bezeichnend ist, dass Fohrmann erst dann offen redet, als er betrunken ist. Er kritisiert massiv die parteiischen Betriebsräte und wirft ihnen vor, von der Betriebsleitung gekauft worden zu sein. Auch die Gewerkschaft arbeitet in Fohrmanns Augen für die Unternehmer:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Wir meutern und begehren auf und beziehen Front nur, wenn es unsere Gewerkschaft wünscht, auch wenn wir dann selbst keinen Grund zum Aufbegehren sehen, Aber die Gewerkschaft sieht den Grund, und sie sieht für uns, und die Gewerkschaft bestimmt, wann wir unzufrieden zu sein haben, wann nach ihren Begriffen das Maß des Erträglichen überläuft. Aber wehe, ein, zwei, fünf oder zehn Mann setzen sich zur Wehr, weil ihnen Unrecht geschehen ist, weil es irgendwo im Betrieb stinkt, dann fällt uns die Gewerkschaft in den Rücken und sagt, das sei ein nichtlegitimer Streik, und nichtlegitime Streiks sind ein Unrecht, das ist dann ein wilder Streik…“ (S. 84/85) </div></p>
<p style="text-align: justify;">Und später sagt er: „Mit solchen Betriebsräten, wie wir sie haben, ist der Gewerkschaft nicht gedient, sie macht sich der Bestechlichkeit verdächtig.“ (S. 295) Damit vertritt Fohrmann eine Meinung, die von der Grün voll unterstützen würde:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Partnerschaft bedeutet doch wohl nicht nur Mittragen des Risikos, sondern auch, daß der einzelne in den Genuß des Gewinns kommt. Hier liegt der neuralgische Punkt der Mitbestimmung. Es heißt die Mitbestimmung ab absurdum führen oder den kleinen Mann für dumm verkaufen, wird das Risiko sozialisiert, der Gewinn aber bleibt weiterhin privatisiert. […] Vor lauter Partnerschaft sehen die Gewerkschaften kaum noch die wirklichen Sorgen der Arbeiterschaft.“[17]</div></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.2.3. Konsum und Kapitalismus</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Dieses Thema wird von zwei Seiten angegangen. Auf der einen Seite erlebt der Leser in der Figur der Ingeborg eine Person, die voll und ganz materialistisch ausgerichtet ist und für die Geld und Statussymbole wie Waschmaschine, Bügelautomat und Auto viel zählen. (S. 112- 118) Für Kinder ist in ihrer Planung vorerst kein Platz. Dem gegenüber steht Jürgen, der immer wieder darauf eingeht, dass er sich ein Kind wünscht. Auf der Betriebsversammlung gibt er seiner Wut Ausdruck und klagt seine Kollegen und sich selbst an, vom Kapitalismus korrumpiert worden zu sein:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Wir, Kameraden, haben nur noch zu wählen zwischen Verdienst und Aufbegehren. Wir möchten gerne aufbegehren, weil gegen die herrschenden Zustände aufbegehrt werden muß. Aber wir halten die Schnauze, wir müssen nämlich Geld verdienen, wir müssen leben, wir wollen gut leben. […] Eine Wohnung wollen wir, wer will die nicht? Möglichst ein Eigenheim, wer will das nicht? […] Den Garten aber mit Rasen, […] wir wollen Teppiche, […] ein Fernsehgerät, […] eine Waschmaschine. […] Als Krönung dann ein Auto. […] Weil wir materielle Sicherheit wollen, stecken wir alles ein. Wir würden uns sogar verprügeln lassen, wenn uns am Monatsletzten eine bestimmte Summe garantiert würde, die uns dann ein Leben in Wohlstand sichert. Wir halten die Schnauze, auch wenn Vorgesetzte uns Arschlöcher und Idioten titulieren. […] Wir müssen Geld verdienen und je mehr wir verdienen, desto mehr geben wir aus und desto kleiner wird der Mensch in uns, desto verkrüppelter wird der Charakter, desto größer aber der Hund und das Hündische in uns. Wir verkaufen unser Menschsein für Wohlstand und Sicherheit in diesem Wohlstand. Unsere Väter und Großväter waren Staatsfeinde, weil die für die Menschwerdung des Arbeiters kämpften. Was sind wir heute? Wir verkaufen unser Menschsein für Geld, und wir glauben sogar daran, wenn gesagt wir: Der Arbeiter ist der Demokratie liebstes Kind.“ (S. 83ff)</div></p>
<p style="text-align: justify;">Er drückt aus, wie sehr ihm diese „Panem et circenses [-Mentalität] der Konsumgesellschaft“[18] zuwider ist, nimmt sich selbst aber auch nicht aus, was das „wir“ ausdrückt. Überdeutlich kritisiert er die „Wohlstandsideologie der westdeutschen Arbeiter“[19], kann aber keinen Ausweg aus der Situation finden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.2.4. Entfremdung von der Arbeit</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Als Fohrmann die neue Arbeit bei der Deplasta beginnt, ist er zuerst euphorisch und glaubt, den perfekten Arbeitsplatz gefunden zu haben. „Endlich bin ich gelandet… gelandet… gelandet…“ (S.237) Schnell ist er aber auch hier unzufrieden. Er bearbeitet immer das gleiche Stück Plastik, in das er immer dieselbe Anzahl an Löchern bohren muss. Die Arbeit ist monoton, stupid und in regelmäßigen Abständen immer wieder unterbrochen vom eintönigen Geräusch des Bohrers:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Raaaa-itsch raaaa-itsch raaaa-itsch, der Gedanke ist mir unerträglich, daß ich mein ganzes Leben in diesem Saal verbringen soll, […] nicht wissen[d], wozu der Rahmen gut sein soll. […] Jeden Tag dasselbe, dieselbe Hand- und Armbewegung, dasselbe Geräusch im Saal, eintönig, Hände und Arme trennen sich vom Körper, der Kopf führt sein eigenes Leben, das mit dem Leben im Saal nichts zu tun hat. Hier ist der Mensch kein Ganzes mehr, als das er geschaffen wurde, der Mensch beginnt, sich bei dieser Arbeit zu trennen, der Kopf vom Körper, Hände und Arme vom Körper. Acht Stunden leben die einzelnen Teile getrennt, und nach Feierabend laufen sie langsam wieder zusammen, erst auf der Straße sind dann alle Teile wieder ein Ganzes.“ (S. 298) </div></p>
<p style="text-align: justify;">Er bemerkt, dass zu dieser Arbeit eigentlich nicht sein ganzer Körper benötigt wird und kommt sich vielleicht schon selbst fast wie ein Automat vor, der die ihm einprogrammierte Arbeit mechanisch-präzise ausführt. Die Arbeit an sich wird immer sinnloser, Fohrmann entfremdet sich von seinem Produkt, von dem er noch nicht einmal weiß, was aus ihm wird. Über das Wesen entfremdeter Arbeit ist bei Weimann in Anlehnung an Karl Marx zu lesen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Fohrmanns Verhaltensorientierung zu seiner Arbeit ist ‚instrumentell’, d.h. er betrachtet sie ‚in erster Linie als Mittel zur Erreichung von Zielen und Bedürfnissen’, die außerhalb der Arbeitssituation liegen; sie ist keine ‚Quelle der Selbstverwirklichung’ und hat nicht teil an seinen zentralen Lebensinteressen. […] ‚Sie ist daher nicht die Befriedigung eines Bedürfnisses’, wie der junge Marx über die entfremdete Arbeit schreibt, ‚sondern sie ist nur ein Mittel, um Bedürfnisse außer ihr zu befriedigen.“[20]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Hier greift die Kritik an Konsumgesellschaft und Kapitalismus in die Problematik der Entfremdung ein, da der Arbeiter, will er in einer kapitalistischen Gesellschaft existieren, gezwungen ist, derartige Arbeiten auszuführen, um seinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. Einen Ausweg aus der Situation findet er nicht.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.2.5. Das offene Ende</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Am Ende von Irrlicht und Feuer bleibt ein Jürgen Fohrmann zurück, der mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet hat, der keine Lösungen anbieten kann und der alle seine Hoffnungen auf die Zukunft in den Wunsch nach einem Kind projiziert.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Ich habe Sorge um das Einerlei meines Lebens und Sehnsucht nach einem Kind.“ (S. 303).</div></p>
<p style="text-align: justify;">Fohrmann erkennt zwar die Probleme, unter denen ein Arbeiter leidet, kann aber keinen Ausweg aus der Situation finden. Der Arbeiter ist heute eben nicht mehr der viel zitierte „Held der Arbeit“[21], sondern ein verirrter Wanderer, der den Irrlichtern und Verlockungen des Konsums nachläuft und sich selbst nicht mehr treu bleibt.</p>
<p style="text-align: justify;">Dennoch verbleibt neben den vielen Fragen am Ende doch noch eine halbwegs hoffnungsvolle Perspektive, die allerdings als Tagtraum Fohrmanns präsentiert wird:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Ich sehe aus der Tapete Bilder kommen. Ich sehe einen riesigen Berg, einen Berg aus Menschenleibern. Aus den Leibern schlagen Flammen, loht Feuer, und das Feuer wird dort gespeist, wo das Herz sitzt. Die riesige Flamme aus dem riesigen Berg von Leibern breitet sich über rauchende Städte und erstickt in ihrer Hitze die Irrlichter über der feuerspeienden Industrie.“ (S. 300)</div></p>
<p style="text-align: justify;">Hier wird auch zum ersten Mal der Titel Irrlicht und Feuer metaphorisch aufgelöst. Fohrmann träumt, dass der Mensch, der das Feuer ist, die Irrlichter, hinter denen die Menschen noch immer herjagen,vertilgt und die Industrie, die Anlass und Auslöser für das Leid ist, schlussendlich besiegt. Allerdings gibt die Tatsache, dass es sich um einen Traum handelt, dieser Vorstellung einen irrealen Touch.</p>
<p style="text-align: justify;">Fohrmann lässt offen, durch welche Auslöser eine solche Revolution initiiert werden könnte, weil er es wahrscheinlich selbst nicht weiß. Es verbleibt aber die Hoffnung, dass die Menschen die Fähigkeit besitzen, sich gegen die Umstände zur Wehr zu setzen.</p>
<h4 style="text-align: justify;">3.3. Zusammenfassung</h4>
<p style="text-align: justify;">Abschließend ist zu sagen, dass von der Grün durch Fohrmann massive Kritik am kapitalistischen System der BRD übt und dabei den Zorn von Arbeitgebern und Arbeitsnehmervertretern gleichermaßen auf sich zieht. Während die Unternehmer von der Grün nicht wieder einstellen, distanzieren sich auch die Gewerkschaften von diesem Buch. Weitere Veröffentlichungen von der Grüns in der Gewerkschaftspresse werden gestoppt.[22]</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Es war ein Gedankenmaterial, das in der literarischen Umsetzung plötzlich eine politische Brisanz bekam, die man von Literatur kaum mehr hatte erwarten wollen.“[23]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Und gerade dieses „Gedankenmaterial“ ist dann ausgerechnet in der DDR verfilmt worden, zumal schon das Buch gelobt wurde:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Max von der Grün schrieb ein Buch aus dem heutigen Leben und über das heutige Leben. Dabei rückt er einem Thema zu Leibe, das für die westdeutsche Literatur bis jetzt tabu war. Er sprach aus, daß es in der sogenannten Wohlstandsgesellschaft soziale Probleme gibt, er schreckte in seinen Szenen auf dem Arbeiterleben nicht davor zurück, harte Kritik an den Methoden zu üben, die in einem modernen Industriestaat nicht mehr praktikabel sein sollten.“[24]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Daher soll im nächsten Punkt geklärt werden, wie genau die DDR-Verfilmung inhaltlich aussieht und welche Szenen im Vergleich zum Buch konkret geändert wurden.</p>
<h3 style="text-align: justify;">4. Irrlicht und Feuer – Der zweiteilige Fernsehfilm</h3>
<h4 style="text-align: justify;">4.1. Allgemeine Informationen</h4>
<p style="text-align: justify;">„In Westdeutschland geschrieben, in viele Sprache übersetzt, vom Deutschen Fernsehfunk jetzt verfilmt: der Erfolgsroman Irrlicht und Feuer von Max von der Grün“[25] – so lautet der Werbetext der DDR zum Fernsehfilm, und weiter heißt es:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Eine Ehe in der Zerreißprobe des westdeutschen Alltags. […] Die Jagd nach Irrlichtern von Träumen, die sich nicht erfüllen. […] Das Leben der Bergarbeiter an der Ruhr. […] Das Bild einer Welt, die anders sein kann.“[26]</div></p>
<p style="text-align: justify;">1964 erwirbt der Deutsche Fernsehfunk der DDR die Filmrechte an Irrlicht und Feuer.[27] Das Künstlerkollektiv der Defa-Studios in macht sich, mit einem Drehbuch von Gerhard Bengsch und unter der Regie vonHeinz Thiel und Horst E. Brandt, an die Verfilmung. Günther Simon ist in der Rolle des Jürgen Fohrmann zu sehen. Direkt zu Anfang der Arbeiten nimmt Szenarist Gerhard Bengsch Kontakt zu Max von der Grün auf und besucht ihn in Dortmund:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Grün zeigte sich von Anfang an dem Gedanken einer Verfilmung seines Romans gegenüber sehr aufgeschlossen, und doch war erst ein gegenseitiges Kennenlernen notwendig, gab es ja bisher keinerlei Erfahrungen hinsichtlich einer konkreten Zusammenarbeit zwischen Autoren der Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik. War es doch das erste Mal, daß der Deutsche Fernsehfunk einen westdeutschen Gegenwartsroman verfilmen wollte!“[28]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Umso erstaunlicher ist es, dass der Stellenwert von Irrlicht und Feuer als einer der ersten in der DDR verfilmten, aus Westdeutschland stammenden Romane bisher in der mir zugänglichen Literatur kaum herausgearbeitet zu sein scheint.</p>
<p style="text-align: justify;">Max von der Grün ist von Beginn an in die Entstehung des Films einbezogen und kann am Drehbuch mitwirken. So bleibt auch die Ich-Erzählperspektive aus Fohrmanns Blickrichtung erhalten. Der DDR-Fernsehdienst weist außerdem darauf hin, dass sich das „Kollektiv […] der Verantwortung bewusst ist“[29], die mit der Verfilmung eines solch brisanten Stoffes verbunden ist. Der Deutsche Fernsehfunk präsentiert sich selbst als „Heimstatt progressiver Dramatik“[30], die fortschrittlich und gewissenhaft auch westdeutschen Romanvorlagen die Möglichkeit einer Verfilmung einräumt.</p>
<p style="text-align: justify;">Von seiner formalen Anlage her ist Irrlicht und Feuer ein Fernsehfilm. Den Besonderheiten dieses Mediums wird Rechnung getragen. So verzichten die Regisseure auf Panoramaaufnahmen, da die Bildschirmgröße des Fernsehers eine solche Dimension nicht erlaubt. Ihrem Verständnis des Fernsehfilms nach ist die Schilderung von Details dafür umso wichtiger, um den privaten Charakter eines Fernsehfilms, der nicht in einem öffentlichen Raum wie einem Kino auf der Großleinwand präsentiert wird, sondern in der vertraulichen Atmosphäre deutscher Wohnzimmer zu sehen sein wird, zu erhalten.[31]</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„In Übereinstimmung mit seinen beiden Regisseuren erkennt Günther Simon spezifische Gesetzmäßigkeiten des Fernsehfilms an. ‚Mir erscheint dieser Film fernsehgerecht’, sagt er dazu, ‚denn wir erzählen vom Detail aus, und wir haben uns eingestimmt auf den intimen Charakter des Bildschirmerlebnisses. Das ist zum Beispiel wichtig für die Diktion der Ich-Erzählung Jürgen Fohrmanns. Ich spreche diese Partien bewußt zu einem einzelnen Partner. Ihm allein erzähle ich meine Geschichte, vor ihm breite ich meine Gedanken und Zweifel aus, ganz privat, so als ob ich mit ihm an einem Tisch säße.’“[32]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Die Premiere von Irrlicht und Feuer in der DDR findet am 21. und 23. August 1966 statt. Das Neue Deutschland, zentrales Presseorgan der DDR, titelt am 24. August 1966: „Klassenbruder an der Ruhr: ‚Irrlicht und Feuer’ – ein hervorragender Fernsehfilm“[33] und lobt den Film in den höchsten Tönen. Einen Tag zuvor hat das Neue Deutschland in einem Artikel, der eine ganze Seite füllt, unter dem Titel „Blick hinter die Fassade“ bereits erste Lesermeinungen zu Irrlicht und Feuer veröffentlicht, die alle ausnahmslos den Film loben.[34]</p>
<p style="text-align: justify;">Nach einem Überblick über die formale Anlage und die Reaktionen auf den Film in Ostdeutschland wird jetzt ein kurzer Vergleich zwischen Film und Romanvorlage vorgenommen</p>
<h4 style="text-align: justify;">4.2. Irrlicht und Feuer: Vergleich von Buch und Film</h4>
<p style="text-align: justify;"><strong>4.2.1. Allgemeine Informationen</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Irrlicht und Feuer ist der Anlage nach noch immer aus der Erzählposition Jürgen Fohrmanns heraus gestaltet. An seinem Werdegang orientiert sich die filmische Inszenierung formal und inhaltlich. Insgesamt lässt sich feststellen, dass Bengsch den Roman minutiös praktisch Seite für Seite umblättert, Episode für Episode nachfolgen lässt. Allerdings zeigt sich in der erzählerischen Anlage des Films auch eine gewisse Straffung der Geschichte. Um die Romanvorlage anzupassen, sind einige Szenen umgestellt oder fallen ganz heraus, wie z.B. die Vorgeschichte von Frau Borowski. Zudem ist die Romanvorlage von 1963 auf das Jahr 1966 aktualisiert worden, da die Kohlenkrise im Ruhrgebiet immer größere Ausmaße annimmt und der Film so weitere Brisanz erhält. Wichtigster Einschnitt auf inhaltlicher Ebene ist aber vor allem die Entscheidung, Irrlicht und Feuer als zweiteiligen Film zu gestalten, wodurch jeder Teil für sich eine besondere thematische Akzentuierung erhält.</p>
<p style="text-align: justify;">Im ersten Teil von Irrlicht und Feuer lernt der Zuschauer Fohrmann und seine Arbeit kennen, erlebt die Geschichte mit Irene, begleitet ihn unter Tage, sieht dort eindrucksvoll den Arbeitsalltag der Kumpel vor Ort, nimmt Anteil an den Ehestreitigkeiten und dem Konsumdenken von Ingeborg, erlebt das Verhalten von Arbeitsgebern und Arbeitnehmervertretern sowie Fohrmanns Rede auf der Betriebsversammlung. Vor dem Zuschauer wird nach und nach dieselbe Vielschichtigkeit, die die Romanvorlage zu bieten hat, auch im Film ausgebreitet. Der Zuschauer nimmt schließlich mit Fohrmann an Borowskis Schicksal und an dessen Beerdigung teil, ist bei der Demonstration vor Ort und erlebt den Unfall mit dem Panzerförderer. Der Film endet damit, dass Fohrmann auf der Zeche kündigt. Damit liegt im ersten Teil der Schwerpunkt deutlich auf Fohrmanns Lebens- und Arbeitsbedingungen.</p>
<p style="text-align: justify;">Der zweite Teil von Irrlicht und Feuer beginnt mit dem Vorstellungsgespräch in Fohrmanns alter Firma. Hier häufen sich die Themen, der zweite Teil erscheint insgesamt weniger rund als der erste Teil. Neben der Freude über die Waschmaschine und den Lottogewinn sowie dem Wunsch nach einem Kind, steht die neue Arbeit in der Deplasta-AG im Vordergrund. Hier wird die Entfremdung von Arbeit und Produkt auch durch die Sterilität der Räumlichkeiten ausgedrückt.</p>
<p style="text-align: justify;">Insgesamt bleibt anzumerken, dass sich das Drehbuch dicht an die Romanvorlage hält, jedoch auch nicht ohne Veränderungen auskommt. Drei dieser Änderungen werden nun näher beleuchtet.[35]</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>4.2.2. Der Vorspann</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Bezeichnend für den Film ist der Vorspann. Er beginnt mit der Einblendung eines Globus’, dazu wird die Melodie des Refrains der deutschen Nationalhymne gespielt. Beim Kehrvers „Blühe deutsches Vaterland“ wird das Bild eines Industriegebietes eingeblendet, das überblendet wird von Kampfbombern der BRD in Angriffsformation, die Melodie der Nationalhymne verfremdet sich zur Unkenntlichkeit. Mit einer Großaufnahme werden daraufhin der Bundesadler und Ludwig Erhard gezeigt, der im westdeutschen Bundestag eine Rede hält. Immer wieder tauchen Szenen aus der Dortmunder Innenstadt auf, wo Menschen in Hektik ihrem Einkauf nachgehen, während einige wenige gegen den Vietnamkrieg demonstrieren. Genau dieser Vorspann soll später Anlass zum Vorwurf der gefährlichen Propaganda sein.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>4.2.3. Die Figur Fritz Lehnertz</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Rolle des Fritz Lehnertz ist im Film stärker ausgebaut. Lehnertz, der dienstältere Kumpel, wird für Fohrmann zu einer Art Mentor, der viele Dinge gesehen hat und sie so anders beurteilt, als Fohrmann es in seinem jugendlichen Rebellentum tun würde. Lehnertz ist es, der auf der Betriebsversammlung eine zentrale Rolle einnimmt, der die Demonstration mit organisiert und der schließlich Partei für die Gewerkschaften ergreift. Das soll dem Film hinterher den Vorwurf einbringen, zu gewerkschaftsfreundlich zu sein.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>4.2.4. Das andere Ende</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Unmittelbar mit Fritz Lehnertz hängt auch das abgeänderte Ende des Films zusammen. Fohrmann trifft Lehnertz, der ihn auffordert, am nächsten Tag an einer weiteren Demonstration teilzunehmen. Lehnertz bemerkt, dass Fohrmann beginnt, seine Welt zu hinterfragen und dadurch zielloser zu werden: „Vielleicht ist auch bei dir die Kette aus der Führung gesprungen. Du fängst an zu fragen, ich merk’s schon lange. Aber frag nur, das hilft. Das ist gut.“[36] Anders als im Buch, wo Fohrmann sich in Träume über das Aufbegehren der Arbeiterschaft gegen die Irrlichter der Industrie flüchtet, bietet Lehnertz ihm nun eine Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. Fohrmann entschließt sich dafür, an der Demonstration teilzunehmen. Die Filmemacher gehen hier einen Schritt weiter, wollen „nicht nur Fakten nennen, nicht nur das wachsende Unbehagen der westdeutschen Arbeiter wiedergeben, sondern Wege zeigen, dessen Ursachen zu beseitigen.“[37] Schlussendlich sollen es in der Berichterstattung zum Film durch SWF/ARD aber nicht nur diese drei Punkte sein, denen vorgeworfen wird, sozialistische Propaganda gegen Westdeutschland zu beinhalten.</p>
<h4 style="text-align: justify;">4.3. Die Herbsttagung der Dortmunder Gruppe 61</h4>
<p style="text-align: justify;">Auf der Novembertagung der Dortmunder Gruppe 61 wird 1966 der Film zum ersten Mal einem westdeutschen Publikum vorgestellt. Anschließend haben die anwesenden Journalisten und Interessierten die Möglichkeit, Fragen an Max von der Grün und Gerhard Bengsch, der ebenfalls an der Tagung teilnimmt, zu stellen. Kurios ist jedoch, dass</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„der Film den ‚interministeriellen Ausschuß’, den alle Filme aus dem Ostblock durchlaufen müssen, noch nicht passiert [hat]. So entstand in Dortmund die groteske Situation, daß […] Fritz Hüser […] die eingeladenen Journalisten und Rundfunkleute aufforderte, keinesfalls über den Film zu schreiben sondern nur über die Diskussion. […] Im Scheinwerferlicht des bundesdeutschen Fernsehens wurde allgemein festgestellt, daß der Film sich genau an Max von der Grüns Vorlage hält […] und daß er sich im allgemeinen suggestiver Polemik enthält.“[38]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Gelobt wird in der anschließenden Diskussion vor allem die neu entstandene Klarheit und Flüssigkeit der Geschichte. Vor allem Fritz Lehnertz bringe Struktur in den Film.[39] Ansonsten gehen die Meinungen weit auseinander, was den einen zu kritisch anmutet, ist den anderen nicht kritisch genug. Insbesondere die Rolle der Gewerkschaften wird diskutiert. Von der Grün gibt zu, dass ihm der Film insgesamt vor allem durch die Figur Fritz Lehnertz zu gewerkschaftsfreundlich ist.[40]</p>
<p style="text-align: justify;">Regisseur Thiel gibt an: „Wir hoffen, mit diesem Film auch zu dem Gespräch zwischen den Menschen im Osten und Westen Deutschlands einen guten Beitrag zu leisten.“[41] Wie dieses Gesprächsangebot im Westen aufgefasst wird und wie der Film schließlich dem westdeutschen Publikum präsentiert wird, wird Thema des nächsten Punktes sein.</p>
<h3 style="text-align: justify;">5. Aspekte der medialen Aufbereitung</h3>
<h4 style="text-align: justify;">5.1. „Das Experiment“ – Berichterstattung durch SWF/ARD</h4>
<p style="text-align: justify;">Am 17. und 18. Juni 1968, also zwei Jahre nach der Erstausstrahlung in der DDR, findet Irrlicht und Feuer nun auch seinen Weg in das westdeutsche Fernsehen, was allerdings mit Hürden verbunden ist, zumal SWF/ARD den Film nicht unkommentiert stehen lassen. Schon im Vorfeld wird der Sendetermin von der Dortmunder Gruppe 61 heftig kritisiert. Man sieht darin eine gewollte Propaganda durch SWF/ARD, da es sich um den Tag der deutschen Einheit handelt.[42] Im folgenden Teil sollen die Aspekte der medialen Aufbereitung rund um den Fernsehfilm dargelegt werden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>5.1.1. Moderation</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Günter Gaus moderiert die Filmteile jeweils an und ab, führt die Zuschauer in die Dokumentationsteile ein und setzt „die politischen Akzente“.[43] Außerdem scheint es einer Rechtfertigung zu bedürfen, dass SWF/ARD den Film in das Programm aufgenommen haben, denn Gaus begründet die Entscheidung im Vorfeld. Er geht auf den Erfolg von Irrlicht und Feuer in der DDR ein und weist darauf hin, dass es wichtig ist, den Film auch in Westdeutschland zu zeigen, damit der Westen sich klar werden kann über die Denkvorstellungen und Klischees, die die Landsleute in der DDR außerhalb politischer Sendungen in Unterhaltungssendungen vermittelt bekommen.</p>
<p style="text-align: justify;">Am Ende des ersten Teils kommentiert Gaus das soeben Gesehene und stellt die Frage, ob das Spiegelbild der Verhältnisse in der BRD mit den realen Verhältnissen übereinstimmt. Daher senden SWF/ARD im Anschluss an jeden der beiden Teile eine Dokumentation, um das „Fernsehexperiment“[44] auf seinen Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Sinngemäß sagt Gaus, dass, selbst wenn in Einzelheiten nachgewiesen wird, dass der Film Ausschnitte des Lebens an der Ruhr sachlich inkorrekt dargestellt hat, dass dies dann immer noch nicht der Beweis dafür ist, dass der ganze Film die Situation verfälscht.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die Summe der Einzelheiten ist niemals die Wahrheit, aber die Wahrheit setzt sich aus Einzelheiten zusammen.“[45]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Genau von diesem Standpunkt aus starten SWF/ARD nun den Versuch, Vorwürfe gegen die BRD aufzuarbeiten, und – wenn möglich – zu widerlegen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>5.1.2. Rosts Dokumentation zum Wahrheitsgehalt</strong></p>
<p style="text-align: justify;">In geradezu pedantischer Manier untersucht Peter Rost den Wahrheitsgehalt des Films an insgesamt fünf Vorwürfen, die er aus dem DDR-Film extrahiert hat. Didaktisch ist diese Untersuchung gut aufgearbeitet, zuerst wird der betreffende Filmausschnitt gezeigt, dann wird der Vorwurf formuliert und anschließend wird mit Expertenbefragungen und Interviews von Betroffenen der Vorwurf zu entkräften versucht.</p>
<p style="text-align: justify;">Anhand der Szene mit dem Kohlenhobel und der Betriebsversammlung konstatiert Rost den Vorwurf: „Bergleute müssen als Versuchskaninchen für neue Maschinen herhalten. Kommt es dabei zu Unfällen, dann geschieht nichts.“[46] Rost führt durch Szenen aus einer anderen Zeche den Beweis an, dass eine solche Situation faktisch nicht vorkommen kann, da die hohen Sicherheitsvorschriften eine ständige Kontrolle durch Gewerkschaften, Zechen, Betriebsräte, Berufsgenossenschaften und der Bergbehörde verlangen. Jeder Unfall müsse gemeldet und untersucht werden. Es sei zwar nicht zu leugnen, dass der Bergbau Risiken für schwere Unfälle birgt, aber man tue alles, um sie zu verhindern. Wissenschaftliche Versuche mit Vorrichtungen gegen Schlagwetter sollen das noch untermauern. Außerdem spricht Rost mit drei Bergleuten, die an einem Panzerförderer arbeiten. Sie geben an, unter den in Irrlicht und Feuer geschilderten Bedingungen das Einfahren zu verweigern. Damit erscheint die in Irrlicht und Feuer aufgestellte Behauptung für den Zuschauer wie eine Lüge.</p>
<p style="text-align: justify;">Der nächste Vorwurf betrifft die Szene mit der Beantragung der Rente für Karl Borowski. „Die Rente für einen ehemaligen KZ-Häftling wird von der Behörde nur als Gnade gewährt.“[47] Dem wird der Fall eines ehemaligen KZ-Häftlings gegenübergestellt. Rost geht auf die Voraussetzung für eine derartige Zahlung ein. Außerdem wird ein Anwalt befragt, der die bisherige Handhabung der Entschädigungsangelegenheiten beurteilen soll. Er geht darauf ein, dass der Paragraphenweg oftmals zu langwierig ist, ist aber der Meinung, dass etwa 60% der Urteile in Ordnung sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Rost stellt als nächstes die Demonstrationsszene zur Diskussion.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die Polizei bedroht streikende Bergleute, die aus Angst um ihre Zukunft demonstrieren, mit massiven Kampfmitteln, sie droht Entlassungen an. Gab es so etwas anlässlich eines Streiks?“[48]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Nach Rost sind die Demonstrationen im Ruhrgebiet immer friedlich verlaufen. Außerdem kommentiert Günter Gaus diese Szene. Er geht darauf ein, dass die Polizei nicht im Auftrag der Zechenleitung mit Kündigungen drohen darf. Einschränkend weist er aber auch darauf hin, dass im Zuge der Studentenunruhen die Polizei hat eingreifen müssen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Ein Bergmann hat sein Leben lang hart gearbeitet, ein Unfall machte ihn berufsunfähig. Er muss jede sich ihm bietende Arbeit annehmen, um existieren zu können.“[49]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Diesen Vorwurf macht Rost an der Person Fritz Lehnertz fest, dessen Unfallrente trotz seiner schweren Beinverletzung zum Lebensunterhalt nicht ausreicht, und er so als Pförtner arbeiten muss. Rost gibt hier Beispiele von drei Bergleuten, die ebenfalls im Dienst verunfallten. In zwei der drei Fälle reicht die Unfall- und Knappschaftsrente aus oder eine Umschulung wird genehmigt. Nur einer der vorgestellten Bergleute hat finanzielle Einbußen, weil er nicht erwerbsvermindert ist.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die Zechen können höhere Entschädigungsprämien bei Zechenstilllegungen herausholen, indem sie kurz vorher noch viel investieren. Sie verdienen also an Stilllegungen?“[50] </div></p>
<p style="text-align: justify;">Hier stellt Rost das Gesetzmodell vor und widerlegt, dass Investitionen aus dem letzten Jahr vor der Schließung allein in die Berechnung einfließen. Allerdings muss zugegeben werden, dass die vorgestellte Langenbrahm-AG aus Essen, die nach der Liquidation eine Immobiliengesellschaft ist, einen Wertzuwachs von über 100% für ihre Aktionäre verzeichnen konnte.</p>
<p style="text-align: justify;">Bei allen Untersuchungen scheint sich Rost an Details festzubeißen, den Film in seiner Gesamtheit betrachtet er nicht. Es wirkt, als seien die Vorwürfe an die BRD eine Erfindung der DDR, wobei unterzugehen, dass von der Grün diese Kritik schon im Roman formuliert hat. Günter Gaus dagegen kommentiert Rosts Dokumentation dahingehend, dass einige Aussagen des Films falsch und gezielt propagandistisch seien, während andere Vorwürfe durchaus lauter hätten erhoben werden können. Sicherlich könne auch die BRD gegen die DDR derartige Vorwürfe erheben. Heute wolle man sich aber selbst den Spiegel vorhalten.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>5.1.3. Travaglinis Untersuchung zum propagandistischen Gehalt</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Es folgt Travaglinis Untersuchung über die Methoden der SED, Propaganda in einem Film zu betreiben. Durch einen Zusammenschnitt einiger Filmszenen soll dem Publikum verdeutlicht werden, wie subversiv und schleichend die Propaganda in den Film eingebaut ist. Außerdem erklärt Travaglini anhand von Karikaturen die Rollenverteilung im Kapitalismus, wie sie sich für Marxisten darstellt. Demnach sind die Unternehmer die Bösewichte, die Arbeiter werden ausgebeutet und die Gewerkschaftler sind Helden und Verräter zugleich. Daran schließt sich das Bild der Unternehmer an, das nach Travaglini durch die SED vermittelt wird. Der gestörte Karl Borowski wird zum Ausdruck der marxistischen Ideologie, weil er die Unternehmer in eine Reihe mit Verbrechern stellt. Für Travaglini ist dies eine besonders geschickte Propaganda, da niemand annimmt, dass ein Verrückter agitieren kann. Dass das, was Karl Borowski den Unternehmern vorwirft, aber wortwörtlich aus dem Roman ins Drehbuch übernommen wurde, scheint Travaglini zu übersehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Außerdem untersucht Travaglini das Bild der Gewerkschaften und Betriebsräte, das seiner Beweisführung nach ebenfalls propagandistisch verfälscht wurde. Hier sieht er in einer (!) Szene eine Agitation im Bildaufbau, da der Mann, der seinen Betriebsrat lobend erwähnt, mit dem Rücken zur Kamera steht. Obwohl laut SED Gewerkschaften prinzipiell fortschrittliche Organisationen sind, was durch Lehnertz gezielt in den Film einfließt, sind die Gewerkschaftler im Westen korrupt und stehen unter der Bezahlung der Unternehmer. Zusätzlich analysiert Travaglini die Verführungskraft der Konsumwelt, die laut SED-Propaganda den Arbeiter von seinem revolutionären Auftrag abhält. Er hält die Tatsache, dass Fohrmanns materialistisch eingestellte Ehefrau schwarze Haare hat, während die kommunistisch geprägt Irene blond ist, für einen Ausdruck der gezielten Schwarzweißmalerei.[51]</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>5.1.4. Die Abstimmung im Essener Museum Folkwang</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Nach der Ausstrahlung des zweiten Teils senden SWF/ARD eine Abstimmung, die im Rahmen einer Vorabaufführung mit anschließender Podiumsdiskussion im Essener Museum Folkwang stattgefunden hat. An der Abstimmung wirken 230 Menschen aus dem Ruhrgebiet mit, die einen repräsentativen Querschnitt der Ruhrgebietsbevölkerung darstellen. An der Podiumsdiskussion nehmen Max von der Grün, die Hausfrau Wilma Stahl, das Vorstandmitglied einer Bergwerksgesellschaft Hr. Schucht, der Betriebsratsvorsitzende Hr. Bartel und Hr. Alker von der Industriegewerkschaft Bergbau und Energie teil. Wie sich im Verlauf der Diskussion herausstellt, hat von der Grün damit eine geschlossene Front gegen sich.[52] Es wird die erste Frage „Der Film zeigt die Welt des Bergmanns, die Welt also, in der Sie alle leben. Stimmt nach Ihrer Meinung der Film im Großen und Ganzen mit der Wirklichkeit überein: ja oder nein?“[53] diskutiert. Außer von der Grün sind alle Diskussionsteilnehmer der Ansicht, dass dies nicht der Fall ist. Vielmehr könne man nicht alle Bergleute über einen Kamm scheren. Schucht ist der Meinung, im Film werde eine soziologische und gesellschaftspolitische Wirklichkeit gezeigt, deren Grundtendenz von Trostlosigkeit geprägt ist. Auch Alker vertritt die Ansicht, dass es derart unterdrückt Bergarbeiter heute nicht mehr gibt. Von der Grün dagegen fordert dazu auf, den Film als Kunstwerk zu begreifen und die Frage zu stellen, ob er der Wirklichkeit nahe kommt. Von der Grün bejaht dies, zumal er den Drehbuchautor beraten hat. Das Publikum hat dann die Möglichkeit, über ein Voltmeter die Frage mit „ja“ oder „nein“ zu beantworten. Das Ergebnis: 47% ja, 48% nein, 5% unentschieden.</p>
<p style="text-align: justify;">Auf die Frage „Wird in diesem Film Propaganda gegen die BRD gemacht?“[54] sind alle außer von der Grün der Ansicht, dass Propaganda deutlich zu erkennen ist Insbesondere der Vorspann berge gefährliche Tendenzen. Von der Grün verteidigt erneut seine Position. Der Film sei nicht von der SED, sondern von einer „freien Künstlergruppe“[55] gedreht worden. Von der Grün zeigt sich nicht erstaunt darüber, dass alle anderen Propaganda sehen, weil sie alle eine Interessengruppe zu vertreten und damit die dort vorherrschende Meinung zu kommunizieren haben. Das Publikum stimmt folgendermaßen ab: 79% ja, 20% nein, 1% unentschieden.</p>
<p style="text-align: justify;">Bei der Frage „Werden die Kumpel auf der Zeche auch in Wirklichkeit so von oben herab behandelt, wie der Film behauptet?“[56] tut sich vor allem die fachkundige Hausfrau Wilma Stahl hervor. Sie geht darauf ein, dass der Ton rau aber herzlich ist. Schließlich seien die Leute heute durch Funk und Fernsehen so aufgeklärt, dass sie sich eine solche Behandlung nicht mehr bieten lassen. Das Befragungsergebnis: 41% ja , 50% nein, 9% unentschieden.</p>
<p style="text-align: justify;">„Tun Gewerkschaft und Betriebsrat so wenig für den Bergmann, wie der Film behauptet?“[57] So lautet die vorletzte Frage. Schucht und Alker sind beide der Ansicht, dass die Gewerkschaften gerade in Zeiten der Krise viel für die Arbeiter getan haben. Vielmehr sei es von der Grün, der schon seit fünf Jahren nicht mehr im Beruf ist und der daher die Situation nicht beurteilen kann. Das Ergebnis: 25% ja, 63% nein, 12% unentschieden. Von der Grün geht an diesem Punkt dazwischen. Er bezweifelt die Aussagekraft der Ergebnisse, da er nicht davon ausgeht, dass eine Hausfrau oder eine Stenotypistin bei Hoesch die Verhältnisse korrekt beurteilen kann. Aus dem Publikum ertönt Applaus.</p>
<p style="text-align: justify;">Die letzte Frage „Dieser Film behauptet, der westdeutsche Arbeiter kämpft nur um mehr Lohn, andere politische Ziele habe er nicht. Stimmt dieser Vorwurf?“[58] wirkt bereits in ihrer Formulierung äußerst suggestiv. Daher wendet von der Grün ein, dass der Film diese Behauptung niemals aufgestellt hat. Die anderen Teilnehmer sind aber der Ansicht, dass der Arbeiter sich durch den errungenen Wohlstand ablenken lässt. Das Abstimmungsergebnis: 32% ja, 64% nein, 4% unentschieden.</p>
<p style="text-align: justify;">„Die Befragung geht von der falschen Voraussetzung aus, daß ein Bevölkerungsquerschnitt des Ruhrgebiets sich kompetent zu den Arbeits- und Lebensbedingungen der Bergarbeiter äußern könnte. Sie verkennt die ghettoartige Abgeschlossenheit zahlreicher Wohnsiedlungen der Bergarbeiter, erst recht aber die Informationssperren, die betriebliche Vorgänge und Strukturen vor dem Zugriff der Öffentlichkeit abschirmen. Außerdem ist der suggestive Charakter der Fragen […] unverkennbar: Eine Antwort im Sinne der Befragenden wird den Befragten förmlich in den Mund gelegt.[59]</p>
<p style="text-align: justify;">Anschließend werden die Ergebnisse durch Günter Gaus noch einmal publikumsgerecht ausgelegt. Gaus wertet die Befragung als „staatspolitisch tragbares Ergebnis“[60], es sei offensichtlich, dass die Befragten Vertrauen in die BRD setzen, deren System die Voraussetzung bietet, eine „offene, wandlungsfähige Gesellschaft“[61] zu schaffen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>5.1.5. Interview mit Max von der Grün</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Schließlich hat Max von der Grün die Möglichkeit, in einem Interview mit Günter Gaus noch einmal zu Wort zu kommen. Von der Grün geht erneut auf die falsche empirische Grundlage der Befragung in Essen ein. Er verdeutlicht seine Standpunkte in Bezug auf die Kritik, die der Film äußert, und bestätigt, dass er sich mit dem Film identifiziert. Von der Grün ist der Ansicht, dass das, was im Betrieb exerziert wird, immer Einfluss auf die Gesellschaft haben wird:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Ein Arbeiter, der im Betrieb nur das Gehorchen gelernt hat, wird auch in der Gesellschaft nur gehorchen.“[62]</div></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>5.1.6. Günter Gaus’ Abschlussauswertung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Nach Gaus haben die Dokumentationsteile den Beweis erbracht, dass die BRD gar nicht so schlecht dasteht, wie es viele Kritiker „hier und außerhalb“[63] behaupten. Stattdessen spricht er der BRD das Kompliment aus, ein System geschaffen zu haben, das sich selbst kritisieren kann. Laut Gaus ist das schlimmste Übel in der BRD die Selbstgerechtigkeit und wenn der Film geholfen hat, diese Selbstgerechtigkeit in Zweifel an der eigenen Sache zu verwandeln, dann hat sich das Experiment mit allen Risiken gelohnt. Dann hat es sich gelohnt, den Versuch zu unternehmen, ein Bild von dem Bild zu vermitteln, das jenseits der Zonengrenze von der BRD gezeigt wird, und dieses Bild „nüchtern, vorurteilsfrei und mit der Souveränität eines Mündigen“[64] zu untersuchen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">6. Fazit</h3>
<p style="text-align: justify;">Gaus plädiert in seiner Abschlussauswertung dafür, den Film „nüchtern, vorurteilsfrei und mit der Souveränität eines Mündigen“ zu beurteilen. Dies ist meiner Meinung nach angesichts der medialen Aufbereitung kaum mehr möglich, denn der „mündige“ Zuschauer wird mit der Meinungsbildung nicht allein gelassen. Im Mittelpunkt der Diskussion steht immer wieder die Frage, inwieweit der ostdeutsche Film mit der westdeutschen Wirklichkeit übereinstimmt und was an diesem Film Propaganda der SED sein könnte. Während sich Peter Rosts Dokumentation auf Einzelheiten stürzt, lässt sie dabei die Gesamtaussage des Films völlig außer Acht. Die Abstimmung gerät mit ihren Suggestivfragen zu einer Farce, denn auch hier ist eine eigene Meinungsbildung im Publikum nur vorgetäuscht. Zentrale Inhalte des Films kommen in der Diskussion zu kurz. Das wesentliche Thema der Entfremdung wird überhaupt nicht behandelt, obwohl gerade hier so viele Fragen aufgeworfen werden, die keine Beantwortung finden.</p>
<p style="text-align: justify;">Travaglini, der die Propaganda der DDR beurteilt, benutzt in seinem Dokumentarteil ebenfalls Tendenzen und agitiert gegen die (angebliche) DDR-Propaganda. Fast klischeehaft arbeitet er genau die Musterthemen ab, bei denen man auch Propaganda erwarten würde. Dabei kritisiert er z. T. Dialoge als von der SED gewollte Propaganda, obwohl genau diese Dialoge wortwörtlich auch im Buch zu finden sind. Schlecht recherchiert? Dies zu beurteilen, übersteigt meine Möglichkeiten.</p>
<p style="text-align: justify;">Sicherlich hat es auch mit der Situation zu tun, dass der DDR per se Misstrauen entgegen gebracht wird, was in Teilen sicherlich auch angebracht ist. Eine gesunde Distanz sollte meiner Ansicht nach prinzipiell allen Teilen des „Experiments“ entgegengebracht werden, da oft der Eindruck entsteht, dass im westdeutschen „dritten Teil zu Irrlicht und Feuer“ mehr Propaganda gemacht wird, als im eigentlichen Film. Ohne diese Kommentierung wäre es Gaus kaum möglich gewesen, den Film zu zeigen. Die Ostberliner Filmemacher hätten sich den angestrebten Dialog sicherlich auch anders vorstellen können. Sicherlich, der Film ist ein Politikum. Propaganda oder nicht, darüber lässt sich streiten. Unbestreitbar bleibt aber: Irrlicht und Feuer ist ein unbequemer Film, der genug Zündstoff für weitere Diskussionen bietet. Dennoch stimmt es rückblickend nachdenklich, was da für ein Aufwand getrieben wurde, um den ostdeutschen Fernsehfilm dem westdeutschen Publikum zugänglich zu machen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">7. Quellen</h3>
<p style="text-align: justify;"><strong>Primärquellen:</strong></p>
<p>Von der Grün, Max (1965): Irrlicht und Feuer. Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag [Ausgabe für die Deutsche Demokratische Republik mit Genehmigung des Paulus Verlages Recklinghausen].<br />
Fernsehfilm Irrlicht und Feuer + Dokumentationen zum Fernsehfilm<br />
Sammlung von Zeitungsausschnitten und Materialien zu Max von der Grün. Fritz-Hüser-Institut: Max von der Grün, Grü-114. Dortmund.<br />
Material zur Herbsttagung. Fritz-Hüser-Institut: DG 61, 502-276. Dortmund.<br />
Materialiensammlung zu Max von der Grün. Fritz-Hüser-Institut: Max von der Grün, Grü-119. Dortmund.<br />
Zeitschriftenausschnittssammlung zu Max von der Grün. Fritz-Hüser-Institut: DG 61, 502-100. Dortmund.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Sekundärliteratur:</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Arnold, Heinz Ludwig (Hrsg.) (1971): Gruppe 61. Arbeiterliteratur – Literatur der Arbeitswelt. München, Stuttgart und Hannover: Edition Text + Kritik, Richard Boorberg Verlag.<br />
Arnold, Heinz Ludwig (Hrsg.) (1977): Handbuch zur deutschen Arbeiterliteratur. Bibliographie. München, Stuttgart und Hannover: Edition Text + Kritik, Richard Boorberg Verlag.<br />
Dithmar, Reinhard (1973): Industrieliteratur. München: dtv.<br />
Gerlach, Ingeborg (1974); Bitterfeld. Arbeiterliteratur und Literatur der Arbeitswelt in der DDR. Skripten Literatur + Sprache + Didaktik. Kronberg Taunus: Scriptor-Verlag.<br />
Greiner, Bernhard (1974): Von der Allegorie zur Idylle: Die Literatur der Arbeitswelt in der DDR. Heidelberg: Quellen und Meyer.<br />
Hüser, Fritz / von der Grün, Max (Hrsg.) (1966): Aus der Welt der Arbeit. Almanach der Gruppe 61 und ihrer Gäste. Neuwied und Berlin: Luchterhand.<br />
Kühne, Peter (1971): Arbeiterliteratur 1960-1970. Arbeitshypothesen der Dortmunder Gruppe 61. Inauguraldissertation zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Sozialwissenschaft der Abteilung für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Bochum: Verlag o. A.<br />
Ludwig, Martin H. (1976): Arbeiterliteratur in Deutschland. Stuttgart: Metzler. 1. Auflage.<br />
Schonauer, Franz (1978): Max von der Grün. München: Verlag C.H. Beck<br />
Stieg, Gerald / Witte, Bernd (1973): Abriß einer Geschichte der deutschen Arbeiterliteratur. Materialien und Untersuchungen zur Literatursoziologie. Stuttgart: Klett. 1. Auflage.<br />
Weimann, Gunther (1984): Max von der Grün: Arbeiterliteratur und Arbeiteralltag. Eine Untersuchung der Romane „Irrlicht und Feuer“, „Zwei Briefe an Pospischiel“ und „Stellenweise Glatteis“. Washington University: Verlag o. A.<br />
Wölke, Gabriele (1977): Arbeiterliteratur. Über den Versuch, die Arbeitswelt literarisch zu erfassen. In: Beiträge zur Gesellschafts- und Bildungspolitik. Institut der deutschen Wirtschaft 15, 3/1977. Köln: Deutscher Institutsverlag GmbH.<br />
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<h3 style="text-align: justify;">Anmerkungen</h3>
<p style="text-align: justify;">[1] Hüser, Fritz / von der Grün, Max (Hrsg.) (1966): Aus der Welt der Arbeit. Almanach der Gruppe 61 und ihrer Gäste. Neuwied und Berlin: Luchterhand. S. 24/25.<br />
[2] Hüser, Fritz / von der Grün, Max (Hrsg.) (1966): Aus der Welt der Arbeit. Almanach der Gruppe 61 und ihrer Gäste. Neuwied und Berlin: Luchterhand. S. 25.<br />
[3] Schonauer, Franz (1978): Max von der Grün. a. a. O., S. 74.<br />
[4] Schonauer, Franz (1978): Max von der Grün. a. a. O., S. 66.<br />
[5] Die Vita von der Grüns ist angelehnt an: Schonauer, Franz (1978): Max von der Grün. a. a. O. Im Rahmen dieser Arbeit ist es mir nicht möglich, den Lebenslauf detailliert darzustellen. Daher beschränke ich mich auf die für das Thema wichtigen Stationen.<br />
[6] Jens, Walter, zitiert nach: Schonauer, Franz (1978): Max von der Grün. München: a. a. O., S. 21.<br />
[7] Hüser, Fritz / von der Grün, Max (Hrsg.) (1966): Aus der Welt der Arbeit. Almanach der Gruppe 61 und ihrer Gäste. a. a. O., S. 27.<br />
[8] Hüser, Fritz / von der Grün, Max (Hrsg.) (1966): Aus der Welt der Arbeit. Almanach der Gruppe 61 und ihrer Gäste. a. a. O., S. 28.<br />
[9] Dithmar, Reinhard (1973): Industrieliteratur. München: dtv. S. 54.<br />
[10] Dithmar, Reinhard (1973): Industrieliteratur. a. a. O., S. 54.<br />
[11] von der Grün, Max, zitiert nach: Arnold, Heinz Ludwig (Hrsg.) (1971): Gruppe 61. Arbeiter-literatur – Literatur der Arbeitswelt. München, Stuttgart und Hannover: Edition Text + Kritik, Richard Boorberg Verlag. S. 15.<br />
[12] Wölke, Gabriele (1977): Arbeiterliteratur. Über den Versuch, die Arbeitswelt literarisch zu erfassen. In: Beiträge zur Gesellschafts- und Bildungspolitik. Institut der deutschen Wirtschaft 15, 3/1977. Köln: Deutscher Institutsverlag GmbH. S. 23.<br />
[13] Schonauer, Franz (1978): Max von der Grün. a. a. O., S. 71.<br />
[14] ebda<br />
[15] Es kann hier allerdings kein Anspruch auf Vollständigkeit bestehen. Vielmehr werden nur Themen näher erläutert, die Bezug auf die Verfilmung und die mediale Aufbereitung von Interesse sind!<br />
[16] Die folgenden Seitenangaben beziehen sich auf: Von der Grün, Max (1965): Irrlicht und Feuer. Berlin und Weimar: Aufbau-Verlag [Ausgabe für die Deutsche Demokratische Republik mit Genehmigung des Paulus Verlages Recklinghausen].<br />
[17] Von der Grün, Max: Mitbestimmung? Einmal anders gefragt. In: Arnold, Heinz Ludwig (Hrsg.) (1971): Gruppe 61. Arbeiterliteratur – Literatur der Arbeitswelt. a. a. O., S. 56/57<br />
[18] Stieg, Gerald / Witte, Bernd (1973): Abriß einer Geschichte der deutschen Arbeiterliteratur. Materialien und Untersuchungen zur Literatursoziologie. Stuttgart: Klett. 1. Auflage. S. 152.<br />
[19] Stieg, Gerald / Witte, Bernd (1973): Abriß einer Geschichte der deutschen Arbeiterliteratur. Materialien und Untersuchungen zur Literatursoziologie,. a. a. O., S. 154.<br />
[20] Weimann, Gunther (1984): Max von der Grün: Arbeiterliteratur und Arbeiteralltag. Eine Untersuchung der Romane „Irrlicht und Feuer“, „Zwei Briefe an Pospischiel“ und „Stellenweise Glatteis“. Washington University: Verlag o. A., S. 109/110.<br />
[21] Vgl. Greiner, Bernhard (1974): Von der Allegorie zur Idylle: Die Literatur der Arbeitswelt in der DDR. Heidelberg: Quellen und Meyer. S. 55.<br />
[22] Kühne, Peter (1971): Arbeiterliteratur 1960-1970. Arbeitshypothesen der Dortmunder Gruppe 61. Inauguraldissertation zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Sozialwissenschaft der Abteilung für Sozialwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum. Bochum: Verlag o. A., S. 110ff.<br />
[23] Arnold, Heinz Ludwig (Hrsg.) (1971): Gruppe 61. Arbeiterliteratur – Literatur der Arbeitswelt. A. a. O., S. 16.<br />
[24] Von der Grün, Max (1965): Irrlicht und Feuer. a. a. O., Klappentext.<br />
[25] Fernsehdienst. Informationen des Deutschen Fernsehfunks. Irrlicht und Feuer. DDR-Sonderausgabe. In: Sammlung von Zeitungsausschnitten und Materialien zu Max von der Grün. Fritz-Hüser-Institut: Max von der Grün, Grü-114. Dortmund. Anm.: Da ich diese Materialien nicht selbst recherchiert habe, übernehme ich die Archivierung des Fritz-Hüser-Instituts.<br />
[26] ebda<br />
[27] Schonauer, Franz (1978): Max von der Grün. a. a. O., S. 129/130.<br />
[28] Fernsehdienst. Informationen des Deutschen Fernsehfunks. Irrlicht und Feuer. DDR-Sonderausgabe, a .a .O.<br />
[29] ebda<br />
[30] ebda<br />
[31] ebda<br />
[32] ebda<br />
[33] ND vom 24. 8. 1966, In: Sammlung von Zeitungsausschnitten und Materialien zu Max von der Grün. Fritz-Hüser-Institut: Max von der Grün, Grü-114. a .a .O.<br />
[34] ND vom 23. 8. 1966, ebda<br />
[35] vgl. dazu: Material zur Herbsttagung. Fritz-Hüser-Institut: DG 61, 502-276. Dortmund.<br />
[36] Wie auch bereits die Ausführungen zuvor, bezieht sich dieses Zitat auf den Fernsehfilm Irrlicht und Feuer und die dazugehörigen Dokumentationen.<br />
[37] Dithmar, Reinhard (1973): Industrieliteratur. a. a. O., S. 61.<br />
[38] FAZ vom 23. 11. 1966. In: Sammlung von Zeitungsausschnitten und Materialien zu Max von der Grün. Fritz-Hüser-Institut: Max von der Grün, Grü-114. Dortmund.<br />
[39] vgl. dazu: Material zur Herbsttagung. Fritz-Hüser-Institut: DG 61, 502-276. Dortmund.<br />
[40] FAZ vom 23. 11. 1966. In: Sammlung von Zeitungsausschnitten und Materialien zu Max von der Grün. Fritz-Hüser-Institut: Max von der Grün, Grü-114. Dortmund.<br />
[41] Fernsehdienst. Informationen des Deutschen Fernsehfunks. Irrlicht und Feuer. DDR-Sonderausgabe, a .a .O.<br />
[42] Vgl. Ruhrnachrichten Nr. 92, In: Sammlung von Zeitungsausschnitten und Materialien zu Max von der Grün. Fritz-Hüser-Institut: Max von der Grün, Grü-114. Dortmund.<br />
[43] Fernsehfilm Irrlicht und + dazugehörige Dokumentationen.<br />
[44] Gaus, Günter: Fernsehfilm Irrlicht und + dazugehörige Dokumentationen.<br />
[45] ebda<br />
[46] Fernsehfilm Irrlicht und Feuer + dazugehörige Dokumentationen.<br />
[47] ebda<br />
[48] ebda<br />
[49] ebda<br />
[50] ebda<br />
[51] ebda<br />
[52] vgl. Kühne, Peter (1971): Arbeiterliteratur 1960-1970. Arbeitshypothesen der Dortmunder Gruppe 61. a. a. O. S. 124.<br />
[53] Fernsehfilm Irrlicht und + dazugehörige Dokumentationen.<br />
[54] ebda<br />
[55] ebda<br />
[56] ebda<br />
[57] ebda<br />
[58] ebda<br />
[59] Kühne, Peter (1971): Arbeiterliteratur 1960-1970. Arbeitshypothesen der Dortmunder Gruppe 61. a. a. O. S. 124<br />
[60] Fernsehfilm Irrlicht und + dazugehörige Dokumentationen.<br />
[61] ebda<br />
[62] ebda<br />
[63] ebda<br />
[64] ebda</p>
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		<title>Investigativer Journalismus: Methode und Presse-Ethik</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 13:54:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>admin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Expliziert am Beispiel von Wallraffs Rollenreportagen &#8220;Der Aufmacher&#8221; und &#8220;Ganz unten&#8221; Anhand der Gegenüberstellung von Täter- und Opferrolle. Diese Arbeit konzentriert sich auf die Methode der Rollenreportage als Aspekt des investigativen Journalismus und auf die damit verbundenen presse-ethischen Implikationen. Ziel ist es, Aspekte des investigativen Journalismus im Hinblick auf die Möglichkeiten und Probleme von Rollenreportagen aufzuzeigen und sie vor dem Hintergrund des Pressekodexes zu erörtern. Im Mittelpunkt werden exemplarisch zwei Reportagen Günter Wallraffs bezüglich der dort angelegten Rollen diskutiert. Wallraff [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3 style="text-align: justify;">Expliziert am Beispiel von Wallraffs Rollenreportagen &#8220;Der Aufmacher&#8221; und &#8220;Ganz unten&#8221;</h3>
<p style="text-align: justify;"><strong>Anhand der Gegenüberstellung von Täter- und Opferrolle.</strong></p>
<p style="text-align: left;"><a title="Infos zu Creative Commons Lizenzierungen" href="http://creativecommons.org/licenses/" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-1876" title="Creative Commons Nutzungsbedinungen" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/cc.png" alt="" width="19" height="19" /></a><img class="alignnone size-full wp-image-1875" title="Namensnennung" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/by.png" alt="" width="19" height="19" /><img class="alignnone size-full wp-image-1877" title="Nicht-kommerzielle Nutzung" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/nc-eu.png" alt="" width="19" height="19" /><img class="alignnone size-full wp-image-1879" title="Keine Bearbeitung" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/nd.png" alt="" width="19" height="19" /><img class="alignnone size-full wp-image-1878" title="Weitergabe unter gleichen Bedingungen" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/sa.png" alt="" width="19" height="19" /></p>
<p style="text-align: justify;">Diese Arbeit konzentriert sich auf die Methode der Rollenreportage als Aspekt des investigativen Journalismus und auf die damit verbundenen presse-ethischen Implikationen. Ziel ist es, Aspekte des investigativen Journalismus im Hinblick auf die Möglichkeiten und Probleme von Rollenreportagen aufzuzeigen und sie vor dem Hintergrund des Pressekodexes zu erörtern. Im Mittelpunkt werden exemplarisch zwei Reportagen Günter Wallraffs bezüglich der dort angelegten Rollen diskutiert.</p>
<div class="mceTemp mceIEcenter" style="text-align: center;">
<dl id="attachment_1726" class="wp-caption aligncenter" style="width: 440px;">
<dt class="wp-caption-dt"><img class="size-full wp-image-1726" title="Wallraff und der Pressekodex" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/12/wallraff_grafik.gif" alt="" width="430" height="281" /></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Wallraff und der Pressekodex in der Diskussion (eigene Darstellung)</dd>
</dl>
</div>
<h3 style="text-align: justify;">1. Einleitung</h3>
<p style="text-align: justify;">Diese Arbeit konzentriert sich auf die Methode der Rollenreportage als Aspekt des investigativen Journalismus und auf die damit verbundenen presse-ethischen Implikationen. Ziel ist es, Aspekte des investigativen Journalismus im Hinblick auf die Möglichkeiten und Probleme von Rollenreportagen aufzuzeigen und sie vor dem Hintergrund des Pressekodexes zu erörtern. Im Mittelpunkt werden exemplarisch zwei Reportagen Günter Wallraffs bezüglich der dort angelegten Rollen diskutiert.</p>
<p style="text-align: justify;">Im ersten Schritt werden einige Grundlagen zum investigativen Journalismus (2) erarbeitet. Neben der Begriffsdefinition (2.1) und Wallraffs Auffassung zum investigativen Journalismus (2.2) werden eine Theorie zur Reportage (2.3) sowie Wallraffs Methodik (2.4) erläutert. An dieser Stelle wird ebenfalls Wallraffs Auffassung seiner eigenen journalistischen Tätigkeit zu klären sein. Es muss die Frage beantwortet werden, welche Motive Wallraff bei seiner Arbeit antreiben und womit er seine Mittel rechtfertigt.</p>
<p style="text-align: justify;">Aufgrund dieser erarbeiteten Basis kann nun die Rollenreportage als Aspekt des investigativen Journalismus am Beispiel von Günter Wallraffs Rollenreportagen (3) erläutert werden. Wegen des Themenschwerpunkts, der bei dieser Arbeit auf Täter- bzw. Opferrolle in investigativen Rollenreportagen liegt, soll der Fokus auf zwei ausgesuchten Reportagen gerichtet werden, die den Aspekt der Rollenreportagen und deren Funktionen sowie ihre medien-ethischen Probleme für den investigativen Journalismus aufzeigen. Zuerst wird mit der Reportage „Günter Wallraff – der Mann, der Hans Esser war“ der Aspekt der Täterrolle (3.1) aufgegriffen. Wallraff schlüpft hier in die Rolle eines Bildzeitungsreporters und deckt so als „Täter“ die Machenschaften der Bildzeitung auf. Dem gegenüber steht die Reportage „Ganz unten“, in der sich Wallraff in der Opferrolle (3.2) des Türken Ali befindet, der unter anderem als Leiharbeiter seine Arbeitskraft verkauft.</p>
<p style="text-align: justify;">Nach der Vorstellung der Vorgehensweise und der Recherchemethoden Wallraffs muss es in einem abschließenden Fazit (4) darum gehen, die presse-ethischen Aspekte des investigativen Journalismus anhand der vorgestellten Reportagen aufzuarbeiten und die Konsequenzen für Wallraffs Methodik im Rückgriff auf dem Pressekodex aufzuzeigen.</p>
<h3 style="text-align: justify;">2. Investigativer Journalismus</h3>
<h4 style="text-align: justify;">2.1. Zum Begriff</h4>
<p style="text-align: justify;">Mit dem Namen Günter Wallraff ist unweigerlich auch der Begriff des investigativen Journalisten verbunden. Aber was ist eigentlich investigativer Journalismus und welche Inhalte sind damit verbunden? Genau dies gilt es zunächst zu klären. Das Bertelsmann-Lexikon definiert den Begriff Journalismus folgendermaßen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Journalismus, […] als Beruf von Journalisten ausgeübte (Tages-) Schriftstellerei u. (oder) publizistische Gestaltung, Redaktion im Dienst von Presse, Hörfunk, Fernsehen u. Film. Der J. wurde im 19. Jh. zu seiner modernen Form entwickelt; er verlangt vom Journalisten die Fähigkeit, schnell, aktuell, verständl. u publikumswirksam zu schreiben, wobei die Maßstäbe von Gründlichkeit u. Wahrhaftigkeit nicht verletzt werden dürfen.“[1]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Diese Definition nähert sich einem, wie ich es nennen möchte, Tagesgeschäft-Journalismus an. Wie unterscheidet sich diese Art von Tagesgeschäft-Journalismus denn nun von einem investigativen Journalismus? Laut Fremdwörterduden meint investigativ erst einmal soviel wie „nachforschend, enthüllend, aufdeckend“[2]. In einer ersten, zugegebenermaßen doch sehr dem Alltagswissen entsprechenden Definition soll investigativer Journalismus als Enthüllungsjournalismus definiert werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Um diesen Begriff noch konkreter zu umreißen und weiter mit Inhalten zu füllen, erweist es sich als nützlich, einige Kriterien anzuführen, die den investigativen Journalismus von einem Tagesgeschäft-Journalismus, so wie ihn das Bertelsmann-Lexikon beschreibt, unterscheiden. Johannes Ludwig (2002) definiert den investigativen Journalismus durch folgende drei Faktoren:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„1) Die Themen, die aufgegriffen werden, zeichnen sich durch soziale (politische, gesellschaftliche) Relevanz aus. Dies ergibt sich aus der öffentlichen Aufgabe der Medien. […] 2) Dem investigativen Journalisten, aber auch dem oder den Informanten, die ihn dabei direkt oder indirekt, aktiv oder passiv unterstützen, kommt eine aktive Rolle zu, denn die Recherchearbeit ist in der (Regel) dominanter und aufwändiger als bei anderen journalistischen (Recherche-) Tätigkeiten. […] 3) Die Recherchearbeit erfolgt (in der Regel) gegen Widerstände und Barrieren, denn an der Aufdeckung oder gar der Veröffentlichung hat die ‚Gegenseite’ kein Interesse.“[3]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Somit erfährt der Enthüllungsjournalismus eine wesentliche Abgrenzung von einem Tagesgeschäft-Journalismus. Zwar haben beide Formen den Anspruch, Themen von einer gewissen sozialen, gesellschaftlichen und/ oder politischen Wichtigkeit für ihr Publikum aufzugreifen. Das besagt ja auch bereits die Nachrichtenwert-Theorie. So versteht Lippman unter der Terminus Nachrichtenwert „(news value) die Publikationswürdigkeit von Ereignissen“[4], die mittels bestimmter Faktoren ermittelt werden kann:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Je mehr eine Meldung dem entspricht, was Journalisten für wichtige und mithin berichtenswerte Eigenschaften der Realität halten, desto größer ist ihr Nachrichtenwert.“[5]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Das gilt vor allem für den Tagesgeschäft-Journalismus, der ja, wie oben zitiert, eine gewisse Schnelligkeit von einem Journalisten fordert. Dies ist es wesentlicher Unterscheid zum investigativen Journalismus, wo es in erster Linie darum geht, Dinge zu enthüllen, die der Öffentlichkeit nicht so ohne weiteres zugänglich sind. Dies erfordert nach Ludwig eine in der Regel wesentlich zeitaufwändigere und arbeitsintensivere Recherchetätigkeit, als es im Tagesgeschäft-Journalismus der Fall ist.[6] Zudem ist gerade im investigativen Journalismus mit Gegenwehr derjenigen zu rechnen, die im Falle einer Veröffentlichung diskreditiert werden könnten.</p>
<p style="text-align: justify;">Eine besonders relevante Kernaussage, die für beide Formen des Journalismus gilt, ist jedoch die im Lexikonartikel angesprochene Verpflichtung auf „Gründlichkeit und Wahrhaftigkeit“[7], welche Gegenstand dieser Arbeit sein wird, wenn es im letzten Punkt darum geht, die presse-ethischen Aspekte des investigativen Journalismus näher zu beleuchten.</p>
<h4 style="text-align: justify;">2.2. Wallraffs investigativer Journalismus</h4>
<p style="text-align: justify;">Da sich die Analyse der methodischen und presse-ethischen Aspekte des investigativen Journalismus auf Günter Wallraffs Reportagen bezieht, ist es jetzt notwendig, den Begriff des investigativen Journalismus nicht nur in einer durch Ludwigs Kriterien konkretisierten Version zu diskutieren, sondern darüber hinaus Wallraffs eigene Auffassung von seiner journalistischer Tätigkeit zu klären. Was sind seine Motive? Warum und zu welchem Ende betreibt Wallraff Enthüllungsjournalismus? Was will er damit erreichen?</p>
<p style="text-align: justify;">In einem Gespräch mit Heinz Ludwig Arnold beschreibt sich Wallraff in seiner Situation als investigativer Journalist. Er sieht sein Tun als „Einzelkämpfertum, das sich nicht damit abfindet, was es sieht, sondern immer wieder den Finger auf den wunden Punkt legt […] und durch das Handeln betroffen und engagiert wird.“[8]</p>
<p style="text-align: justify;">Wallraffs Intention ist es, Missstände in Betrieben, in der Wirtschaft, im gesellschaftlichen Umfeld aufzudecken und die Öffentlichkeit medienwirksam darauf aufmerksam zu machen. Sein Verständnis von Literatur und Schriftstellerei beschreibt er dabei mit dem Anspruch, keine artifizielle Literatur produzieren zu wollen, die wenig mit der realen Wirklichkeit zu tun hat:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Nicht Literatur als Kunst, sondern Wirklichkeit! Die Wirklichkeit hat noch immer die größere und durchschlagendere Aussagekraft und Wirkungsmöglichkeit, ist für die Mehrheit der Bevölkerung erkennbar, nachvollziehbar und führt eher zu Konsequenzen als die Phantasie des Dichters.“[9]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Hier wird Wallraffs Selbstverständnis als investigativer Journalist und sein Anspruch an die von ihm veröffentlichten Reportagen deutlich. Er betont, dass seine Reportage eben keine erdichtete Literatur ist, sondern hat den journalistischen Anspruch, die Wirklichkeit, die „soziale Wahrheit“[10], zu beschreiben und kritisch zu reflektieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Damit zeigen sich in Wallraffs Konzeption von investigativem Journalismus und in seiner Auswahl von relevanten Themen Parallelen zu Egon Erwin Kisch:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die Orte und Erscheinungen, die er [der Reporter] beschreibt, die Versuche, die er anstellt, die Geschichte, deren Zeuge er ist, und die Quellen, die er aufsucht, müssen gar nicht so fern, gar nicht so selten und gar nicht so mühselig erreichbar sein, wenn er in einer Welt, die von der Lüge unermeßlich überschwemmt ist, wenn er in einer Welt, die vergessen will und darum bloß auf Unwahrheit ausgeht, die Hingabe an ein Objekt hat. Nichts ist verblüffender als die einfache Wahrheit, nichts ist phantasievoller als die Sachlichkeit. Und nicht Sensationelleres gibt es in der Welt als die Zeit, in der man lebt.“[11]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Wallraff ist der Ansicht, dass erst das Berichten über die Wirklichkeit für die breite Masse der Bevölkerung nachvollziehbar ist. Diese Nachvollziehbarkeit sorgt laut Wallraff dafür, dass die Bevölkerung Missstände erkennt und aktiv wird, um die Wirklichkeit zu verändern. Eine solche direkte Wirkungskraft spricht Wallraff dem Dichter und der ästhetisch-fiktiven Literatur ab.</p>
<p style="text-align: justify;">Warum und zu welchem Ende betreibt Wallraff nun also Enthüllungsjournalismus? Wallraff will weg von einer erdachten Literatur hin zu einem Wirklichkeitsbericht und hat als investigativer Journalist hier den Anspruch, Probleme aufzudecken und öffentlich zu machen. Wallraff betreibt Enthüllungsjournalismus aber nicht um des Enthüllungsjournalismus’ willen. Stattdessen hat er den Anspruch, mit seinen Reportagen etwas in den Menschen wachzurütteln und sie im zweiten Schritt zu Veränderungen zu bewegen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Dieses Wachrufen aus der längst hingenommenen Gewöhnung, das Aufstacheln des Willens zur Veränderung, diese Aufforderung zu konsequent-politischem Denken ist Voraussetzung für die Erkenntnis, daß dieses Denken nicht innerhalb der Literatur, sondern innerhalb der ganz und gar politisierten (und deshalb nur politisch anzugehenden) Wirklichkeit liegt und – wenn möglich – über die Änderung des Bewußtseins zur Veränderung der Gesellschaft führt.“[12]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Mit welchen Mitteln aber schafft es Wallraff, seine Absichten zu erfüllen? Diese Fragestellung steht im nun folgenden Teil im Mittelpunkt. Um sich ihrer Beantwortung zu nähern, muss zuerst der Begriff Reportage, der bereits mehrmals Verwendung gefunden hat, geklärt werden. Diese Informationen ermöglichen dann den konkreten Blick auf Wallraffs spezifische Methoden.</p>
<h4 style="text-align: justify;">2.3. Die Reportage</h4>
<p style="text-align: justify;">Wallraff hat die Form der Reportage gewählt, um seine Investigationen zu veröffentlichen. Was ist denn nun eine Reportage und warum ist sie für Wallraffs Zwecke so gut geeignet? Dies gilt es, jetzt zu klären. Im ersten Schritt geht es darum, Form und Wesen der Reportage zu definieren. Im zweiten Schritt muss die Funktion der Reportage für Wallraff näher erläutert werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Reportage ist eine bestimmte Form des journalistischen Berichtserstattens. Siegfried Kracauer bringt dies folgendermaßen zum Ausdruck: „Die Reportage fotografiert das Leben.“[13] Die Reportage bzw. der Bericht erhebt dabei den Anspruch, die Wirklichkeit in Zahlen, Daten und Fakten abzubilden und zu dokumentieren. So ist die Reportage die Textform, in der das recherchierte Material für das Publikum aufbreitet und veröffentlicht wird.</p>
<p style="text-align: justify;">Damit erfüllt sie eine wichtige Voraussetzung für Wallraff: Die für seine Konzeption von investigativem Journalismus relevante Trennung von fiktiver Literatur und der Reportage, die die Realität abbildet:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die genau beobachtete und registrierte Wirklichkeit ist immer phantastischer und spannender als die kühnste Phantasie eines Schriftstellers.“[14]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Wichtig ist dabei die, notfalls auch juristische, Nachprüfbarkeit der dokumentierten Enthüllungen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Das festgehaltene, geschriebene Wort schafft Distanz, macht das Gesprochene festlegbar, nachprüfbar. Es stellt, wenn es entsprechend abgeklopft und eventuell mit knappen Kommentaren versehen wird, Autorität in Zweifel, ist der erste Schritt zu einer späteren Analyse. Bei jeder Gelegenheit Öffentlichkeit herzustellen, wo abgeschirmt wird. Alles das sagen, was ‚man nicht sagt’.“[15]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Zudem unterstreicht Wallraff einen zweiten Aspekt, der direkt mit der soeben angerissenen Realismusdiskussion im Zusammenhang steht: Die Nachprüfbarkeit ist Mittel zum Zweck. Sie unterstreicht den Wahrheitsgehalt der angesprochenen Verhältnisse für den Leser, sodass dieser, wie Wallraff es sich vorstellt, selbst aktiv wird und zu einer Veränderung der Wirklichkeit beiträgt:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die Nennung von Name, Ort, Zeit (also durch Heraustreten aus dem Fiktiven) erhöht die Glaubwürdigkeit. Das Dargestellte wird nachprüfbar. Zum andern, die aus ihrem Schonbereich hervorgeholten Repräsentanten geraten unter öffentliche Kontrolle. Autorität (zuweilen Ehrfurcht) wird zerstört, indem zum Beispiel Namen, die vielleicht im regionalen oder auch überregionalen Bereich zu Gütezeichen oder Symbolen geworden sind, demaskiert werden, was sie in Wirklichkeit sind, nämlich Symbole zu dem der Ausbeutung. Erste Ansätze des Willens nach Änderung und Befreiung können so entstehen.“[16]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Damit hat die Reportage einen gewissen „Kampfwert“[17].</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Der Kampfwert der Reportage wird […] von Kisch deutlicher umschrieben. Die Reportage soll den ‚Nutznießern der Welt’ ‚gefährlich’ werden, was nach Kischs Ansicht dann geschieht, wenn Lebensbereiche und Sachverhalte dargestellt werden, die offiziellen Darstellungen sich entziehen oder der Öffentlichkeit vorenthalten werden. Der Kampfwert ergibt sich mithin aus dem Aufklärungseffekt […].“[18]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Genau dieser „Kampfwert“, diese Form von Streitbarkeit in Bezug auf gesellschaftliche, politische oder ökonomische Missstände, ist es, was für Wallraff die Funktion einer guten Reportage ausmacht.</p>
<p style="text-align: justify;">Die oben angestrebte Fotografie-Metapher trifft das Wesen der Reportage aber nur bis zu diesem Punkt. Aufgrund der Tatsache, dass der Reportage eben jener soeben zitierte „Kampfwert“ zugesprochen wird, ist dies Fotografie-Metapher nicht mehr hinreichend.</p>
<p style="text-align: justify;">Während beispielsweise ein fotografiertes Szenario einer Häuserreihe in seiner Anordnung auf der Fotografie nicht mehr veränderbar ist, wird in einer Reportage das Arrangement des Materials zum Zwecke der Erreichung maximalen „Kampfwertes“ durchaus praktiziert. Dies formuliert auch Lukàcs folgendermaßen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die richtige Reportage begnügt sich ja nicht damit, einfach Tatsachen darzustellen; ihre Schilderungen ergeben stets einen Zusammenhang, decken Ursachen auf, rufen Folgerungen hervor… Die Tatsache […] wird in einer guten Reportage in voller sinnlicher Nacherlebbarkeit […] dargestellt, zuweilen sogar gestaltet.“[19]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Der Reporter hat nämlich in seiner Reportage die Freiheit, das recherchierte Material in eine für seine Zwecke sinnvolle Reihenfolge zu bringen und zu kommentieren. Um eine bestimmte Aussage zu erreichen, hat er beispielsweise die Möglichkeit, die Ergebnisse der Recherchen kontrastierend gegenüberzustellen. So gibt der Reporter seiner Leserschaft die Gelegenheit, eigene Schlüsse aus dem Material zu ziehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auch Wallraff nutzt diese Technik bzw. „die Berichtmethode des montierenden Kontrastes oder des kontrastierenden Montierens“[20] in seinen Reportagen[21]:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Hervorragendes Mittel zur Dokumentation ist die Montage, sie soll über die bloße Wiedergabe von zufälligen Realitätsausschnitten hinausgehen. So kann sich der Zusammenhang für den Leser entweder durch die Anordnung und Kombination der Realitätspartikel herstellen. Vor allem das Mittel des Kontrastierens, das auf Widersprüche und Brüche in der Realität hinweist, setzt den Leser in die Lage, selbst aus dem ausgebreiteten Material Schlußfolgerungen zu ziehen. Oder aber die Erklärung, der Kommentar wird in Form von Zwischenüberschriften, Zwischentexten oder Szenen der Darstellung von Realitätsausschnitten einmontiert, wobei der ‚Bruch’ der Wechsel der Form, bewußt herausgestellt wird.“[22]</div></p>
<p style="text-align: justify;">In seinen verschiedenen Reportagen nutzt Wallraff neben den unterschiedlichen Möglichkeiten des Montierens, Kontrastierens und Kommentierens immer eine ganz bestimmte Perspektive, die er während seiner Recherchen durch die spezielle Technik der Rollenreportage gewonnen hat.</p>
<p style="text-align: justify;">Im nächsten Schritt muss es jetzt also darum gehen, diese Rollenreportagetechnik zu explizieren.</p>
<h4 style="text-align: justify;">2.4. Die Rollenreportage</h4>
<p style="text-align: justify;">Auf dem Hintergrund der Definition des Begriffs Reportage kann nun der Begriff Rollenreportage erläutert werden. Zuerst wird die genutzte Methode der verdeckten teilnehmenden Beobachtung zu diskutieren sein. Danach wird Wallraffs Methode der Rollentechnik dahingehend untersucht, warum sie notwendig ist und welche Inhalte damit verbunden sind.</p>
<p style="text-align: justify;">Obwohl Wallraff selbst seine Arbeiten nie einer wissenschaftlichen Theorie zugeordnet hat, lässt sich dieses Problem mit einer kurzen Analyse einer Methode, die in der Sozialwissenschaft gemeinhin als „verdeckte teilnehmende Beobachtung“[23] definiert wird, lösen, denn prinzipiell macht Wallraff in seinen Reportagen nichts anderes:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Hervorragendes Kennzeichen der teilnehmenden Beobachtung ist, daß sie in der natürlichen Lebenswelt der Beobachteten eingesetzt wird. Bei der teilnehmenden Beobachtung nimmt der Sozialforscher [der Reporter] als Beobachter am Alltagsleben der ihn interessierenden Personen oder Gruppen teil. Die Beobachtung wird vornehmlich dort praktiziert, wo es um ansonsten schwer zugängliche soziale Felder geht.“[24]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Genau das ist es auch, was Wallraffs Rollentechniken beinhalten. Nun führt Wallraff eine verdeckte teilnehmende Beobachtung durch, das heißt, er gibt sich, wie schon erläutert, seiner Umwelt nicht als Forscher, respektive Reporter, zu erkennen, ist aber selbst als Teilnehmer, als Element des Beobachtungsfeldes, erkennbar.[25] Interessant in Bezug auf die Rollenreportage ist in diesem Zusammenhang auch die Frage nach Wallraffs Rolle, einer aktiven oder passiven Partizipation in und mit seinem Beobachtungsfeld. Mit Blick auf Wallraffs Reportagen lässt sich hier deutlich erkennen, dass er durchaus aktiver Teilnehmer ist und Situationen nicht nur durch seine Anwesenheit beeinflusst, sondern im Zuge seines spezifischen Erkenntnisinteresses auch initiiert oder verändert.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Rollenreportage beinhaltet erst einmal alle Aspekte, die auch bei einer herkömmlichen verdeckten teilnehmenden Beobachtung relevant sind. Wallraff hat in seiner Funktion als investigativer Journalist den Anspruch, politische oder gesellschaftliche Missstände publik zu machen und nutzt zur Verarbeitung seines Materials die Reportageform. Bereits vor und während seiner Recherche, also zur Erforschung der für Wallraff zum Zentralthema gemachten Realität, hat er sich aber für die Form der Rollenreportage entschieden, was Auswirkungen auf seine Recherchestrategie hat. Die Anwendung einer Rollentechnik bedeutet, dass der Reporter selbst in seinem investigativen Recherchefeld nicht mehr als Reporter auftritt, sondern die Rolle eines in irgendeiner Weise an dem Geschehen beteiligten Individuums einnimmt.</p>
<p style="text-align: justify;">Heinrich Böll charakterisiert Wallraffs Arbeitsweise und seine Stellung als Reporter mit folgenden Worten:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Er [Wallraff] ist kein Reporter im überkommenen Sinn, der recherchiert, interviewt und dann seinen Bericht schreibt. Er ist kein Essayist, der sich informiert und dann abstrakt analysiert. Er gehört auch nicht zu den Autoren, die das, was man herablassend die Arbeitswelt zu nennen beliebt, zum Gegenstand von Romanen und Erzählungen macht. Das sind Legitime der Publizistik. Wallraff hat eine andere Methode gewählt, er dringt in die Situation, über die er schreiben möchte, ein, unterwirft sich ihr und teilt seine Erfahrungen und Ermittlungen in einer Sprache mir, die jede ‚Überhöhung’ vermeidet […].“[26]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Wallraff ist in seinen Reportagen also immer direkter Beteiligter und schlüpft beispielsweise in seinen „Industriereportagen“ in die Rolle des Arbeiters und Angestellten. Seine Rolle ist jeweils getarnt. Er arbeitet unter anderem unter verschiedenen Pseudonymen, macht falsche Angaben über Herkunft, Ausbildung oder Titel, schleicht sich unter einem Vorwand in bestimmte Bereiche eines Unternehmens ein. Niemand im Umfeld seines Rechercheinteresses kennt dabei seine wahre Identität als Reporter. So gelingt es Wallraff, Einblick in die Situation aus einer Perspektive zu bekommen, die ihm sonst verborgen geblieben wäre.</p>
<p style="text-align: justify;">Nehmen wir ein beliebiges Reportagethema, mit dem irgendein, von außen kommender Reporter nach einem Gespräch mit dem Oberarzt und seinem Patienten über die Behandlungsmethoden in einer Entwöhnungsheilanstalt für Alkoholkranke berichtet. Wallraff hat sich ebenfalls für dieses Thema interessiert. Anstatt aber von außen zu recherchieren, hat er sich jedoch, den Alkoholiker mimend, selbst in eine solche Anstalt einweisen lassen und hat dadurch die Möglichkeit bekommen, die Geschehnisse dort am eigenen Leib zu erleben:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Er besichtig nicht, er neutralisiert nicht, indem er ‚auch die Gegenseite zu Wort kommen lässt’. Er unterwirft sich einer Situation und schildert sie vom Standort des Unterworfenen aus. Er ist immer Subjekt.“[27]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Das führt Wallraff zu einer ganz bestimmten Erzählperspektive, da er selbst Handelnder, Ausführender, Mittäter oder Mitopfer ist. Die unterschiedlichen Rollenkonstitutionen sollen im nächsten thematischen Block dieser Arbeit noch eingehender fokussiert werden. Zunächst geht es aber darum, dass Wallraff niemals ein unbeteiligter Dritter ist, sondern die Gegenstände seiner Reportagen in seiner Erfahrungswelt liegen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die ‚Rollentechniken’ lassen das ‚Reportersubjekt zum Träger eines Vorgangs mit bestimmten Handlungselementen’ werden. Sie verlangen Vorkenntnisse und eine bewußte Organisation, denn wenn der Reporter sie erfolgreich anwenden will, müssen die Rollen so ausgewählt und gestaltet werden, daß kein Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit aufkommen kann.“[28]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Zudem sind die Rollen, die Wallraff erfindet und auswählt, bewusst auf ein Szenario hin ausgelegt. Obwohl die Rollen, die Wallraff spielt, nur zum Teil einem wirklichen Vorbild entlehnt und sogar allzu oft frei erfunden sind, „verlässt er in seiner Berichterstattung jedoch nie ‚das Feld nachprüfbarer Fakten’, sondern stützt sich immer auf das, was er ermittelt hat und belegen kann“[29].</p>
<p style="text-align: justify;">Wallraff geht mit einer These, einem Thema, in seine Arbeit, die er verifizieren oder falsifizieren will. Er gestaltet seine Rolle, um zielsicher einer bestimmten Konfrontation entgegentreten, diese initiieren oder sogar inszenieren zu können und so seinen definierten Antagonisten dazu zu bringen, seine Praktiken offen zu legen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Diese ‚Rollentechniken’ enthalten jeweils eine produktive Provokation, da Günter Wallraff mit seinen Rollen, die er annimmt, seine jeweiligen Gegenüber zwingt zu zeigen, wes Geistes Kind sie sind.“[30]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Wallraffs Reportagen sind zumeist eben gerade nicht darauf ausgelegt, beide Seiten zu Wort kommen zu lassen. Vielmehr geht es ihm darum, dass die Rollen, die er schafft und in denen er sich zeigt, dazu geeignet sind, „sich in den Dienst von unterdrückten Mehrheiten, von Schichten zu stellen, die sonst nicht zu Wort kommen, sie sonst nicht repräsentiert werden.“[31] Wallraff legt Wert darauf, die Dinge, die er in seinen Reportagen verarbeitet, in eigenen Erfahrungen gesammelt zu haben, was wiederum zur Erhöhung von Wahrheitsgehalt und Glaubhaftigkeit führt. Dieser Aussagenzusammenhang rekurriert ebenfalls noch einmal auf Wallraffs Auffassung von seiner Aufgabe als investigativer Journalist.</p>
<p style="text-align: justify;">Warum ist es für Wallraff so wichtig, inkognito zu recherchieren, sich seinem Umfeld nicht als Reporter preiszugeben? Nicht nur die Möglichkeit sondern vielmehr die Notwendigkeit des Verborgen-Bleibens ergibt sich in Konsequenz aus der Rolle des Reporters, die ihm durch das gesellschaftliche Umfeld zugewiesen wird:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Das hängt damit zusammen, daß man in der Gesellschaft als Journalist die Dinge immer von außen vorserviert bekommt, bereits gefiltert… von daher muß man eben Wege finden, diese Sperren zu durchbrechen und nicht Informationen aus zweiter oder dritter Hand wiederzugeben. […] Journalismus ist immer etwas Gefiltertes, von außen Abgeschautes, und nur das wirklich existentiell Erlebte, was einen in der eigenen Existenz auch bedroht, kann sich im Schreiben so umsetzen, daß es eine ganz andere Durchsetzungskraft erreicht.“[32]</div></p>
<p style="text-align: justify;">In dieser Beschreibung der Situation des Journalisten ein Dilemma deutlich. Zum einen ist es absolut notwendig, in verschiedenen, der Öffentlichkeit unzugänglichen Bereichen der Gesellschaft verdeckte Recherchen durchzuführen, um Filterungseffekte und das gezielte Zurückhalten von eventuell relevanten Informationen zu verhindern. Wallraffs Prämisse lautet hier, dass „man täuschen muß, um nicht getäuscht zu werden.“[33]</p>
<p style="text-align: justify;">Zum anderen zeigt sich hier aber auch das Problem des Rollenbewusstseins. Nehmen wir erneut das Beispiel der Irrenanstalt, in die sich der angeblich alkoholkranke Rollenreporter Wallraff einweisen lässt. Wallraff ist sich vollkommen seiner Rolle bewusst. Er weiß, dass er nicht alkoholkrank ist und er weiß auch, dass er das Ganze „nur“ mit sich machen lässt, um Material für seine nächste Reportage zu gewinnen. Das ist sicherlich dahingehend von Vorteil, da dann die Gefahr des „going native“[34], also das vollkommene, unreflektierte Aufgehen im Beobachtungsfeld, minimiert ist. Würde es ihm andererseits zuviel werden, könnte er jederzeit abbrechen und sich aus der Klinik entlassen. Wäre er ein wirklicher Patient, so bliebe ihm diese Option verwehrt. Mit Recht kann man an dieser Stelle fragen, ob das soeben zitierte „wirklich existentiell Erlebte, was einen in der eigenen Existenz auch bedroht“[35], was Grund und Auslöser für den Schreibprozess ist, unter der Prämisse des „Ich-könnte-abbrechen-wenn-ich-wollte“ überhaupt noch zustande kommen kann. Wallraff ist sich dieser Problematik durchaus bewusst. Er erkennt sie an und geht darauf ein, dass das Problem auf alle seiner Reportagen zutreffen kann, insbesondere was Reportagen in Industriebetrieben angeht. Hier sei es nicht so einfach für einen normalen Arbeiter möglich, Kritik zu äußern, da sein Arbeitsplatz und damit seine finanzielle Existenz und die seiner Familie auf dem Spiel stehen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Günter Wallraff […] sieht in der Tatsache, daß er als Arbeiter auf Zeit nicht die existentielle Grundsituation eines Arbeiters auf Lebenszeit hat, eine Minderung der sozialen Wahrheit seiner Industriereportagen.“[36]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Dennoch sieht er in seinen Rollenreportagen genug empirisch gesammeltes Wahrheitspotenzial, da Wallraff sich selbst in einer Art Stellvertreterposition sieht. Er betont den Vorteil, den er gegenüber einem Arbeiter hat, denn er hat die Möglichkeit und auch die Unabhängigkeit, um Missstände aufzudecken und den Unternehmer in der Öffentlichkeit zu kritisieren. Wallraff bringt seine Intention und den Inhalt seines Enthüllungjournalismus’ noch einmal auf den Punkt:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Wenn innerhalb des Herrschaftsbereichs des Betriebes Informationssperren und Lügentarnwände errichtet sind und wenn der begründete Verdacht vorliegt, daß damit Reaktionäres und Illegales, was grob gegen die Interessen der Mehrheit der Kollegen verstößt, aufrecht erhalten wird, eventuell gewisse Rollentechniken benutzen. […] Hier geht es nicht darum, private, sondern gesellschaftliche Krankheiten in Erfahrung zu bringen und sichtbar zu machen. […] Das Prototypische herausarbeiten – nicht personifizieren. Zeigen, daß es keine Einzelfälle sind, keine einfach wegzuretuschierenden Mißstände, vielmehr systemimmanente Zustände.“[37]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Im vergangenen Teil sind Aspekte des investigativen Journalismus im Hinblick auf die Möglichkeiten und Probleme von Rollenreportagen aufgezeigt worden. Zusammenfassend lässt sich außerdem sagen, dass Wallraff in der Praxis konkret mit Reportagen von Einzelfällen arbeitet. Über das gezielte Arrangieren dieser Einzelfälle will Wallraff zu einer Aussage über die Wirklichkeit gelangen.</p>
<p style="text-align: justify;">Zwei dieser Rollenreportagen werden im nun folgenden Teil anhand der Gegenüberstellung von Täterrolle und Opferrolle vorgestellt.</p>
<h3 style="text-align: justify;">3. Wallraffs Rollenreportagen</h3>
<h4 style="text-align: justify;">3.1. Vorbemerkung</h4>
<p style="text-align: justify;">Nachdem im vorherigen Teil dieser Arbeit wichtige Grundlagen zu Günter Wallraffs investigativem Journalismus und seine Methoden und Techniken erläutert worden ist, soll es jetzt darum gehen, die angesprochenen Rollentechniken an zwei Beispielen zu demonstrieren.</p>
<p style="text-align: justify;">Dazu werden die beiden Reportagen „Der Aufmacher“ und „Ganz unten“ in Bezug auf die dort angelegten Rollen von Täterrolle und Opferrolle analysiert. Im ersten Schritt wird Wallraffs Aufklärungsinteresse zu klären sein: Warum betreibt Wallraff ausgerechnet in diesem Feld investigativen Journalismus? Was ist seine Arbeitsthese? Im zweiten Schritt muss dann die Rollenbeschreibung folgen: Welche Rolle wählt Wallraff für sich aus und wie ist sie zu charakterisieren? Danach kann in einem dritten Schritt exemplarisch ein Reportagenteil herausgegriffen und im Hinblick auf Wallraffs Methoden analysiert werden. Abschließend muss in einem vierten Schritt geklärt werden, ob und, wenn ja, welche Konsequenzen sich aus Wallraffs Investigationen ergeben haben.</p>
<h4 style="text-align: justify;">3.2. Wallraff als Hans Esser</h4>
<p style="text-align: justify;">Die Täter-Rolle: Beginnen wir nun mit „Der Aufmacher“. „Der Aufmacher“ ist der Beginn einer Trilogie, die die Bildzeitung thematisiert. Nach „Der Aufmacher“ folgen noch „Zeugen der Anklage“ sowie „Bildstörung“.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.2.1. Aufklärungsinteresse</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Zu Beginn muss geklärt werden, welche Thesen Wallraff für seine Arbeit ansetzt. Was ist sein Aufklärungsinteresse? Wallraff geht mit der These an seine Arbeit, die Machenschaften des Boulevardjournalismus, verkörpert durch die Bildzeitung, aufdecken zu wollen.</p>
<p style="text-align: justify;">Auf der aktuellen Homepage des Axel-Springer-Konzerns charakterisiert Kai Diekmann, Chefredakteur und Herausgeber der Bild, sein Boulevardblatt:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„BILD ist die Erfolgsstory der größten Zeitung Europas. BILD wird jeden Tag von über zwölf Millionen Menschen gelesen. Vom Bundeskanzler bis zum Bauarbeiter. BILD hat täglich die größte Einschaltquote aller deutschen Medien. BILD ist 30 Zeitungen in einer. BILD ist Sport-Blatt und City-Führer, Service-Guide und Polit-Magazin. BILD liebt den Leser. BILD ist sein bester Freund. Der Kosmos BILD entwickelt sich jeden Tag neu. BILD ist jeden Tag 100 Überraschungen. Wer BILD liest, BILDet sich seine Meinung.“[38]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Wallraff hat ähnlich Bild-Selbstdarstellungen kennen gelernt und hat es in „Der Aufmacher“ zu seinem Thema gemacht, das Boulevardblatt von innen zu erforschen, die Arbeitsmethoden selbst anzuwenden und Bild auf die Seriosität hin zu überprüfen. Im Vorwort zu „Der Aufmacher“ wird deutlich, dass Wallraff der Bildzeitung diese Seriosität abspricht. Vielmehr erhebt er den Vorwurf, dass die Zeitung gezielt ihre Leserschaft beeinflusst, manipuliert, in Sicherheit wiegt:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„[I]n diesem Buch geht es um Gewalt, um besondere ‚geistige’ Spielart, die keiner Molotow-Cocktails und Maschinengewehre bedarf. Die Opfer sind Menschen, ihre Gedanken, ihre Gefühle, ihre Würde.“[39]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Den Begriff Manipulation definiert Wallraff in Bezug auf die Bildzeitung folgendermaßen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„[Manipulation meint,] eine ungeschulte und politisch unmündig gehaltene Masse dorthin zu steuern, wo man sie hinhaben will, ohne daß sie in der Lage ist, zu beurteilen, ob dies für sie vorteilhaft ist oder nicht.“[40]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Wie ist Wallraff nun aber zu diesen Ansichten über die Bildzeitung gekommen? Dies wird in den folgenden Punkten zu diskutieren sein.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.2.2. Rollenbeschreibung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wallraff wählt für die Bild-Reportagen die Täterrolle. Er bewirbt sich bei der Hannoveraner Bildzeitungsredaktion um eine Stelle als freier Bildzeitungsreporter. Ein Freund, vormals selbst dort beschäftigt, jetzt jedoch nach eigenen Angaben dem Druck nicht mehr gewachsen, verschafft Wallraff Zutritt, nimmt am Einstellungsgespräch mit dem Chefredakteur teil und empfiehlt ihm, den neuen Mitarbeiter einzustellen. Günter Wallraff alias Hans Esser:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Ich bin […] Hans Esser, 30 Jahre, habe vorher Psychologie studiert, davor Betriebswirtschaft, leistungsorientiert, kapitalbewußt; ich komme aus der Werbung, sehe hier eine direkte Nahtstelle zu meiner neuen Karriere.“[41]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Diese Rolle bringt für Wallraff nicht nur eine Veränderung seines Äußeren mit sich. Er muss seinen ganzen Habitus, sein Mimik, seine Gestik, seinen Sprachgebrauch, seine Körperhaltung verändern, um überzeugend zu sein. Er muss täuschen und lügen, darf sich nicht versprechen, muss ganz bei der erfundenen Rolle sein und in ihr aufgehen. Wallraff fühlt sich von Beginn an in seiner Rolle unwohl:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Das bin ich nicht mehr, der mich da aus dem Spiegel anschaut. So eine Visage, auf Karriere getrimmt, wie ich sie bei Jungmanagern immer haßte. Geschniegelt, gestutzt, von Höhensonne erfolgsgebräunt. Polierte Fresse: Der da die durch Jacketkronen gleichgerichteten Zähne herzeigt, den Krawattenkragen festwürgt, und sich mit einem massivgoldenen Siegelring (geliehen) seiner selbst vergewissern muß, und viel zu viel Herrenparfum (Aqua brava) auf den 500-Mark-Anzug und unter die Achseln schüttet, damit der Angstschweiß nicht ruchbar wird, möchte aus der Rolle raus, noch bevor sie anfängt. […] Jetzt habe ich Angst, eine Angst, die ich nur einmal hatte: als ich mich im faschistischen Athen ankettete. Auch diesmal trage ich meine Haut zu Markte. Nur daß dir Spuren der Verletzungen nicht so sichtbar sein werden. Damals war ich in der Unschuldsrolle des Opfers, diesmal muß ich zum Mittäter werden.“[42]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Hans Esser (Wallraff) wird eingestellt, macht sich damit zum Mittäter im Dienste der Bildzeitung. Wallraff hat mit seiner erfundenen Identität überzeugt und arbeitet fortan für nahezu vier Monate als freier Mitarbeiter, immer mit der Angst lebend, durch einen Zufall enttarnt zu werden.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.2.3. Esser/Wallraff investigativ</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Was genau ist es jetzt aber, das Wallraff herausfindet und enthüllt? Dies kann mit folgenden vier Schlagworten zusammengefasst werden:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Nachrichtenunterdrückung, Nachrichtenverfälschung, emotionale Aufreizung und Konfliktverschleierung“[43].</div></p>
<p style="text-align: justify;">Welche Methoden nutzt Wallraff neben der Rollentechnik, um seine Enthüllungen zu dokumentieren und dem Leser die Brisanz deutlich zu machen? Um das zu klären, können exemplarische Textstellen aufgegriffen werden. Hier kann aufgezeigt werden, wie Wallraff den Einzelfall nutzt, um damit zu einem Gesamtaussagenzusammenhang über die Wirklichkeit gelangt werden kann.</p>
<p style="text-align: justify;">Zum einen ist „Der Aufmacher“ von einer starken Subjektivität geprägt. Wallraff berichtet immer in der Ich-Form, ist selbst Akteur und Handlungsträger, treibt die Handlung voran, provoziert Situationen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Günter Wallraff bringt sich bei seiner Beschreibung der ‚Bild’-Aktion […] nicht nur insofern als Subjekt in die Handlung ein, indem er sich nur in der Funktion des Initiators und Trägers eines bewußt organisierten, auf die Enthüllung eines tabuisierten Bereiches gerichteten Handlungsvorganges darstellt, sondern er zeugt hier vielmehr auch seine mit dieser Rolle verbundene Erlebnis- und Erfahrungswelt.“[44]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Esser/Wallraff beleuchtet durch die Schilderung von Einzelfällen verschiedene Aspekte der Bildzeitungsthematik. Mittels dieser Beispiele schafft es Wallraff, ein umfassendes Bild der Praktiken der Zeitung zu zeichnen. Er ermöglicht seinem Leser induktiv vom Einzelfall auf das Allgemeine zu schließen.</p>
<p style="text-align: justify;">Nehmen wir als Beispiel der Reportage „Gehen Sie jetzt und schweigen Sie schon“[45]. Esser/Wallraff wird losgeschickt, um einen Bericht über eine Studentin zu schreiben, die Tek wan do praktiziert. Obwohl sie das vehement abstreitet, wird hinterher in dem Artikel zu lesen sein, dass sie, wenn sie es denn wollte, zu einer wahren Tötungsmaschine werden könnte und dass sie aus diesem Grund kaum Tanzpartner findet, da diese Angst vor einer männermordenden Furie haben.</p>
<p style="text-align: justify;">Wallraff führt dem Leser die Opfer der Bildzeitungsmaschinerie vor Augen. Er kommentiert, analysiert, polemisiert, arrangiert und gestaltet die Fakten mit sprachlich-rhetorischen Mitteln. Wallraff nutzt Zwischenüberschriften, fügt die Artikel, die er für Bild verfasst hat, seinen Ausführungen bei, stellt die Betroffenen vor, spricht mit ihnen, enthüllt die wahre Geschichte und vergleicht sie mit dem erschienenen Bildzeitungsartikel.</p>
<p style="text-align: justify;">Besonders deutlich wird immer wieder die oben erläuterte Methode des kontrastierenden Montierens bzw. des montierenden Kontrastes. Um dies zu verdeutlichen, führt er immer wieder eine hauseigene Springer-Analyse der Bildzeitung an, die stetig Wallraffs Thesen zu unterstreichen scheint und auch noch beweist, dass die Bild-Verantwortlichen sich dieser Machenschaften vollkommen bewusst sind und sie auch noch agenda-artig fördern.</p>
<p style="text-align: justify;">Wallraff führt an, dass diejenigen Opfer sind, über die Bild berichtet. Durch gezielte Verdrehung der Tatsachen, pure Erfindung von Halbwahrheiten und bewusste Lügen werden die Beteiligten verunglimpft und haben zum Teil unter der Ehrverletzung stark zu leiden.</p>
<p style="text-align: justify;">Opfer sind auch die Mitarbeiter selbst, wie Wallraff feststellt. Er erlebt hautnah den Umgang des Chefredakteurs mit den freien Reportern und kann so auch die Situation dieser Mitarbeiter nachvollziehen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Etwa die Hälfte der Kollegen hier arbeitet nach diesem Status als Freie. Vogelfreie! Sie kommen in der Regel früher und sind oft die letzten, die gehen. Sie haben keinen schriftlichen Vertrag, keinen Urlaubsanspruch, keine Sozialleistungen, keinen Kündigungsschutz. Sie sind auf Gedeih und Verderb der Willkür des Redaktionsleiters ausgeliefert und von seiner Gunst abhängig. Sie stehen in einer unheimlichen Konkurrenz zueinander.“[46]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Plötzlich findet sich auch Wallraff als Hans Esser in dieser Konkurrenzsituation vor, die nach seinem Empfinden durch das Großraumbüro noch verstärkt wird. Er beschreibt, dass er sich selbst durch das Redaktionsklima verändert, immer mehr zu einem Bildzeitungsspürhund auf der Jagd nach einer guten Story mit möglichst vielen Superlativen wird:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Ich fange an, mir selber fremd zu werden. […] Ich ertappe mich dabei, daß ich nicht mehr in der Lage bin, Freunden ernsthaft zuzuhören. Alles wird unmittelbar sortiert nach dem Gesichtspunkt der Verwertbarkeit. Für BILD. […] Wenn ich vom Redaktionsleiter rausgeschickt werden, vor Ort, um Geschichten ‚aufzureißen’, begegne ich Menschen wie Ausbeutungsobjekten. Lasse sie nicht ausreden, wenn sie von ihren Nöten und Problemen erzählen. Keine Zeit. Alles in meiner Umwelt wird auf unmittelbare Ausschlachtung für BILD selektiert.“[47]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Somit wird Wallraff in der Täterrolle als Hans Esser auch zu einem Opfer der Maschinerie. Mit dieser Erkenntnis erklärt Wallraff dann in seinem Vorwort:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Ich will die tätigen Opfer des BILD-Systems nicht denunzieren, sie nicht als Individuen darstellen und brandmarken für ihr ganzes Leben. Deshalb trägt keiner der Kollegen, mit denen ich in Hannover in der BILD-Redaktion zusammenarbeitete, im Buch seinen wirklichen Namen – wie auch einzelne andere Personen. Doch wurde nichts erfunden oder hinzugedichtet. Äußerungen und Dialoge habe ich teils direkt mitgeschrieben, teils nach Redaktionsschluß in Gedächtnisprotokollen festgehalten.“[48]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Opfer sind aber natürlich nicht zuletzt auch in seinen Augen die Leser selbst, die durch die Bildzeitung „informiert“ werden:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Redaktionskonferenz? Diskussion? Gemeinsame Überlegungen, Abstimmungen gar? Es entsteht die tägliche klebrige Mischung. Halbwahrheit, Fälschung, offene und versteckte Werbung, verlogener Sex und heuchlerischer Crime.“[49]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Frei nach dem volksmündlerischen Motto „Bild titelt: Tränen, Titten, Tiere“. Wallraff schafft es, dies anhand vieler Einzelbeispiele zu zeigen.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.2.4. Konsequenzen</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Am 22. Juli 1977 muss Esser/Wallraff seine Arbeit abbrechen. Er wird gewarnt, dass man ihn enttarnt hat.[50] Hat „Der Aufmacher“ nach seiner Veröffentlichung Reaktionen nach sich gezogen?</p>
<p style="text-align: justify;">Nun, zuerst einmal hat es Konsequenzen für Wallraff persönlich gegeben. Am 23. Juli 1977 titelte die Bild Hamburg: „Ein ‚Untergrundkommunist’ schlich sich ein“[51]. Wallraff wird, wie er es vorher schon an vielen Artikel nachgewiesen hatte, von der Bildzeitung „durch den Dreck gezogen“. Wie er selbst dokumentiert, sind Bildreporter abgestellt, um Wallraffs Familie, Freunde und Bekannte zu interviewen, um versteckte Skandale an den Tag zu fördern.[52]</p>
<p style="text-align: justify;">Zudem klagt der Axel-Springer-Konzern gegen die Veröffentlichung von „Der Aufmacher“, was er aber nicht verhindern kann. In späteren Gerichtsverhandlungen werden Wallraff und sein Verlag Kiepenheuer und Witsch dazu verurteilt, in kommenden Auflagen von „Der Aufmacher“ bestimmte Einzelaussagen nicht mehr veröffentlichen zu dürfen. Der Axel-Springer-Konzern kann dies allerdings nur als Teilerfolg verbuchen, da „Der Aufmacher“ ansonsten unverändert erscheinen darf.[53]</p>
<p style="text-align: justify;">„Der Aufmacher“ ist aber nicht nur von Bildzeitungsfunktionären gelesen worden. Wallraff hat, wie schon mehrfach angesprochen, den Anspruch an seinen investigativen Journalismus, Dinge zu erhellen, die der Öffentlichkeit nicht ohne weiteres zugänglich sind, und die Menschen über das Erkennen der Wahrheit hin zu einer aktiven Veränderung der Welt zu verändern. Hat es bei „Der Aufmacher“ solche Konsequenzen gegeben?</p>
<p style="text-align: justify;">In der breiten Öffentlichkeit hat Wallraff Zustimmung erhalten. Viele Zuschriften dokumentieren dies. Es gründet sich später eine, auch von vielen Literaten unterstütze Initiative, die dazu aufruft, die Bildzeitung zu boykottieren. Zudem richtet Wallraff den Hilfsfond „Wenn BILD lügt – kämpft dagegen“[54] ein.</p>
<p style="text-align: justify;">Diese Konsequenzen dokumentieren, dass Wallraffs investigativer Journalismus in diesem Fall von Erfolg gekrönt war.</p>
<h4 style="text-align: justify;">3.3. Wallraff als Ali</h4>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.3.1. Aufklärungsinteresse</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Die Opfer-Rolle: „Ganz unten“ erscheint fast acht Jahre nach „Der Aufmacher“. Wallraff thematisiert mit verschiedenen Einzelreportagen die Situation von Ausländern in Deutschland von der ausländerfeindlichen Diskriminierung bis hin zur illegalen Leiharbeit. Von der methodischen Anlage her verfährt Wallraff genauso wie bei „Der Aufmacher“. Daher erübrigen sich Erklärungen zu seinen Recherchetechniken. Sein investigatives Interesse beschreibt Wallraff folgendermaßen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Sicher, ich war nicht wirklich ein Türke. Aber man muß sich verkleiden, um die Gesellschaft zu demaskieren, muß täuschen und sich verstellen, um die Wahrheit herauszufinden.“[55]</div></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.3.2. Rollenbeschreibung</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wallraff wählt für „Ganz unten“ die Rolle eines türkischen Arbeiters, der in Deutschland lebt, jedoch kaum deutsch spricht. Dazu verändert er sein Aussehen und nimmt den Namen Ali Sinirlioglu an:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Viel war nicht nötig, um mich ins Abseits zu begeben, um zu einer ausgestoßenen Minderheit zu gehören, um ganz unten zu sein. Von einem Spezialisten ließ ich mir zwei dünne, sehr dunkel gefärbte Kontaktlinsen anfertigen […]. Ein schwarzes Haarteil verknotete ich mit meinen eigenen […] Haaren. […] So wirkte ich in meiner Rolle zwar jugendlicher, unverbrauchter und leistungsfähiger, aber sie macht mich gleichzeitig zu einem Außenseiter, zum letzten Dreck. Das ‚Ausländerdeutsch’, das ich für die Zeit meiner Verwandlung benutzte, war […] ungehobelt und unbeholfen.“[56]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Seinen türkischen Kollegen erzählt er, dass sein Vater Türke und seine Mutter Griechin ist, dass der Vater die Familie verlassen hat und dass er selbst daher kein Türkisch spricht.</p>
<p style="text-align: justify;">Er mimt den Ausländer für seine Umgebung äußerst glaubhaft und durchlebt in dieser Rolle die verschiedensten Alltagssituationen. Wie in „Der Aufmacher“ ist Wallraff Handlungsträger und teilnehmendes Subjekt in seinem Beobachtungsfeld. Ein grundlegender Unterschied zu „Der Aufmacher“ liegt allerdings auf der Hand: Dieses Mal ist Ali/Wallraff in der Opferrolle.</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.3.3. Ali/Wallraff investigativ</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Wallraff deckt in seiner Rolle als Türke Ali die verschiedensten Alltagssituationen auf und wohnt für seine Recherchen sogar im in einem heruntergekommenen Viertel mit hohem Ausländeranteil in Duisburg. Die unterscheidet Wallraffs Rolle in „Ganz unten“ von der in „Der Aufmacher“, da Wallraff jetzt auch nach Abschluss seines Tagewerkes nicht mehr in seine Privatwohnung zurückkehrt. Er beschreibt minutiös, wie er Fremdenfeindlichkeit begegnet, wie die Leute mit ihm umgehen, wie abwertend sie ihn als Türken behandeln.</p>
<p style="text-align: justify;">Zentral sind die Beschreibungen Ali/Wallraffs über die mehr oder weniger legalen Möglichkeiten, als mehr oder weniger legaler Ausländer in Deutschland Geld zu verdienen. Er arbeitet unter anderem bei McDonalds als Toilettenmann, als Versuchsperson bei Medikamententests und als Leiharbeiter. Insbesondere die Dokumentationen der Leiharbeitertätigkeit haben in der Öffentlichkeit für eine betroffen-wütende Reaktion gesorgt. Ali/Wallraff ist hier bei einer Leiharbeiterfirma illegal beschäftigt. Er arbeitet unter größtenteils menschenverachtenden Bedingungen zum Beispiel bei Thyssen und muss dort Reinigungsarbeiten durchführen. Immer wieder dokumentiert Wallraff, dass er als Ali, genau wie dessen ausländische Kollegen, ohne Schutzausrüstung arbeiten musste. Die Arbeiten waren zumeist für deutsche Arbeiter von Thyssen unzumutbar, weil lebensgefährlich und unter menschenwidrigen Umständen durchzuführen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Während wir, in Staubschwaden stehend, den Staub vom Boden in Plastiksäcken schaufeln, stürzen Thyssenmonteure, die einige Meter unter uns arbeiten, an uns vorbei und laufen die Treppe hoch ins Freie. ‚Ihr seid bekloppt, in so `nem Dreck kann man doch nicht arbeiten!’ ruft uns einer im Vorbeilaufen zu. […] Überall Totenkopfschilder mit der Aufschrift ‚UNBEFUGTEN ZUTRITT NICHT GESTATTET!’, ‚VORSICHT, GASGEFAHR!’ Und an einigen Stellen: ‚ATEMSCHUTZGERÄT TRAGEN!’ Keiner hat uns über die Gefahren aufgeklärt, und ‚Schutzgeräte’ gibt es auch nicht.“[57]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Die türkischen Leiharbeiter habe hier nach Wallraffs Dokumentation keine Wahl. Sie müssen für einen Hungerlohn, den sie oft erst verspätet und manchmal überhaupt nicht ausgezahlt bekommen, ohne Arbeitsschutzmaßnahmen unter Gefährdung ihrer eigenen Gesundheit arbeiten.</p>
<p style="text-align: justify;">Wie schafft es Wallraff in „Ganz unten“ alle diese Missstände zu dokumentieren und für den Leser glaubhaft zu vermitteln? Zuerst einmal nutzt er auch hier wieder die Technik des montierenden Kontrastes bzw. des kontrastierenden Montierens. Er montiert einzelne Kommentare in Form von Zwischenüberschriften wie z.B. „Im letzten Dreck oder ‚vogelfrei, ich bin dabei’“[58] in die einzelnen Reportagen und Situationsbeschreibungen. Vielen Reportagen sind medizinische Berichte und Gutachten beigefügt, die dokumentieren, welche gesundheitlichen Schäden bei den beschriebenen Arbeiten entstehen können. Außerdem hat er die Möglichkeit, Tagebucheintragungen seiner Kollegen einzusehen und diese den Reportagen voranzustellen.[59]</p>
<p style="text-align: justify;">Durch seinen neuen Wohnsitz inmitten des Elendsviertels hat Ali/Wallraff Kontakt zu den verschiedenen Bewohnern aufgebaut und führt viele Gespräche. Ohne diese Rollenmaskerade hätte Wallraff als Journalist mit deutschen Aussehen und deutschem Auftreten hier ganz gewiss keinen Einblick bekommen. So hat Wallraff aber in der späteren Reportage die Möglichkeit, einzelne Lebensgeschichten der türkischen Arbeiter zu veröffentlichen wie z.B. in „Mehmets Odyssee“[60]. Außerdem erinnert Wallraff diesmal seine Leser praktisch immer daran, dass er sich in einer Rollensituation befindet. Das hat er bei „Der Aufmacher“ nicht getan. Wenn Wallraff sich in der Rolle von Ali befindet und darüber berichtet, formuliert Wallraff meist „Ich (Ali)“[61]. Der Leser soll nie vergessen, dass es Ali ist, der sich hier in der Opferrolle befindet und nicht Wallraff in seiner Funktion als investigativer Journalist.</p>
<p style="text-align: justify;">Wichtig ist auch, dass sich Wallraff bei seinen Recherchen von einer versteckten Kamera begleiten lässt. Diese Aufnahmen verschaffen ihm durch die später veröffentlichte Fernsehdokumentation Glaubhaftigkeit und Wahrhaftigkeit und sorgen dafür, dass die Zuschauer die bloße schriftliche Beschreibung mit Bildern ergänzen können, da sich die beschriebenen Zustände zum Teil so abstrus lesen, dass sie schon fast unglaubwürdig erscheinen.</p>
<p style="text-align: justify;">Außerdem geht Wallraff in „Ganz unten“ auch noch einen Schritt weiter. Bisher hat ihn die Motivation getrieben, die Wirklichkeit zu berichten. Dann merkt er aber schnell, wie skrupellos die Leiharbeiterfirma mit dem Leben der Arbeiter spielt. Wallraff begnügt sich an dieser Stelle nicht mehr mit der reinen Beschreibung der Situation. Er will wissen, wie weit der Chef der Firma zu gehen bereit wäre. Hierzu inszeniert Wallraff zusammen mit befreundeten Journalisten einen Störfall in einem Atomkraftwerk. Die Leiharbeiterfirma Adler soll Arbeiter zur Verfügung stellen, die ein verstrahltes und mit Chemikalien kontaminiertes Areal reinigen. Die beiden als Mitarbeiter des Atomkraftwerkes getarnten Journalisten machen deutlich, dass die Arbeiter auf jeden Fall mit lebensgefährlichen und krebserregenden Strahlenschäden die Anlage verlassen werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Leiharbeiterfirma willigt trotzdem in den Auftrag ein.[62] Die verschiedenen Gespräche sind ebenfalls auf Video festgehalten worden. Wallraff bricht den Versuch ab, als deutlich wird, dass die Firma prinzipiell zu allem bereit wäre, wenn das Geld stimmt, und kommentiert nahezu fassungslos:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Dieser Fall wurde als Klein-GAU durchgespielt. Vielleicht laufen in der Wirklichkeit bereits ähnliche oder schlimmere Aufträge in entsprechend größeren Dimensionen ab. Wenn die vorliegende Inszenierung dazu beiträgt, die Wachsamkeit und Kontrolle der Öffentlichkeit und einzelner Medien diesen Geheimwelten gegenüber zu verstärken und zu sensibilisieren, hat es den Aufwand gelohnt. Es ging hier nicht um Adler. Er ist in seiner kriminellen Energie und Phantasie eher mittlerer Durchschnitt. Nichts wäre falscher, als ihn zu dämonisieren. Er ist einer von zigtausenden Erfüllungsgehilfen und Nutznießern des Systems der grenzenlosen Ausbeutung und Menschenverachtung.“[63]</div></p>
<p style="text-align: justify;"><strong>3.3.4. Konsequenzen</strong></p>
<p style="text-align: justify;">Nach dem Erfolg von „Der Aufmacher“ hat Wallraff schon eine gewisse Medienpräsenz vorweisen können. Daher ist es bei „Ganz unten“ nicht verwunderlich, dass auch diese Reportage ein großes Echo hervorgerufen hat.[64]</p>
<p style="text-align: justify;">Politisch gesehen sind die Gesetze gegen illegale Leiharbeit verschärft worden. Außerdem finden verstärkt Razzien gegen Leiharbeiterfirmen statt. Die Verantwortlichen von Thyssen und der Chef der Leiharbeiterfirma werden vor Gericht gebracht und verurteilt.</p>
<p style="text-align: justify;">McDonalds hat einen Umsatzrückgang zu verzeichnen. Die Kernindustrie muss Stellung zu den Vorwürfen beziehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Wallraff selbst wird nach „Ganz unten“ ähnlich wie in „Der Aufmacher“ verfolgt. Es geht aber noch einen Schritt weiter. Rechtsradikale schicken ihm Morddrohungen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Ali hau ab! Du bist in unsere Todesliste aufgenommen worden. Die Kugel/Bombe für dich ist schon bereit! Wir Faschisten wollen keine deitschen [sic.] Türken, uns genügen schon die echten zu Unterentwicklung. Allah il akba!“[65]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Gleichzeitig ist die Leserresonanz aber auch erstaunlich groß, was positive Reaktionen angeht. Auf dem Klappentext ist zu lesen:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Bücher können etwas bewegen – dafür liefert Ganz unten ein einzigartiges Beispiel. Günter Wallraffs Erfahrungsbericht als Türke Ali wurde mit einer deutschsprachigen Auflage von inzwischen mehr als 3 Millionen [Exemplaren] und Übersetzungen in mehr als 30 Länder nicht nur weltweit einer der sensationellsten Bucherfolge, sondern entwickelte auch eine ‚durchschlagende politische Wirkung’ (Süddeutsche Zeitung). Die Neuauflage dokumentiert die gesellschaftspsychologischen, menschlichen und politischen Folgen von Ganz unten.“[66]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Die Menschen fühlen sich betroffen und teilen dies auch mit. Mit der Neuauflage von „Ganz unten“ werden diese Reaktionen dokumentiert.</p>
<h3 style="text-align: justify;">4. Wallraff und der Pressekodex</h3>
<p style="text-align: justify;">Ziel war es ja, Aspekte des investigativen Journalismus im Hinblick auf die Möglichkeiten und Probleme von Rollenreportagen aufzuzeigen und sie vor dem Hintergrund der Medienethik zu erörtern. Nach der ausführlichen Beschreibung des investigativen Journalismus in Theorie und Praxis muss jetzt die Frage danach gestellt werden, ob und inwiefern Wallraff Enthüllungsjournalismus mit der Medienethik in Einklang gebracht werden kann. Um dies hinreichend zu analysieren, soll im folgenden Teil der Pressekodex, die publizistischen Grundsätze, zu Rate gezogen werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Trotz der Missstände, die Wallraff aufgedeckt hat, bleibt zu sagen, dass Wallraff Methode der verdeckten teilnehmenden Beobachtung unter Soziologen und Journalisten umstritten ist, da die Personen, über die berichtet wird, nicht von der Recherche wissen. Man muss sich die Frage stellen, ob Wallraffs Recherchemethoden mit dem Pressekodex vereinbar sind, denn schließlich hat Wallraff gelogen und betrogen, um an seine Informationen zu gelangen. Hierzu sagt der Pressekodex unter Ziffer 4:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Bei der Beschaffung von personenbezogenen Daten, Nachrichten, Informationsmaterial und Bildern dürfen keine unlauteren Methoden angewandt werden.“[67]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Der Pressekodex, der die in Deutschland anerkannte Medienethik repräsentiert, besagt also, billigt Recherche grundsätzlich und hält sie für absolut notwendig, um seriösen Journalismus zu betrieben:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Recherche ist unverzichtbares Instrument journalistischer Sorgfaltspflicht. Journalisten geben sich grundsätzlich zu erkennen. Unwahre Angaben des recherchierenden Journalisten über seine Identität und darüber, welches Organ er vertritt, sind grundsätzlich mit dem Ansehen und der Funktion der Presse nicht vereinbar.“[68]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Laut Pressekodex hat Wallraff also „unlautere Methoden“[69] angewandt, um seine Informationen zu beschaffen. Er hat sich getarnt und falsche Angaben über Person und Herkunft gemacht. Gerade aus diesem Grund wird Wallraff immer wieder eine gewisse Sensationsgeilheit vorgeworfen. Heinz Klaus Mertes hat in seinem Titel „Ali. Phänomene um einen Bestseller.“ minutiös aufzuarbeiten versucht, wie und in welcher Weise Wallraff gefälscht und einseitig berichtet hat. Er kritisiert Wallraffs und wirft ihm vor, sich nur zu solchen Rollenreportagen herabzulassen, um Medienöffentlichkeit zu erreichen, so Werbung für sein Buch zu machen und dadurch die Verkaufszahlen zu steigern. Er tut Wallraffs hehre Motive als Selbstinszenierung ab.[70]</p>
<p style="text-align: justify;">Angesichts dieses Vorwurfes könnte man jetzt der soeben zitierten Ziffer des Pressekodexes zustimmen und sagen, dass Wallraff nicht nur gegen journalistisches Sorgfaltspflicht und Ethik verstoßen hat, sondern sich daran auch noch materiell bereichern konnte.</p>
<p style="text-align: justify;">So einfach kann man es sich aber bei solch schweren Missständen angesichts des erdrückenden Beweismaterials, das Wallraff nicht zuletzt mit dem Film gesammelt hat, nicht machen. Denn schließlich hat Wallraff ja über Einzelausschnitte Aussagen über die von ihm erlebte Wirklichkeit gemacht. Sollte ein solches Material jetzt aufgrund des Pressekodexes nicht veröffentlicht werden? Der Kodex selbst sieht für solche Fälle eine Zusatzklausel vor:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Verdeckte Recherche ist im Einzelfall gerechtfertigt, wenn damit Informationen von besonderem öffentlichen Interesse beschafft werden, die auf andere Weise nicht zugänglich sind.“[71]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Wie rechtfertigt Wallraff nun seine Methoden? Heiligt der Zweck etwa die Mittel? Wallraff selbst rechtfertigt seine Arbeit mit genau dem vom Pressekodex vorgegebenen Begriff öffentliches Interesse. Er formuliert dies so eindringlich und auf den Punkt gebracht, dass dieses hier Zitat ungekürzt erscheinen soll:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Es ist allgemein meine Arbeitsmethode, mit Hilfe einer fremden Rolle Informationssperren zu überwinden, um reaktionäre Sachverhalte auszuzeigen. Ich arbeitete z.B. als Hilfsarbeiter zwei Jahre in Betrieben, um die Zustände dort beschreiben zu können, ließ mich als Alkoholiker in ein Irrenhaus sperren oder lebte eine Zeitlang in Asylen. Bezeichnenderweise wird man hierzulande nicht so leicht Unternehmer oder gar Ministerialrat, wie man Arbeiter oder Obdachloser werden kann, diese Titel mußten also erst erschlichen werden, aber die Methode, in einer fremden Rolle Sachverhalte aufzudecken, die anders nicht zu erfahren sind, war die gleiche geblieben, und der Zweck der Aufklärung lag im öffentlichen Interesse. Man kann also unterstellen, daß es nicht die erschlichenen Funktionen waren, die Entrüstung erzeugten, sondern das Interesse herrschender Gruppen daran, vor der Öffentlichkeit verdeckt zu halten, was aufzuklären im öffentlichen Interesse liegt. Ich wählte das Amt des Mitwissers, um ein Stück weit hinter die Tarnwand von Verschleierung, Dementis und Lügen Einblick nehmen zu können. Die Methode, die ich wählte, war geringfügig im Verhältnis zu den rechtsbeugenden Maßnahmen und illegalen Erprobungen, die ich damit aufdeckte.“[72]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Wallraff wiegt das Gewicht des öffentlichen Interesses gegen seine unlauteren Methoden auf und kommt zu dem Ergebnis, dass das öffentliche Interesse auf jeden Fall schwerer wiegt als seine Methoden. Er kann durch sein gesammeltes Material seine Vorwürfe untermauern und er schützt seine Informanten. Außerdem betont er immer wieder, dass er sich in seiner journalistischen Tätigkeit um Vollständigkeit, Gründlichkeit und Wahrhaftigkeit, was bereits in der Definition von Journalismus angesprochen wurde, bemüht. Somit sind Wallraffs Mittel sowohl bei „Der Aufmacher“ als auch in „Ganz unten“ zu rechtfertigen und mit dem Pressekodex vereinbar.</p>
<p style="text-align: justify;">Abschließend lässt sich sagen:</p>
<p style="text-align: justify;">Wallraff Ziel ist es, Öffentlichkeit herzustellen. Das hat er erreicht. Seine übergeordnete Intention, die Menschen zu einer Veränderung der Wirklichkeit zu bewegen, ist nicht nur in Ansätzen bereits erkennbar. Wallraff geht aber noch einen Schritt weiter. Er fordert:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die Arbeit verlangt nach Vervielfältigung, nach Fortsetzung, sie ist ein ständiger Appell an andere das Gleiche zu machen. Ich arbeite eigentlich daran, mich zu erübrigen, mich überflüssig zu machen. Wenn das der Fall wäre, dann hätte ich meine Aufgabe erfüllt.“[73]</div></p>
<h3 style="text-align: justify;">5. Quellen</h3>
<p style="text-align: justify;">Arnold, Heinz Ludwig (1975): Gespräche mit Schriftstellern. Frisch, Grass, Koeppen, von der Grün, Wallraff. München: Verlag C. H. Beck.<br />
Bermes, Jürgen (1991): Der Streit um die Presseselbstkontrolle: Der deutsche Presserat. Eine Untersuchung zur Arbeit und Reform des Selbstkontrollorgans der bundesdeutschen Presse. Baden-Baden: Nomos-Verlag.<br />
Bertelsmann Neues Lexikon in 10 Bänden (1996). Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH. Band 5: Issel – Leben. (o. V.)<br />
Burkart, Roland (2002): Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag.<br />
Bild-Internetauftritt beim Axel-Springer-Konzern (online am 11.8.2006) http://www.axelspringer.de/inhalte/angebot/frame.htm<br />
Dithmar, Reinhard (1973): Günter Wallraffs Industriereportagen. Kronberg: Sriptor Verlag GmbH &amp; Co.KG.<br />
Dudenredaktion (Hrsg.) (2001): Duden Band 5. Fremdwörterbuch. Mannheim, Leipzig, Wien und Zürich: Dudenverlag. 7., neu bearbeitete und erweiterte Auflage.<br />
Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. München: Verlag C. H. Beck. Aus der Reihe: Arnold, Heinz Ludwig/ Wieckenberg, Ernst-Peter (1979): Autorenbücher. München: Verlag C. H. Beck.<br />
Holderegger, Adrian (Hrsg.) (2004): Kommunikations- und Medienethik. Interdisziplinäre Perspektiven. Freiburg und Wien: Verlag Herder. 3. erweiterte Auflage.<br />
Lamnek, Siegfried (1995): Qualitative Sozialforschung. Band 2: Methoden und Techniken. Weinheim: Beltz, PsychologieVerlagsUnion. 3. korrigierte Auflage.<br />
Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. Köln: Kiepenheuer &amp; Witsch.<br />
Ludwig, Johannes (2002): Investigativer Journalismus. Recherchestrategien, Quellen, Informanten. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH.<br />
Mertes, Heinz Klaus (1986): Ali. Phänomene um einen Bestseller. München und Berlin: F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung.<br />
Poschmann, Petra (1987): Günter Wallraff. Reportagen und öffentliche Resonanz. o.O.<br />
Pressekodex, in der Version März 2006, Internetquelle (online am 11.8.2006): http://www.presserat.de/uploads/media/Kodex_04.pdf .<br />
Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. In: Tintenfisch, Jahrgang 1973, Nummer 6, S. 67ff.<br />
Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. Köln: Kiepenheuer &amp; Witsch.<br />
Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. Köln: Kiepenheuer &amp; Witsch. 17. Auflage 2004.</p>
<h3 style="text-align: justify;">Anmerkungen:</h3>
<p style="text-align: justify;">[1] Bertelsmann Neues Lexikon in 10 Bänden (1996). Gütersloh: Bertelsmann Lexikon Verlag GmbH. Band 5: Issel – Leben. (o. V.), S. 65. (Hervorhebungen wie im Original)<br />
[2] Dudenredaktion (Hrsg.) (2001): Duden Band 5. Fremdwörterbuch. Mannheim, Leipzig, Wien und Zürich: Dudenverlag. 7., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. S. 459.<br />
[3] Ludwig, Johannes (2002): Investigativer Journalismus. Recherchestrategien, Quellen, Informanten. Konstanz: UVK Verlagsgesellschaft mbH. S. 19ff.<br />
[4] zitiert nach Burkart, Roland (2002): Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft. Wien, Köln und Weimar: Böhlau Verlag. S. 279.<br />
[5] zitiert nach Burkart, Roland (2002): Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer interdisziplinären Sozialwissenschaft. a. a. O., S. 280/281.<br />
[6] Zudem muss davon ausgegangen werden, dass Journalisten einer Tageszeitung zumeist nicht die Zeit haben, sich um solche Recherchen zu kümmern, da sie vom Alltagsgeschäft stark in Anspruch genommen werden.<br />
[7] Bertelsmann Neues Lexikon in 10 Bänden (1996). a. a. O. S. 65.<br />
[8] Arnold, Heinz Ludwig (1975): Gespräche mit Schriftstellern. Frisch, Grass, Koeppen, von der Grün, Wallraff. München: Verlag C. H. Beck. S. 199.<br />
[9] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. In: Tintenfisch, Jahrgang 1973, Nummer 6, S. 69.<br />
[10] Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. München: Verlag C. H. Beck. Aus der Reihe: Arnold, Heinz Ludwig/ Wieckenberg, Ernst-Peter (1979): Autorenbücher. München: Verlag C. H. Beck. S. 41.<br />
[11] Zitiert nach: Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. a. a. O. S. 49.<br />
[12] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. a. a. O., S. 69.<br />
[13] Zitiert nach: Dithmar, Reinhard (1973): Günter Wallraffs Industriereportagen. Kronberg: Sriptor Verlag GmbH &amp; Co.KG. S. 67.<br />
[14] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. a. a. O. S. 71.<br />
[15] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. a. a. O. S. 71.<br />
[16] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. a. a. O. S. 73.<br />
[17] Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. a. a. O. S. 50.<br />
[18] Zitiert nach Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. a. a. O. S. 50.<br />
[19] Zitiert nach: Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. a. a. O. S. 52.<br />
[20] Zitiert nach: Hahn, Ulla/ Töteberg, Michael (1979): Günter Wallraff. a. a. O. S. 42.<br />
[21] Anm.: Literaturtheoretisch gesehen ist die Abgrenzung von Reportage und Roman gerade durch das Anwenden der Montagetechnik problematisch, da die Wirklichkeit durch die Montage eben künstlerisch geordnet wird. Vgl. dazu<br />
[22] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. a. a. O. S. 72.<br />
[23] Lamnek, Siegfried (1995): Qualitative Sozialforschung. Band 2: Methoden und Techniken. Weinheim: Beltz, PsychologieVerlagsUnion. 3. korrigierte Auflage. S. 239ff.<br />
[24] Lamnek, Siegfried (1995): Qualitative Sozialforschung. Band 2: Methoden und Techniken. a. a. O. S. 243. [Hervorhebungen wie im Original]<br />
[25] Lamnek, Siegfried (1995): Qualitative Sozialforschung. Band 2: Methoden und Techniken. a. a. O. S. 251.<br />
[26] Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. Köln: Kiepenheuer &amp; Witsch. S. 9.<br />
[27] Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. a. a. O. S. 11. [Hervorhebungen wie im Original]<br />
[28] Poschmann, Petra (1987): Günter Wallraff. Reportagen und öffentliche Resonanz. o.O. S. 24.<br />
[29] Poschmann, Petra (1987): Günter Wallraff. Reportagen und öffentliche Resonanz. o.O. S. 24.<br />
[30] Poschmann, Petra (1987): Günter Wallraff. Reportagen und öffentliche Resonanz. o.O. S. 24.<br />
[31] Arnold, Heinz Ludwig (1975): Gespräche mit Schriftstellern. Frisch, Grass, Koeppen, von der Grün, Wallraff. a. a. O. S. 211.<br />
[32] Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. a. a. O. S. 58.<br />
[33] Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. a. a. O. S. 113.<br />
[34] Lamnek, Siegfried (1995): Qualitative Sozialforschung. Band 2: Methoden und Techniken. a. a. O. S. 266.<br />
[35] Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. a. a. O. S. 58.<br />
[36] Dithmar, Reinhard (1973): Günter Wallraffs Industriereportagen. a. a. O. S. 53.<br />
[37] Wallraff, Günter (1973): Wirkungen in der Praxis. a. a. O. S. 72/73.<br />
[38] Bild-Internetauftritt beim Axel-Springer-Konzern (online am 11.8.2006) http://www.axelspringer.de/inhalte/angebot/frame.htm<br />
[39] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. Köln: Kiepenheuer &amp; Witsch. S. 9.<br />
[40] Zitiert nach: Dithmar, Reinhard (1973): Günter Wallraffs Industriereportagen. a. a. O. S. 105.<br />
[41] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S. 14.<br />
[42] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S. 13.<br />
[43] Zitiert nach: Dithmar, Reinhard (1973): Günter Wallraffs Industriereportagen. a. a. O. S. 100.<br />
[44] Poschmann, Petra (1987): Günter Wallraff. Reportagen und öffentliche Resonanz. o.O. S.88.<br />
[45] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.60ff.<br />
[46] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.23.<br />
[47] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.215.<br />
[48] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.10.<br />
[49] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S. 27.<br />
[50] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.224.<br />
[51] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.226.<br />
[52] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.226ff.<br />
[53] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.226ff.<br />
[54] Wallraff, Günter (1977): Der Aufmacher. Der Mann, der bei Bild Hans Esser war. a. a. O. S.10.<br />
[55] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. Köln: Kiepenheuer &amp; Witsch. 17. Auflage 2004. S. 12.<br />
[56] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 12.<br />
[57] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 91ff.<br />
[58] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 84.<br />
[59] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 84.<br />
[60] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 114ff.<br />
[61] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 84.<br />
[62] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 217ff.<br />
[63] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 253/254.<br />
[64] Die detaillierten Konsequenzen können in Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 260ff nachgelesen werden.<br />
[65] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. S. 333.<br />
[66] Wallraff, Günter (1984): Ganz unten. Mit einer Dokumentation der Folgen. a. a. O. Klappentext.<br />
[67] Pressekodex, in der Version März 2006, Internetquelle (online am 11.8.2006): http://www.presserat.de/uploads/media/Kodex_04.pdf .<br />
[68] Pressekodex, in der Version März 2006, a. a. O.<br />
[69] Pressekodex, in der Version März 2006, a. a. O.<br />
[70] Mertes, Heinz Klaus (1986): Ali. Phänomene um einen Bestseller. München und Berlin: F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung.<br />
[71] Pressekodex, in der Version März 2006, a. a. O.<br />
[72] Lindner, Christian (Hrsg.) (1975): In Sachen Wallraff. Berichte, Analysen, Meinungen und Dokumente. a. a. O. S. 28. [Hervorhebungen wie im Original]<br />
[73] Arnold, Heinz Ludwig (1975): Gespräche mit Schriftstellern. Frisch, Grass, Koeppen, von der Grün, Wallraff. a. a. O. S. 243.</p>
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		<title>Perspektiven auf Unternehmens-Kommunikation</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Dec 2011 13:43:00 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[Unter Berücksichtigung des jeweiligen Erkenntnisinteresses der Perspektiven auf Unternehmenskommunikation findet sich nachfolgend eine Herausarbeitung der Kernthesen des ersten Teils des Buchs &#8220;Unternehmenskommunikation&#8221; von Claudia Mast. 1. Einleitung Das von Claudia Mast im Jahre 2002 publizierte Buch „Unternehmenskommunikation. Ein Leitfaden“ thematisiert die Kommunikation von Unternehmen sowohl aus kommunikationswissenschaftlicher als auch aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive. Gerade angesichts der ständig wechselnden Lage auf den Märkten rücken Kommunikationsprozesse mehr und mehr in eine zentrale Rolle. Daher informiert das vorliegende Buch über theoretische Ansätze, Problemanalysen, strategische [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><a title="Infos zu Creative Commons Lizenzierungen" href="http://creativecommons.org/licenses/" target="_blank"><img class="alignnone size-full wp-image-1876" title="Creative Commons Nutzungsbedinungen" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/cc.png" alt="" width="19" height="19" /></a><img class="alignnone size-full wp-image-1875" title="Namensnennung" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/by.png" alt="" width="19" height="19" /><img class="alignnone size-full wp-image-1877" title="Nicht-kommerzielle Nutzung" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/nc-eu.png" alt="" width="19" height="19" /><img class="alignnone size-full wp-image-1879" title="Keine Bearbeitung" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/nd.png" alt="" width="19" height="19" /><img class="alignnone size-full wp-image-1878" title="Weitergabe unter gleichen Bedingungen" src="http://www.jessicabreidbach.de/wp-content/uploads/2011/11/sa.png" alt="" width="19" height="19" /></p>
<p style="text-align: justify;">Unter Berücksichtigung des jeweiligen Erkenntnisinteresses der Perspektiven auf Unternehmenskommunikation findet sich nachfolgend eine Herausarbeitung der Kernthesen des ersten Teils des Buchs &#8220;Unternehmenskommunikation&#8221; von Claudia Mast.</p>
<h3 style="text-align: justify;">1. Einleitung</h3>
<p style="text-align: justify;">Das von Claudia Mast im Jahre 2002 publizierte Buch „Unternehmenskommunikation. Ein Leitfaden“ thematisiert die Kommunikation von Unternehmen sowohl aus kommunikationswissenschaftlicher als auch aus wirtschaftswissenschaftlicher Perspektive. Gerade angesichts der ständig wechselnden Lage auf den Märkten rücken Kommunikationsprozesse mehr und mehr in eine zentrale Rolle. Daher informiert das vorliegende Buch über theoretische Ansätze, Problemanalysen, strategische Planung sowie Umsetzung von Kommunikationskonzepten in der Unternehmenskommunikation, die sowohl an interne als auch an externe Teilöffentlichkeiten gerichtet ist.[1] Im folgenden Textteil werden die Kapitel zwei, drei und vier des Buchs kurz zusammengefasst. Zusätzlich sollen zu jedem Kapitel das jeweilige Erkenntnisinteresse formuliert und die zentralen Kernthesen herausgearbeitet werden.</p>
<h3 style="text-align: justify;">2. Theorien der Unternehmenskommunikation</h3>
<p style="text-align: justify;">Das zweite Kapitel der Buchs stellt einige theoretische Ansätze vor, die für die Unternehmenskommunikation relevant sind. Eine Theorie ist eine in sich geschlossene „überprüfbare wissenschaftliche Behauptung“.[2] Deutlich differenziert wird zwischen sozialwissenschaftlichen Modellen und wirtschaftswissenschaftlichen Ansätzen.</p>
<p style="text-align: justify;">Das Erkenntnisinteresse dieses Kapitels liegt in den Chancen, Möglichkeiten und Zielen, die die integrierte Unternehmenskommunikation impliziert. Intention der integrierten Unternehmenskommunikation ist es, verschiedene divergierende Ansätze und Modelle zusammenzuführen, um dadurch die Kommunikation des Unternehmens einheitlich auf den Rezipienten auszurichten zu können.</p>
<h4 style="text-align: justify;">2.1. Mikro-, meso- und makrotheoretische Modelle</h4>
<p style="text-align: justify;">Definitorisch voneinander abgegrenzt werden mikro-, meso- und makrotheoretische Modelle als „zentrale Perspektiven“[3] für die Unternehmenskommunikation anzusehen.</p>
<p style="text-align: justify;">Mikrotheoretische Ansätze kümmern sich um Kleingruppen und Individuen sowie um deren Kommunikationsverhalten.[4] Public Relations[5] ist hier das Medium, um diese Funktion ausüben zu können. PR nach Oeckl ist „das bewusst geplante und dauerhafte Bemühen, gegenseitiges Verständnis in der Öffentlichkeit auszubauen und zu pflegen.“[6]</p>
<p style="text-align: justify;">Ziel der PR ist es also, Vertrauen zwischen dem Unternehmen und der Öffentlichkeit zu wecken bzw. eine Identität der Interessen zwischen beiden herzustellen.[7] Mesotheoretische Modelle sind an Organisationen und Institutionen adressiert. Ziel ist es, die Funktion von Kommunikation sowie von Kommunikationsprozessen für das Unternehmen zu erklären. Außerdem stellen sie sich die Frage, welchen Beitrag Unternehmenskommunikation für das Erreichen der Unternehmensziele leisten kann.[8]</p>
<p style="text-align: justify;">Ebenfalls auf der Mesoebene operieren die marketingorientierten Ansätze, die gleichfalls die Leistungen und Funktionen von Kommunikation, speziell von PR, für Unternehmen analysieren. Allerdings sehen sie die Kommunikation nicht als zentralen Baustein für Organisationen an, sondern als eines von vielen kommunikationspolitischen Instrumenten zur Steigerung der Unternehmens- bzw. Produktimages.“[9] Makrotheoretische Ansätze richten sich an die Gesamtgesellschaft und explizieren Stellenwert und Nutzen von PR für die Gesellschaft. Sie beinhalten eine Legitimations- und Informationsfunktion.[10]</p>
<h4 style="text-align: justify;">2.2. PR-orientierte und marketingorientierte Modelle</h4>
<p style="text-align: justify;">Sowohl PR-orientierte Ansätze, die aus der Sozialwissenschaft abgeleitet wurden, als auch marketingorientierte Modelle, die in der Wirtschaftswissenschaft zu verorten sind, beinhalten mikro-, meso- und makrotheoretische Modellansätze. Allerdings divergieren diese Ansätze. Sie unterscheiden sich in Bezug auf Rollen, Einfluss und Verständnis von Unternehmenskommunikation. PR-orientierte Ansätze beschäftigen sich mit der Kommunikation von Unternehmen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Public relations is a communication function of management through which organizations adapt to, alter, or maintain their environment fort he purpose of achieving organizational goals.“[11]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Ziel von PR nach diesem Ansatz soll es sein, die Aufmerksamkeit des Rezipienten auf das Unternehmen oder dessen Produkt zu konzentrieren. Wichtiger Grundsatz ist hierbei die wahrheitsgemäße Informationsverbreitung. Zudem ist die PR auf Überzeugung des Rezipienten und Feedback durch denselben angewiesen. Gegenseitige Beeinflussung und wechselseitiges Verständnis werden als unabdingbar angesehen. Als Beispiele können hier die vier Grundmodelle nach Grunig und Hunt sowie das Win-Win-Modell der Unternehmenskommunikation angeführt werden. PR wird also als Mittel der Unternehmenskommunikation gesehen.[12]</p>
<p style="text-align: justify;">Um den PR-orientierten Ansätzen die marketingorientierten Modelle gegenüberstellen zu können, muss zuerst der Begriff Marketing definitorisch erläutert werden:</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Marketing bedeutet […] Planung, Koordination und Kontrolle aller auf die aktuellen und potenziellen Märkte ausgerichteten Unternehmensaktivitäten. Durch eine dauerhafte Befriedigung der Kundebedürfnisse sollen die Unternehmensziele im gesamtwirtschaftlichen Güterversorgungsprozess verwirklicht werden.“[13]</div></p>
<p style="text-align: justify;">PR wird als kommunikationspolitisches Instrument des Marketings begriffen und soll – verschmolzen mit dem Marketing – eine „geschlossene unternehmerische Führungskonzeption“[14] für interne und externe Kommunikation bilden. Generelle Aufgabe der PR ist es, Handlungsspielräume für ein Unternehmen zu schaffen und zu sichern. PR übt also eine Legitimationsfunktion aus. Corporate Communications ist also das strategische Dach aller Marketingaktivitäten und Kommunikationsmaßnahmen eines Unternehmens, unter das PR als Mittel zur Absatzpolitik eingegliedert werden kann.[15]</p>
<h4 style="text-align: justify;">2.2. Integrierte Unternehmenskommunikation und ihre Ziele</h4>
<p style="text-align: justify;">Integrierte Unternehmenskommunikation versucht jetzt, diese unterschiedlichen Ansätze wie z.B. mesotheoretische Modelle, PR-orientierte Ansätze und marketingorientierte Theorien zu vereinen.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Integrierte Kommunikation ist en Prozess der Analyse, Planung, Organisation, Durchführung und Kontrolle, der darauf ausgerichtet ist, aus den differenzierten Quellen der internen und externen Kommunikation von Unternehmen eine Einheit herzustellen, um ein für die Zielgruppen der Unternehmenskommunikation konsistentes Erscheinungsbild über das Unternehmen zu vermitteln.“[16]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Durch die Corporate Identity, welche Corporate mission, Corporate personality, Corporate design, Corporate culture, Corporate behavior und Corporate communications beinhaltet, soll genau dieses nach außen hin geschlossene und ganzheitliche Erscheinungsbild kreiert werden. So wird beim Rezipienten durch die Einheitlichkeit des Auftretens Image, Reputation und Marke und Marke des Unternehmens gezielt beeinflusst und versucht zu verbessern.[17]</p>
<h3 style="text-align: justify;">3. Wirtschafts- und kommunikationswissenschaftliche Perspektiven</h3>
<p style="text-align: justify;">Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit wirtschafts- und kommunikationswissenschaftlichen Perspektiven der Unternehmenskommunikation. Erkenntnisinteresse und Kernelement ist hierbei die These, dass Kommunikation den Unternehmenswert zu steigern vermag. Als Stichwort fällt an dieser Stelle das Issues Management, welches Geschäfts- und Kommunikationsziele vereinen soll.[18]</p>
<h4 style="text-align: justify;">3.1. Kommunikation als werteorientierter Prozess</h4>
<p style="text-align: justify;">Durch so genannte Makrotrends in Kommunikationssystemen ändern sich die Bedingungen für das Kommunikationsmanagement grundlegend. Der Markt wandelt sich von einem Verkäufer- zu einem Käufermarkt. Daher werden Kommunikationsprozesse zu einem „entscheidenden Wettbewerbsfaktor“[19] und sind „integraler Bestandteil der Marketingstrategie“.[20]</p>
<p style="text-align: justify;">Aus dieser zentralen Rolle der Kommunikation ergibt sich die Frage, wie das Kommunikationsmanagement aufgestellt wird und an welchen Werten es sich orientieren soll. Kommunikation wird immer mehr als werteorientierter Prozess[21] gesehen und bewegt sich damit in vom Unternehmen im Vorfeld durch Werte definierten Handlungsräumen. Zudem wird das Leitbild des „Arrow Approach“[22], also einer instrumentellen, linearen Einwegkommunikation, abgelöst vom Leitbild des „circuit approach“[23], einer interaktiven, kreisförmig verlaufenden Zweiwegkommunikation. Durch die Optimierung dieses Prozesses können außerdem Verbesserungen der Qualität des werteorientierten Kommunikationsmanagements erreicht werden.[24] Balanced Scorecard und Benchmarking sind hier Instrumente, um dies zu verwirklichen.[25]</p>
<h4 style="text-align: justify;">3.2. Proaktives Handeln: Issues Management</h4>
<p style="text-align: justify;">Issues Management bezeichnet den Prozess des proaktiven Handels. Dies ist wichtig, um den Erfolg des werteorientierten Kommunikationsmanagements zu sichern und Konflikten frühzeitig entgegenzuwirken. Issues sind dabei erst einmal Themen gesellschaftlicher Rahmenbedingungen oder Wertevorstellungen des Unternehmensumfeldes.[26] Sie behandeln Themen mit öffentlichem Interesse und hohem Konfliktpotenzial. Issues Management bezeichnet dann die „gezielte Implementierung von politischen, wirtschaftlichen oder gesellschaftlichen Themen in die Öffentlichkeit durch Unternehmen oder Organisationen.“[27]</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Issues Management will als Frühwarnsystem alle Signale eines Unternehmensumfeldes so früh als möglich erkennen und antizipieren, mit dem Ziel, sowohl diese Entwicklungen und ihre öffentliche Thematisierung aktiv zu steuern als auch Informationen aus der Unternehmensumwelt in die internen Entscheidungsprozesse zu integrieren.“[28]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Der Prozess des Issues Managements lässt sich in unterschiedliche Phasen aufteilen, die von Antizipation und Identifikation möglicher Themen bis hin zu einzuleitenden Gegenmaßnahmen reichen. Wichtige Faktoren sind vor allem Scanning und Monitoring, also die Beobachtung des Unternehmensumfeldes. Zu beachten ist zudem der Lebenszyklus eines Issue, den Verlauf, den ein Issue nimmt, und die möglichen daraus resultierenden Konsequenzen für ein Unternehmen. Daher ist das Issues Management in der Praxis nicht in idealtypische Weise auszuüben, da es viele Unsicherheitsfaktoren gibt.[29]</p>
<h3 style="text-align: justify;">4. Von der Analyse bis zur Erfolgskontrolle</h3>
<p style="text-align: justify;">Nach den theoretischen Grundlegungen werden im Kapitel vier nun verschiedene Ansätze und Vorgehensweisen vorgestellt, wie Unternehmen ihre Kommunikationsprozesse ordnen können. Zentrales Erkenntnisinteresse ist die Erläuterung des strategischen Vorgehens in der Planung und Optimierung von Kommunikation im Unternehmensumfeld. So thematisiert das Kapitel die Planung von Kommunikationskonzepten bis hin zur Umsetzung und Erfolgskontrolle. Die Erstellung eines Kommunikationskonzepts garantiert dabei zwar keinen Erfolg, minimiert jedoch das Risiko.</p>
<h4 style="text-align: justify;">4.1. Strukturierung und Planung</h4>
<p style="text-align: justify;">Bevor ein Kommunikationskonzept erarbeitet werden kann, muss zuerst das Unternehmensumfeld dahingehend strukturiert werden, wie das Umfeld mit dem Unternehmen in Interaktion tritt und ob es innerhalb des Umfelds Gruppen mit gemeinsamen Interessen gibt. Anhand dieser Unterscheidungsmerkmale kristallisieren sich drei unterschiedliche Gruppen heraus: Zielgruppen (Bezugsgruppen), Stakeholder (Anspruchsgruppen) und Publics (Teilöffentlichkeiten), die weiterhin differenziert und segmentiert werden können.[30] Danach kann der eigentliche Planungsprozess beginnen, der ebenfalls in unterschiedliche Phasen eingeteilt werden kann.</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Die strategische Planung bezieht sich auf die Entwicklung von grundsätzlichen Konzepten zur Sicherung des Unternehmenserfolgs. Eine Strategie kann definiert werden als Festlegung bedingter, langfristiger Verhaltenspläne zur Erreichung der Unternehmensziele.“[31]</div></p>
<p style="text-align: justify;">Eine strategische Planung analysiert zuerst Situation und Probleme. Dann werden Ziele formuliert, die mit danach festgelegten Strategien und Instrumenten am Abschluss des Prozesses in die Realität umgesetzt werden sollen. Diese Phasen werden von einem ständigen Prozess der Kontrolle begleitet.[32]</p>
<p style="text-align: justify;"><div class="pullquote-center">„Strategisches Vorgehen heißt, dass Ziele oder Soll-Zustände definiert werden und ein Plan formuliert wird, wie man dorthin gelangt. Ziele müssen realisierbar, konkret, konsistent und messbar sein. Zu unterscheiden sind kognitive, affektive und konative Ziele.“[33]</div></p>
<h4 style="text-align: justify;">4.2. Realisierung und Erfolgskontrolle</h4>
<p style="text-align: justify;">Ist die Situationsanalyse abgeschlossen, wird ein Kommunikationskonzept nach den Regeln des strategischen Managements aufgestellt. Hier werden z.B. die Issues nach bestimmten Vorgaben geordnet. So wird bestimmt, welche Themen zuerst abgearbeitet werden sollen. Die Strategie reduziert daher die Komplexität der gestellten Aufgabe.[34] Gerade für die folgende Implementierung und Realisation des Konzepts ist die Unique Communication Proposition, also der „einzigartige Kommunikationsvorteil“[35] eines Unternehmens wichtig. Nach der Umsetzung findet zudem eine Erfolgskontrolle statt. Ziel der Evaluation ist es, die Wirkungen der Kommunikationsmaßnahen hinsichtlich der vorher formulierten Ziele zu messen, um das Konzept zu beurteilen und die Unternehmenskommunikation zu legitimieren. Zur Durchführung stehen verschiedene Analyse- und Evaluierungsinstrumente zur Verfügung.[36]</p>
<h3 style="text-align: justify;">5. Fazit</h3>
<p style="text-align: justify;">Zuerst werden also theoretische Rahmenbedingungen der Unternehmenskommunikation expliziert. Darauf gründend werden Leitfäden vorgestellt, die zeigen, wie Kommunikationskonzepte aufzustellen, in die Praxis umzusetzen und zu evaluieren sind.</p>
<h3>Quellen:</h3>
<p>Mast, Claudia (2002): Unternehmenskommunikation. Ein Leitfaden. Stuttgart (Lucius &amp; Lucius/UTB)</p>
<h3 style="text-align: justify;">Anmerkungen:</h3>
<p style="text-align: justify;">[1] Vgl. Klappentext: Mast, Claudia (2002): Unternehmenskommunikation. Ein Leitfaden. Stuttgart (Lucius &amp; Lucius/UTB).<br />
[2] Ebd. S. 27<br />
[3] ebd. S. 28<br />
[4] vgl. S. 28/29 u. S. 62<br />
[5] Anm.: im folgenden Text mit PR abgekürzt<br />
[6] ebd. S. 29, nach Oeckl<br />
[7] vgl. ebd. S. 29<br />
[8] vgl. ebd. S. 62<br />
[9] ebd. S. 30<br />
[10] vgl. ebd. S. 30/32 u. S. 62<br />
[11] ebd. S. 32<br />
[12] vgl. ebd. S. 32-42<br />
[13] ebd. S. 42<br />
[14] ebd. S. 45<br />
[15] ebd. S. 42-47<br />
[16] ebd. S. 48/49<br />
[17] vgl. ebd. S. 48-62<br />
[18] vgl. ebd. S. 66/67<br />
[19] ebd. S. 68<br />
[20] ebd. S. 68<br />
[21] ebd. S. 71<br />
[22] ebd. S. 72<br />
[23] ebd. S. 73<br />
[24] ebd. S. 75-81<br />
[25] ebd. S. 82-84<br />
[26] ebd. S. 85/86<br />
[27] ebd. S. 86, nach Merten 2000, 155<br />
[28] ebd. S. 86<br />
[29] ebd. S. 86-99<br />
[30] ebd. S. 102-115<br />
[31] ebd. S. 117<br />
[32] vgl. S. 116-127<br />
[33] ebd. S. 158<br />
[34] ebd. S. 127-131<br />
[35] ebd. S. 132<br />
[36] ebd. S. 134-159</p>
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